Diskussion

Neyetalsperre: Unfall befeuert Gülle-Debatte

Aus diesem Tank flossen die 1700 Kubikmeter Gülle in die Neyetalsperre. Das entspricht etwa rund 8500 Badewannen. Die riesigen Betonbauten seien genehmigt, sagt der Landwirt. Aus Remscheid gibt es darauf Widerspruch. Foto: Rauschert
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Aus diesem Tank flossen die 1700 Kubikmeter Gülle in die Neyetalsperre. Das entspricht etwa rund 8500 Badewannen. Die riesigen Betonbauten seien genehmigt, sagt der Landwirt. Aus Remscheid gibt es darauf Widerspruch.

Nach Remscheid fahren nur wenige Transporte. Jauche-Blase soll in ein Klärwerk.

Von Axel Richter

Der Gülle-Unfall an der Neyetalsperre befeuert die Diskussion um den Gülle-Tourismus. Der Fall an der Talsperre im Besitz der Stadt Remscheid sei „nicht nur ein weiterer Beleg für die skrupellosen Machenschaften einer industrialisierten Massentierhaltung“, erklärte gestern der Naturschutzbund (Nabu). Hier werde auch „das Versagen der zuständigen Behörden gegenüber kriminellen Strukturen deutlich“.

Wie funktioniert Gülle-Tourismus?

„Viele Landwirte haben ein Entsorgungsproblem“, sagt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu NRW. Vor allem im Münsterland und in den Niederlanden halten Landwirte viele Kühe und Schweine, besitzen aber nicht genug Fläche, um die Hinterlassenschaften als Dünger einzusetzen. Lohnunternehmer holen mit Tankzügen die Gülle ab. Aber, sagt Tumbrinck: „Wo die Gülle landet, kontrolliert am Ende niemand.“ Folge: „Große Teile von NRW werden zur Verklappung missbraucht.“ Und: „Landwirtschaftliche Betriebe in finanzieller Krise sehen darin den letzten Ausweg.“

Ist das der Hintergrund für den Unfall an der Neye?

Nein, sagt Tobias Feckinghaus. Von seinem Hof flossen die 1,7 Millionen Liter Gülle (der Inhalt von 8500 Badewannen) in die Neyetalsperre. Er habe zu wenige Tiere für seine 270 Hektar Land. Deshalb brauche er die Gülle als wichtigen Dünger. 7500 Kubikmeter fassen die Tanks, die er dafür oberhalb der Talsperre erbaut habe. Für alles liege eine Genehmigung vor. Markus Wolf, Forstamtsleiter von Remscheid, bestreitet das. Er will dem Landwirt das Handwerk legen.

Führen Gülle-Transporte auch nach Remscheid?

In keinem nennenswerten Umfang, sagt Andreas Kempe, Vorsitzender der Remscheider Ortsbauernschaft. Grund dafür ist die Topografie. „Es gibt bei uns keine großen zusammenhängenden Flächen. Die Flächen sind sind schief“, sagt Kempe. Das sind keine guten Voraussetzungen, um große Mengen Gülle auszubringen. In einem gewissen Rahmen hält der Landwirt die Tansporte für vertretbar. „Es handelt sich um ein Wirtschaftsgut“, sagt Kempe. Stickstoff, Phospor und Kali müssten anderenfalls als Kunstdünger auf den Feldern ausgebracht werden.

Gibt es eine Gefahr für das Remscheider Trinkwasser?

Nein, sagt Klaus Zehrtner, Sprecher der Remscheider Stadtwerke. Hobby-Wassertester wollen erhöhte Nitrat-Werte gemessen haben. Laut Zehrtner gibt es die nicht. Bei der Energie und Wasser GmbH unterliege das Trinkwasser einer ständigen Qualitätskontrolle.

RETTUNGSIDEE

GÜLLEBLASE Der Wupperverband prüft verschiedene Varianten, um die Gülleblase, die sich am Grund der Staumauer gebildet hat, zu beseitigen. Eine Idee: Die Gülle soll über die Ringleitung abgeführt werden, die die Neyetalsperre mit der Eschbachtalsperre verbindet, in das Klärwerk Hückeswagen gelangen. 

POLITIK Auf Initiative der grünen Abgeordneten Jutta Velte befasst sich die Landespolitik mit dem Fall. Das Thema Gülle kommt in den NRW-Umweltausschuss.

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