Mein Leben als Papa

Und nun zum Sport: Im Schlepptau von Vorturner Michel

Michel an einer der Turnstationen, an denen es nicht zu waghalsig zugeht. Foto: Gunnar Freudenberg
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Michel an einer der Turnstationen, an denen es nicht zu waghalsig zugeht.
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Vom altbekannten Lied, das zur Begrüßung gesungen wird, fühle ich mich diesmal ganz persönlich angesprochen. „Hallo, hallo, schön, dass du da bist“, tönt es durch die Turnhalle. Und weiter: „Die Hacken und die Spitzen, die wollen nicht mehr sitzen.“ Trifft voll auf mich zu. In den letzten Monaten habe ich mich wirklich viel zu wenig bewegt und viel zu viel Zeit am Schreibtisch verbracht. In meiner Urlaubswoche kann ich Michel heute aber endlich mal wieder zum Kinderturnen begleiten. Und der freut sich darüber wie Bolle, hat er seinen Papa dort doch noch nicht allzu oft an seiner Seite gehabt.

Stolz weiht mich der kleine Vorturner in alle Abläufe ein. Zeigt mir, wie ich ihm seine Stoppersocken richtig anziehe und wo wir unsere Sachen verstauen können. Dann stehen wir auch schon mit den anderen Kindern und Eltern im Mittelkreis und singen das eingangs erwähnte Lied. Mir fällt sofort auf: Da macht jetzt ein anderer Michel mit als der, den ich in Erinnerung hatte. Einer, der mitsingt und mit den Hufen scharrt, dass es endlich richtig losgeht.

Was mir noch auffällt: Ich bin der einzige Papa und fühle mich in meinem Trainingsanzug etwas zu ambitioniert gekleidet. Overdressed könnte man auch sagen. Das letzte Mal, dass ich mich in einer Turnhalle outfittechnisch als Außenseiter gefühlt habe, ist schon mehr als 20 Jahre her. Damals, als Sportstudent im Gymnastik-Tanz-Kurs der Bergischen Uni. Mit Werder-Bremen-Trikot, Ballettschühchen in Größe 47 und der für mich nicht ganz einfachen Aufgabe, mich wie ein Luftballon durch die Halle zu bewegen. Lang, lang ist’s her.

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In der Gegenwart hält mich Michel in Bewegung. Im Vollsprint wechselt er von einer liebevoll aufgebauten Turnstation zur nächsten. Am besten gefällt es ihm dort, wo er aus großer Höhe eine Matte herunterrutschen oder auf eine Matte springen kann. Festhalten muss ich ihn auf dem Weg nach oben nicht. „Ich bin Spider-Man“, ruft er mir stolz entgegen. „Wow, richtig cool machst du das“, antworte ich ihm und versuche, beeindruckt und gelassen zu wirken, während ich ob seiner waghalsigen Klettereinlagen innerlich doch ziemlich angespannt bin.

Mit Hannes war das früher anders. Ihn musste man zu mehr Wagemut antreiben – ohne Not ging er kein allzu großes Risiko ein. Überhaupt ist es erstaunlich, wie sehr sich die beiden Jungs beim Sport unterscheiden. Hannes ist eher der Stoßstürmer beim Fußball oder die Abwehrkante beim Eishockey. Einer, der nicht für seine grazilen Bewegungen gefeiert wird. Kurz: Einer wie ich.

Bei Michel dagegen wirkt alles leichtfüßig und geschmeidig. Eher der Typ Roger Federer oder Messi. Oder, um nicht zu sehr zu übertreiben, vielleicht einfach eher die Mama? Bei ihm würde es später vermutlich sogar gut aussehen, müsste er als Luftballon durch die Halle schweben.

Hier und heute steht zum Abschluss der Turnstunde aber erst einmal der Klassiker „Feuer, Wasser, Sturm“ auf dem Programm. Mit auf die Matten schmeißen, in die Ecke laufen und auf den Bauch legen. Macht richtig Bock. Nicht nur Michel, sondern auch mir. Wir sind ein tolles Team. Habe ich bis jetzt nur leicht geschwitzt, rinnt der Schweiß nun allerdings in Strömen. Von wegen overdressed, ich bin genau richtig angezogen.

Mit dem Lied, das wir zum Abschied singen, kann ich mich wieder identifizieren: „Alle Leut’, alle Leut’, geh’n jetzt nach Haus. Sagen: Auf Wiedersehen, denn es war wunderschön.“ Noch besser gefällt mir aber, was Michel zu mir auf der Rückfahrt sagt: „Das war heute richtig lustig mit dir, Papa!“ Dabei hatte ich meine Ballettschühchen doch gar nicht an . . .

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