Unfallstatistik 2021

Weniger Verletzte und Tote im Verkehr in Remscheid

Der Skoda wurde bei dem Unfall völlig demoliert.
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Der Skoda wurde bei dem Unfall völlig demoliert.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Polizeipräsidium Wuppertal präsentiert eine von der Pandemie positiv geprägte Unfallstatistik 2021.

Remscheid. Wie die Kriminalstatistik 2021 so steht die Verkehrsbilanz des Polizeipräsidiums Wuppertal im Zeichen der Pandemie. Machte die Kripo eine Abnahme der Straftaten in der realen stattdessen eine Zunahme in der virtuellen Welt aus, so schlugen sich im Verkehrsbericht 2021 geschlossene Schulen und Kitas, Distanzunterrichte, Kurzarbeit und Home-Office positiv in den Zahlen nieder. Am Montag wurden sie im Präsidium Wuppertal der Presse vorgestellt. Im Vergleich der 47 Kreispolizeibehörden in NRW liegen Remscheid, Wuppertal und Solingen auf Rang 5. Besser stehen nur Behörden auf dem Land dar.

Die Unfallstatistik 2021 des Polizeipräsidiums Wuppertal.

Zwar erhöhten sich die Verkehrsunfälle gegenüber dem Vorjahr um 473 auf 22 922 im Städtedreieck, aber: „Im Langzeitvergleich sind es wesentlich weniger Unfälle geworden“, freute sich Polizeichef Markus Röhrl. Der rückläufige Individualverkehr sorgte für weniger Verletzte und einen historischen Tiefstand bei den tödlich Verunglückten. Nur sieben Personen starben 2021 im bergischen Straßenverkehr. Keiner saß davon am Steuer. Vier gingen zu Fuß, jeweils eine Person fuhr mit dem Rad bzw. Pedelec, bei einem Todesopfer handelte es sich um einen Busfahrgast. Fünf der Getöteten waren deutlich älter als 65 Jahre alt.

„Wir werden beim AlkohoI genauer hinschauen müssen.“

Markus Röhrl, Polizeichef

Bei den 3864 Unfällen, die sich in Remscheid ereigneten, gab es nur einen Toten. 283 Verletzte wurden gezählt, davon 19 Kinder. Die Zahl der verletzten Kinder fiel sogar um 29,6 Prozent geringer aus als 2020. Unfallfluchten wurden m Städtedreieck 5283 registriert, die mit Personenschaden lagen bei 126. Davon wurden immerhin 65,1 Prozent aufgeklärt. „Eine richtig gute Quote“, stellte Polizeioberrätin Tanja Veljovic, Leiterin der Verkehrsdirektion, fest.

Zu den positiven Erkenntnissen zählte Markus Röhrl, dass die Motorrad-Unfälle insgesamt um zehn Prozent zurückgingen. In Remscheid stiegen sie jedoch von 18 auf 19 Unfälle minimal an. Bei Fußgängern (-15,69 %), Senioren +65 (-13,6 %) und Radfahrern (-19 %) lag die Verkehrsunfallentwicklung in Remscheid absolut im grünen Bereich. Tief rot färben sich die Zahlen in allen drei bergischen Großstädten bei den Pedelecs.

Der Absatz von Rädern mit E-Motor und Trittunterstützung boomte in den Corona-Jahren. Auf ihnen sind die Nutzer flotter unterwegs als auf einem normalen Rad. „Die Kraftfahrzeuge unterschätzen vielfach die Geschwindigkeit von Pedelecs. Das macht uns Sorge“, erklärte Tanja Veljovic bei der Pressekonferenz. Von den 82 Pedelec-Unfällen ereigneten sich 12 in Remscheid, fünf mehr als 2020. Eine weitere Zunahme ist zu befürchten. „Im Bergischen gibt es aufgrund der Topografie keine Tradition im Radverkehr, aber auch der wird zunehmen“, prognostiziert Markus Röhrl.

Ein besorgtes Auge wirft die Polizei auch auf E-Scooter. 25 Unfälle wurde 2021 aktenkundig, einer passierte in Remscheid, 19 in Solingen, wo es die meisten Scooter-Anbieter gibt. Tanja Veljovic betonte, dass E-Scooter im Verkehr gerade bei Dunkelheit sichtbarer gemacht werden müssten.

Zu den Negativa rechnete Markus Röhrl Alkohol am Steuer. Dabei sei ein Zuwachs um 18,6 Prozent zu verzeichnen. 350 Unfälle im Bergischen passierten unter Promilleeinfluss. „Wir haben als Polizei zuletzt verstärkt auf Drogen im Straßenverkehr geguckt und auf Handy am Steuer. Aber in Zukunft werden wir beim Alkohol wieder genauer hinschauen müssen“, kündigte der Polizeipräsident an.

Röhrl ist sicher, dass neben präventiven auch repressive Maßnahmen wichtig bleiben. Insgesamt stellte die Polizei 75 758 Verwarngelder aus, schrieb 15 544 Ordnungswidrigkeits- und 2105 Strafanzeigen. Spitzenreiter war überhöhte Geschwindigkeit mit 44 639 Fällen.

Hintergrund

Als eine Hauptunfallursache macht die Polizei weiter das Abbiegen im Straßenverkehr aus. „Wenn alle zu Fußgehende, Rad- und Pedelec-Fahrende, Kfz-Fahrer die Regeln beachten, sinkt die Wahrscheinlichkeit massiv, einen Verkehrsunfall zu verursachen“, erklärt Tanja Veljovic, Leiterin der Verkehrsdirektion.
431,3 Kilometer Straßen hat Remscheid zu bieten, davon Gemeindestraßen (340,7 km), Landstraßen (55 km), Bundesstraßen (21,3 km), Kreisstraßen (6,4 km) und Bundesautobahnen (7,8 km). Der Verkehrsticker der Polizei weist auf dem Asphalt für 2021 in Remscheid alle 136 Minuten eine Unfallaufnahme aus, alle 37 Stunden einen verletzten Verkehrsteilnehmer, alle 19 Tage ein verunglücktes Kind.

Standpunkt: Fluch und Segen

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Nicht nur die Pandemie, die auch in Remscheid für einen deutlichen Verkehrsrückgang und entspannteres Fahren sorgte, führt zu der Erkenntnis, dass es noch nie so sicher war, sich im Bergischen in den Straßenverkehr zu begeben. Wo Menschen am Lenkrad sitzen oder zu Fuß unterwegs sind, wird es zwar immer Unachtsamkeiten oder Fehleinschätzungen geben, aber deutlich verbesserte Fahrzeugtechnik hat in den letzten Jahren einen signifikanten Beitrag geleistet, dass es im Straßenverkehr weniger rummst. Innovationen bei den Fahrerassistenzsystemen haben dazu beigetragen, dass nicht nur der Komfort gesteigert wurde, sondern auch die Sicherheit. Technik bleibt aber Segen und Fluch. Denn an anderer Stelle zieht sie die Unfallstatistiken wieder runter. So sind die motorisierten Fahrräder, die vor 19 Jahren mit Prototypen langsam den Markt eroberten, heute für viele unverzichtbar. Ihr unaufhaltsamer Vormarsch bedeutet jedoch auch, dass eine weitere „vulnerable“ Gruppe an Verkehrsteilnehmern unterwegs ist, deren Tempo von den Autofahrern oft nicht richtig eingeschätzt wird - mit erhöhtem Unfallrisiken.

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