Leben mit Hund

Tierärztin klärt auf: Das darf in den Hundenapf

Tierärztin Nina Sonnenschein sagt: Leckerchen sind okay, aber nur in Maßen. Malteserhündin Easy leckt sich zwar genüsslich die Schnauze, verschmäht die kleinen gelben Knochen aber dann doch. Foto: Roland Keusch
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Tierärztin Nina Sonnenschein sagt: Leckerchen sind okay, aber nur in Maßen. Malteserhündin Easy leckt sich zwar genüsslich die Schnauze, verschmäht die kleinen gelben Knochen aber dann doch.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Nassfutter, Trockenfutter oder Barfen? Nina Sonnenschein gibt Tipps

Frau Sonnenschein, wer als Hundebesitzer ein Tierfuttergeschäft betritt, findet eine riesige Auswahl vor. Wie finde ich heraus, welches Futter für meinen Hund am besten geeignet ist?

Nina Sonnenschein: Meistens bekommt man seinen Hund ja vom Züchter oder von einem Vorbesitzer – hier empfiehlt es sich, vor allem bei Welpen, das gleiche Futter zumindest für die erste Zeit mitzunehmen. Denn die Umstellung der Wohnsituation und neue Besitzer sind für das Tier ja schon aufregend genug. Da muss nicht zeitgleich noch eine Futterumstellung erfolgen. Dies könnte sonst mit Unverträglichkeiten wie Durchfall einhergehen. Danach heißt es einfach: ausprobieren. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch, man kann nicht pauschal sagen, welches Futter das beste ist. Man sollte aber auf Dinge wie Verträglichkeit, Kotabsatz, Blähungen, Fell achten. Das ist je nach Hund unterschiedlich. Wenn mein Hund mit dem von mir ausgewählten Futter gut klarkommt – super.

Ist ein Nassfutter oder ein Trockenfutter besser?

Sonnenschein: Auch nicht zu pauschalisieren, das kommt auf den Hund an. Bei Trockenfutter hat man einen besseren Abrieb der Zähne, Nassfutter nehmen Hundebesitzer gern, wenn das Tier bereits Vorerkrankungen hat und man eine hohe Wasseraufnahme garantieren will. Denn in Nassfutter ist schon ein hoher Wasseranteil enthalten. Generell unterliegen alle Futter, die im Handel angeboten werden, strengen Kontrollen.

Was halten Sie vom Barfen, also der „biologisch artgerechten Rohfütterung“?

Sonnenschein: Der Grundsatz vom Barfen ist eine sehr schöne Idee. Die Ernährung orientiert sich hierbei an der des Wolfes. Wobei man natürlich sagen muss, dass ein Wolf in freier Wildbahn nur drei bis vier Jahre alt wird, und unser Hund soll natürlich möglichst ein paar Jahre älter werden. Von daher hinkt der Vergleich, aber der Grundgedanke ist richtig. Aber absolut nicht zu unterschätzen ist der Aufwand. Erstens muss man eine Rationsberechnung durchführen: Was für ein Tier habe ich, welche Rasse? Habe ich ein Arbeitstier oder einen Couch-Potato? Eine Dogge hat einen anderen grundlegenden Energiebedarf als zum Beispiel ein Dackel. Daher ist die Rationsberechnung vorab sehr wichtig. Ich empfehle meinen Kunden, zur Uni zu gehen und sich auf wissenschaftlicher Basis diese Berechnung anfertigen zu lassen. Wenn man einmal weiß, was sein Hund braucht, kann man in einen Barf-Shop gehen, sich beraten lassen und dann zu Hause kochen. Aber es ist intensiv. Man braucht eine Fleischkomponente, diese muss gelagert werden. Man braucht eine Kohlehydratquelle, das heißt, es muss frisch gekocht werden. Das Ganze muss zerkleinert werden. Dann braucht man je nach Berechnung Mineralien & Co. als Pulverform. Ich habe tatsächlich selbst mal gebarft, es ist aber sehr zeitintensiv und nicht die bequemste Fütterung, vor allem nicht im Urlaub. Aber wenn man sich dran hält und es gut macht, ist es eine gute Sache. Der Hund hat beim Barfen nur einen sehr geringen Kotabsatz, was zeigt, dass er sehr viel vom Futter verstoffwechselt. Aber man muss auch wissen: Wenn man Schlund füttert, kann noch Schilddrüse dran sein. Das Hormon, das der Hund dann aufnimmt, kann sich negativ auf die Blutwerte des Hundes auswirken. Schlund hat man vereinzelt auch in den Barf-Komplettportionen, das kann man nicht ganz ausschließen. Zudem muss man auf den Calcium- und Phosphorhaushalt achten: Wenn hier ein Mangel entsteht, zieht sich der Hund diese Nährstoffe aus seinen eigenen Knochen.

