Remscheid muss 640.000 Euro zahlen

Umweltsauerei kostet drei Millionen Euro

Gearbeitet wird in der Galvanik der Firma Blasberg schon lange nicht mehr. Weil das Erdreich unter der Fabrik bis zum Fels mit Chrom verseucht ist, muss das Gelände umfangreich saniert werden. Foto: Roland Keusch
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Gearbeitet wird in der Galvanik der Firma Blasberg schon lange nicht mehr. Weil das Erdreich unter der Fabrik bis zum Fels mit Chrom verseucht ist, muss das Gelände umfangreich saniert werden.

Fabrikgelände an der Küppelsteiner Straße ist massiv verseucht. Saniert wird nun auch mit Steuergeld.

Von Tristan Krämer

Es sind die Folgen einer Zeit, in der Umweltschutz nur eine Nebenrolle spielte, Abwässer und Abgase nur lästige Randerscheinungen waren, die es möglichst einfach loszuwerden galt. So wurde ab Mitte der 1960er Jahre auch bei der Hartverchromung der Firma Otto Blasberg GmbH & Co. KG in der Küppelsteiner Straße 3 kein großer Aufwand betrieben, um das belastete Abwasser der Galvanik loszuwerden.

„Eine Kanalisation gab es damals gar nicht“, beschreibt Wolfgang Putz, Leiter des Remscheider Umweltamtes, die Zustände aus den Anfangsjahren der Firma. Das Abwasser sickerte stattdessen in die Erde und von dort ins Grundwasser.

Beim Verursacher ist nicht mehr zu holen

Und weil später zudem Schäden an Galvanikbecken und Leckagen an Rohren auftraten, entwickelte sich eine Umweltsauerei riesigen Ausmaßes. Das Gelände, das machte die Stadt in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid deutlich, ist massiv mit Chrom, Chrom VI und sogenannten Perfluorierten Tensiden verseucht. Die Verunreinigungen sind bis in den Quellbereich des Tyroler Bachs nachweisbar. „Eine Vermischung mit dem Trinkwasser hat es nicht gegeben“, gibt Wolfgang Putz zwar teilweise Entwarnung. Saniert werden muss das Gelände trotzdem. Und zwar umfangreich: Schon die bisherigen Maßnahmen, um weitere Verunreinigung zu verhindern, kosteten fast 700.000 Euro. Für Planung, Gutachter, Boden- und Grundwassersanierung fallen bis 2030 zusätzliche 2,36 Millionen Euro an.

Von den insgesamt also rund drei Millionen Euro Gesamtkosten trägt der eigentliche Verursacher der Verschmutzung, die Otto Blasberg GmbH & Co. KG, allerdings nur einen Bruchteil. Das Unternehmen ging im Jahr 2000 in die Insolvenz; ein Pächter, der den Betrieb anschließend weiterführte, rutschte 2007 ebenfalls in die Pleite. „Mit dem Fall und dem Unternehmen haben wir seit 30 Jahren zu tun“, sagt Putz über das Verhältnis zwischen Stadt und der Firma Blasberg. Anfangs ging es um den Bau einer Drainageanlage, später um Geld.

Viel zu holen war nach der Pleite aber nicht. 2006/2007 wurden gegen den Geschäftsführer und Grundstückseigentümer Ordnungsverfügungen mit der Androhung von Zwangsgeld erlassen. Angesichts seiner finanziellen Situation wurde stattdessen vertraglich geregelt, dass der Unternehmer 150.000 Euro für die Sanierung des Betriebsgrundstücks zahlen muss. Seit der Insolvenz beteiligte sich die Otto Blasberg GmbH beispielsweise über Versicherungen und die Insolvenzmasse mit 265.000 Euro an den bisherigen Maßnahmen.

Dass nicht mehr zu erwarten ist, liegt auch daran, dass der Geschäftsführer 2009 verstarb. Seine Erben verzichteten auf den Nachlass, so dass das Land NRW als Noterbe einspringen musste. Ein weiterer Miteigentümer des Grundstücks an der Küppelsteiner Straße ist finanziell ebenfalls nicht an der Lage, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen.

ALTLASTEN

AVV Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung tritt seit 1989 immer dann auf, wenn für Bodenbelastungen und Altlasten niemand haftbar gemacht werden kann. In ihm arbeiten das Land und die Kommunen als gesetzliche Mitglieder und Unternehmen als Freiwillige zusammen, um belastete Flächen zu sanieren und zu recyceln.

BV In der Bezirksvertretung Alt-Remscheid ging es um die Aufstockung des im Haushalt vorgesehenen städtischen Anteils an den Sanierungskosten um 100.000 Euro auf 640.000 Euro.

Und so bleiben Stadt, Land und der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AVV, siehe Infokasten) auf den 2,36 Millionen Euro sitzen. 80 Prozent davon der trägt der AVV, der die Sanierung auch umsetzen wird, 20 Prozent die Stadt. Das Land beteiligt sich noch bis 2023 an der Grundwassersanierung. Danach, bis 2030, muss die Stadt die Kosten für diesen Teil der Maßnahme alleine tragen. Insgesamt kommen auf Remscheid Kosten von 640.000 Euro zu.

Begonnen werden könnte mit der Sanierung 2020. Dann soll der als Galvanik genutzte Gebäudeteil auf dem Grundstück abgerissen und der kontaminierte Boden circa drei Meter tief bis auf den bergischen Fels ausgekoffert werden. „Die tieferliegenden Belastungen im Fels können nicht beseitigt werden“, heißt es aus der Verwaltung. Für die Arbeiten sind zunächst sechs Monate Bauzeit vorgesehen.

Erst im Zuge dessen wird sich herausstellen, wie umfangreich das Grundwasser in dem Bereich gereinigt werden muss. Zwar wird das Grundwasser, das sich nahe an der Oberfläche befindet, zunächst von einer Drainage abgefangen und anschließend abgefahren. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Wasser stark verunreinigt ist, könnte eine Sanierungsanlage nötig werden.

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