Feiertage

Ukrainer feiern Weihnachten auf deutsche Art

Ist farbenfroh geworden: der Weihnachtsbaum in der Erstunterkunft für Ukrainer in Hölterfeld.
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Ist farbenfroh geworden: der Weihnachtsbaum in der Erstunterkunft für Ukrainer in Hölterfeld.
  • Frank Michalczak
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Erstunterkunft in Hölterfeld steht ganz im Zeichen besinnlicher Tage.

Von Frank Michalczak

Remscheid. 124 Menschen leben derzeit in der Erstaufnahme-Unterkunft, die im April in Hölterfeld für Geflüchtete aus der Ukraine eröffnet wurde. Betriebsleiter Thomas Kugel und sein Team führen hier die Menschen an den Alltag in einer fremden Umgebung heran. „Dazu zählt auch, dass sie unsere Sitten und Gebräuche kennenlernen,“ berichtet der Mitarbeiter der Stadt Remscheid. Aktuell bedeutet dies: Einstimmung aufs Weihnachtsfest. „Denn wir wollen ihnen mehr bieten als Essen und eine Schlafstätte – auch wenn die Umstände alles andere als optimal sind.“

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29 Kinder, 62 Frauen und 33 Männer leben auf engstem Raum miteinander, der für auswärtige Besucher Tabu ist. Die Remscheider Stadtverwaltung legt größten Wert darauf, dass die Einrichtung vor den Blicken der Öffentlichkeit geschützt bleibt. In der Turnhalle Hölterfeld wurden Trennwände gezogen, um ein Minimalmaß an Intimsphäre zu ermöglichen. Längst wird aber auch das benachbarte Schulgebäude genutzt, wo Klassenzimmer für die Wohnzwecke ertüchtigt wurden.

Hier befindet sich auch der Speisesaal, in dem sich die Menschen dreimal am Tag zu den Mahlzeiten treffen, die vom Caterer HSD aus Lennep angeliefert werden. „Es hat sich gezeigt, dass gute, deutsche Hausmannskost dem ukrainischen Geschmack entspricht. Mittwochs gibt es zum Beispiel Linsen- oder Erbseneintopf, freitags Fisch“, berichtet Thomas Kugel, der sich gemeinsam mit Sozialbetreuern vom Deutschen Roten Kreuz bemüht, Abwechslung in den Alltag zu bringen.

Wer wollte, konnte zuletzt Deko-Artikel basteln, mit denen die Weihnachtsbäume in der Einrichtung geschmückt wurden. Die Kinder nahmen am Martinszug teil: „Und am Nikolaustag konnten sie ihre Schuhe herausstellen“, berichtet der Betriebsleiter über die Überraschung, die sie erwartete.

Und auch an Heiligabend werden deutsche Traditionen gepflegt, obwohl die Ukrainer erst am 6. Januar ihr Weihnachtfest feiern. Jedes Kind durfte einen Wunschzettel schreiben und kann sich über ein Geschenk freuen. „Außerdem schaut der Weihnachtsmann vorbei in Begleitung eines ukrainischen Übersetzers“, kündigt Thomas Kugel an, der viel Lob für die Unterkunft erhält. „Die Ukrainer stehen in den sozialen Netzwerken miteinander in Kontakt. Und da wird unsere Einrichtung geradezu als vorbildlich angesehen – im Vergleich zu denen in anderen Städten“, berichtet Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke.

Dennoch: Nach Möglichkeit sollen sich die Bewohner nur kurz in der Erstunterkunft aufhalten – und eigenen Wohnraum finden. Nicht jeder sei dazu bereit. „Weil manche möglichst schnell wieder in ihre Heimat zurückwollen und es sich nicht zumuten möchten, hier einen Hausstand zu gründen“, erklärt Thomas Kugel. Ebenso groß sei jedoch der Anteil jener Geflüchteten, die ihre Zukunft in der Bundesrepublik sehen und bereits in Remscheid Fuß fassen. „Und dann gibt es auch jene, die ratlos sind, wie es weitergehen soll“, sagt Kugel. „Sie möchten gerne in ihre Heimat. Aber dort stehen sie vor dem Nichts, weil sie Haus und Hof verloren haben.“

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Standpunkt von Frank Michalczak: Die Folgen des Kriegs

frank.michalczak@rga.de

Noch vor einem Jahr prägte Corona den Remscheider Alltag. Doch längst hat der Krieg in der Ukraine und seine Folgen die Pandemie in den Schatten gestellt. Wer hätte Anfang 2022 gedacht, dass eine Energiekrise dieser Dimension ausbrechen könnte? Wer hätte vorhergesagt, dass die Inflation Rekordwerte erreicht und die Lebenshaltungskosten explodieren? Dass bei all dem über 1000 Geflüchtete aus der Ukraine in unserer Stadt angekommen sind und versorgt werden, darf nicht in Vergessenheit geraten. Denn sie sind es, die unter dem Krieg in ihrer Heimat besonders leiden.

Weihnachten in Deutschland zu verbringen – auch dies hätten sie vor einem Jahr sicherlich kaum für möglich gehalten. Es muss unser Anspruch bleiben, ihnen beim Leben in der fremden Umgebung zu helfen, wo wir nur können, und sie dabei unterstützen, wenn sie zurückkehren möchten. Solidarität ist das Gebot der Stunde. So hat Putin keine Chance.

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