Straßenname

Umbenennung wurde groß gefeiert

Willy-Brandt-Platz
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Willy-Brandt-Platz

Der Remscheider Bahnhofsplatz trägt seit dem 19. Juli 2003 den Namen Willy-Brandt-Platz. Zuvor hatte er lange Jahre nach seiner Funktion als großer Platz am Bahnhof den Namen „Bahnhofsplatz“ geführt. Aber der Bahnhofsplatz trug nicht immer diesen Namen. Am 21. Juli 1934 teilte die Remscheider Stadtverwaltung der Bevölkerung die Umbenennung des Bahnhofsplatzes in „Albert-Müller-Platz“ mit.

Der Namensgeber Albert Müller wurde am 30. April 1881 in Hahn geboren. Der Tiefbauunternehmer führte am Remscheider Hauptbahnhof mit einigen Mitarbeitern Pflasterarbeiten aus, als es am 28. Oktober 1931 etwa gegen 14 Uhr zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen vier Kommunisten und den Pflasterarbeitern kam. Einer der Arbeiter hatte ein Hakenkreuz getragen, welches wohl der Grund für die Auseinandersetzung war. Im Laufe der Schlägerei wurde Albert Müller, mit einer zehnzackigen Pflastersteingabel am Kopf getroffen, infolgedessen er bewusstlos zusammenbrach. Die Angreifer flohen und konnten zunächst nicht ermittelt werden. Wenige Tage nach der Schlägerei, am 1. November, starb Albert Müller, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, an den Folgen seiner Kopfverletzung.

Die Nationalsozialisten missbrauchten diesen Überfall und Tod Albert Müllers, welcher Mitglied der NSDAP war, zur Stimmungsmache gegen politische Gegner. Sie benannten daher die frühere Bahnhofstraße und den Bahnhofsplatz nach Albert Müller, dem „von den Kommunisten ermordeten Vorkämpfer des Nationalsozialismus“, wie es im Remscheider Adressbuch von 1935 hieß. Auch die Obere Bahnhofstraße benannte man um in Albert-Müller-Straße.

Am 7. Juni 1945 erhielt der Platz seinen alten Namen „Bahnhofsplatz“ zurück. So hieß er bis er dann im Rahmen der Umgestaltung des Remscheider Hauptbahnhofes und dem nahe gelegenen Areal mit einstimmigen Beschluss des Remscheider Stadtrates vom 9. Februar 1999 seinen heutigen Namen „Willy-Brandt-Platz“ erhielt. Mit einem großen Bürgerfest wurde die Umbenennung am 19. Juli 2003 vollzogen.

Willy Brandt, 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm geboren, dient auch in vielen anderen Städten als Namensgeber für Bahnhofsplätze. Der frühere deutsche Bundeskanzler und Sozialdemokrat erhielt für seine Politik unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“ 1971 den Friedensnobelpreis.

In der Zeit des Nationalsozialismus emigrierte Willy Brandt nach Norwegen und unterstützte von dort politische Widerstandsorganisationen. Es ist ein schönes Zeichen, dass der, im Herzen Remscheids gelegene, Remscheider Bahnhofsplatz, der beinahe elf Jahre lang den Namen eines „Vorkämpfers des Nationalsozialismus“ getragen hatte, nun den eines Widerstandskämpfers und Friedensnobelpreisträgers führt. -wey-

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