Wie macht sich das bemerkbar?

Sonnenschein: Wir sehen dann hier zum Beispiel einen zehn Jahre alten Labrador, der immer gebarft wurde und äußerlich gut aussieht, dann aber einen Kieferbruch erleidet, weil er nach einem Ball schnappen wollte. Der Knochen wurde aufgrund des Mangels regelrecht ausgehöhlt. Das kann passieren, muss aber nicht.

Das heißt, die falsche Ernährung kann für Krankheiten und Mangel, so auch für Gelenkprobleme, sorgen?

Sonnenschein: Ja. Wenn man an übergewichtige Hunde denkt, sieht man oft auch Gelenkprobleme. Aber nicht nur. Übergewicht geht auf alle Organe, sie verfetten. Man klaut dem Hund damit Lebenszeit. Daher lieber etwas weniger füttern. Grundsätzlich sollte der Hund eher etwas schlanker als zu dick sein.

Wie viel sollte ein Hund denn am Tag fressen? Gibt es eine Faustformel?

Sonnenschein: Eine Faustformel gibt es nicht. Wie viel er fressen sollte, kommt auf den Hund, das Alter und die Bewegung an. Auf dem industriell hergestellten Futter gibt es immer eine Fütterungsempfehlung, daran kann man sich orientierten – dabei lieber am unteren als am oberen Rand der Herstellerangabe. Und: Auch Leckerchen müssen in die Tagesration eingerechnet werden. Es gibt viele Leckerchen, die aus reinem Fleisch sind, das bevorzuge ich persönlich. Es gibt aber auch solche, die man vielleicht mit Haribo vergleichen kann, die ungesunden, leckeren Sachen. Die darf der Hund auch mal bekommen, ich finde das ehrlich gesagt nicht so dramatisch – aber immer alles in Maßen. Dann darf er auch mal das obligatorische Leberwurstbrot von der Oma bekommen. Es sollte aber kein Standard werden.

Was dürfen Hunde auf gar keinen Fall fressen?

Sonnenschein: Xylit als neuer Zuckerersatz ist giftig für Hunde. Ebenso giftig ist Schokolade, diese enthält Theobromin. Trauben und Rosinen sind giftig für die Nieren. Ein Hund verstoffwechselt auch Alkohol nur sehr langsam, ist also giftig. Auch Koffein ist tabu. Nüsse sind nicht gut. Rohes Schweinefleisch sollte man nicht geben – ein Virus der Schweine könnte auf den Hund übergehen. Knoblauch und Zwiebeln haben Schwefelverbindungen, die der Hund nicht gut vertragen kann. Hühnerknochen können splittrig sein. Und Milch braucht ein ausgewachsener Hund genauso wenig wie eine ausgewachsene Katze.

Zur Person

Die gebürtige Wuppertalerin Nina Sonnenschein (29) arbeitet seit April in der Tierarztpraxis Dr. Christoph Capellmann, Blumenstraße 46. Nachdem Praxisgründer Dr. Horst Sieg in den Ruhestand gewechselt ist, hat Dr. Capellmann übernommen. Sonnenschein und Dr. Imke Braß komplettieren das Tierarzt-Team. Sonnenschein hat in München Veterinärmedizin studiert. Anschließend arbeitete sie in einer Tierklinik in Düsseldorf und in einer Pferdeklinik. Sie hat eine chiropraktische Ausbildung absolviert und selbst einen Mischlingshund. Kontakt zur Praxis: Tel. 4 14 20.

remscheid-tierarzt.de

Alle Teile unserer RGA-Serie finden Sie hier.

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