Forschungsprojekt „Mosaik“

Uni-Projekt würdigt Integrationsarbeit

Vor 60 Gästen im Vaßbendersaal am Markt lobte Projektleiter Professor Dr. Thorsten Wiechmann (TU Dortmund) die „tolle Datengrundlage“, mit der sein Team von der Stadt Remscheid versorgt worden sei. Diese bilde ein „Pfund“, auf dem die Wissenschaftler in den Quartieren aufbauen. Foto: Doro Siewert
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Vor 60 Gästen im Vaßbendersaal am Markt lobte Projektleiter Professor Dr. Thorsten Wiechmann (TU Dortmund) die „tolle Datengrundlage“, mit der sein Team von der Stadt Remscheid versorgt worden sei. Diese bilde ein „Pfund“, auf dem die Wissenschaftler in den Quartieren aufbauen.
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Wissenschaftler der TU Dortmund forschen mit großem Aufwand drei Jahre lang in vier Quartieren.

Von Andreas Weber

Die graue Maus Remscheid als hochgelobte Vorzeigestadt. Der Auftakt zum Forschungsprojekt „Mosaik“ am Dienstagnachmittag im Vaßbendersaal ging den Stadtverantwortlichen runter wie Öl. Denn über drei Jahre wird Remscheid zum Labor, bei dem der Frage nachgespürt wird, warum trotz Multikulti das Miteinander weitgehend konfliktarm funktioniert. Die Quartiere Hasenberg, Hohenhagen, Honsberg und Rosenhügel werden von einem siebenköpfigen Wissenschaftsteam der Technischen Universität Dortmund intensiv unter die Lupe genommen.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz freut sich, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Fördermittel in Höhe von 691 893 Euro zur Verfügung stellt. Wohlinvestiertes Geld, denn am Ende könnte die erfrischende Erkenntnis stehen: „Berlin kann etwas von Remscheid lernen.“

Heterogenität der Bevölkerung führt nur zu geringen Konflikten

Der Moderator der „Kickoff“-Veranstaltung Ralf Noll, Geschäftsführer von Stadtteil e.V., formulierte es so: „Remscheid gleich Pleitestadt, gleich Brennpunkt und Flächenbrand, das passt überhaupt nicht.“ Denn die Aufnahme in das bundesweite „Mosaik“ sei Ausdruck von Wertschätzung gegenüber der Integrationsarbeit, die hier geleistet wird. Die Dortmunder Raumplaner und Soziologen sind voll des Lobes: „Kennzeichnend ist die außergewöhnliche Heterogenität ihrer Bevölkerung, die zu bislang bemerkenswert wenigen sozialen oder kulturellen Konflikten geführt hat.“

Auf ihrer Homepage zum BMBF-Projekt schreiben die Wissenschaftler: „Diese Situation macht Remscheid zu einem idealen Reallabor für die Erarbeitung modellhafter Strategien zur integrierten und kultursensiblen Bestandsentwicklung im demografischen Wandel.“ Beim Auftakt am Dienstag fügte Projektleiter Professor Dr. Thorsten Wiechmann hinzu: „Remscheid ist vorneweg. Es ist zwar Spitzenreiter bei den Ausländeranteilen, aber hier wird im Umkehrschluss auch die größte Integrationsleistung vollbracht.“ Von Remscheid ließe sich viel lernen.

Konkrete Anlaufstelle für die Quartiersforschung ist der Markt 13. Dort hat Meika Sternkopf im Mai ihr Büro bezogen und fungiert als Bindeglied zwischen Uni-Mitarbeitern und Bevölkerung. Sternkopf stammt aus Hamburg und tritt nach ihrem Studium der Sozioökonomie in Wien eine spannende Stelle an.

Warum Quartiere funktionieren, wieso sich unterschiedliche Menschen und Gruppen in ihren Wohngebieten zuhause und anerkannt fühlen, was überhaupt ein Quartier ausmacht, das wollen die Wissenschaftler herausfinden. Dafür werten sie jede Menge städtisches Datenmaterial aus, führen viele Gespräche mit Anwohnern, konsultieren Experten, nehmen an Stadtteilkonferenzen teil und beobachten still.

Dass man in Remscheid nicht auf verschlossene Menschen stößt, hat die Soziologin Professor Dr. Susanne Frank bereits beim Spielfest am Hohenhagen im Frühjahr erlebt. „Es war beeindruckend, wie viele lange Gespräche wir dort als Fremde führen konnten. Das wäre anderswo nicht so einfach gewesen.“

Vermutungen, warum Remscheid ein guter Nährboden für Integration ist, gibt es schon vor dem Start in die dreijährige Analyse. „Das könnte an vielen aktiven Vereinen liegen, dem bürgerschaftlichen Engagement, dass es in Stadtteilen Treffpunkte gäbe, das Konflikte moderiert werden“, zählt Susanne Frank mögliche Punkte auf. Als engagierte örtliche Partner für „Mosaik“ sind die Gewag, der Solidaritätsverein Küpeli, Stadtteil e.V. in Honsberg und der Bürgerverein Rosenhügel mit im Boot.

QUARTIERSFORSCHUNG IN REMSCHEID

MOSAIK Das Akronym steht für „Modellhafte Strategien zur integrierten und kultursensiblen Bestandsentwicklung“. Vor 60 Gästen fand gestern die Auftaktveranstaltung zu dem Forschungsprojekt der TU Dortmund im Vaßbendersaal statt. Gefördert wird dieses bis zum 29. Februar 2019 über drei Jahre. 691 893 Euro gibt der Bund im Rahmen der Fördermaßnahme „Kommunen innovativ“. Im Projektbüro am Markt 13 ist Meika Sternkopf die ständige Ansprechpartnerin; Tel: 591 0980 oder E-Mail: meika.sternkopf@remscheid.de.

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