Creditreform

Trotz Krise: Zahl der Insolvenzen sinkt

Kurt Ludwigs (l). und Ole Kirschner stellten die Ergebnisse der Creditreform vor.
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Kurt Ludwigs (l). und Ole Kirschner stellten die Ergebnisse der Creditreform vor.
  • Manuel Böhnke
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Die Region erweist sich stabiler als der Bundestrend – positive Entwicklung bei Gründungen.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Seit Beginn der Corona-Krise steht Ole Kirschner vor einem gedanklichen Problem. „Wir fragen uns: Wie lange geht das noch gut?“, sagt der Geschäftsführer der Creditreform Solingen. Zweimal pro Jahr analysiert die Wirtschaftsauskunftei Unternehmensinsolvenzen in der Region. Der wegen der wirtschaftlich angespannten Lage erwartete Anstieg ist bislang ausgeblieben. 2022 rutschten im Gebiet um die Großstädte Solingen, Remscheid und Leverkusen 162 Betriebe in die Zahlungsunfähigkeit – knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Damit trotzt die Gegend dem Bundestrend: Deutschlandweit stieg die Zahl der Unternehmenspleiten um vier Prozent.

Wegen dieser Diskrepanz betrachtet Kirschner die regional gute Entwicklung kritisch. „Rohstoffmangel, stark gestiegene Bezugspreise und Fachkräftemangel – die Rahmenbedingungen bleiben schwierig“, betont der Solinger. Hinzu komme, dass sich die Energiekrise bei vielen Unternehmen wegen langfristiger Lieferverträge erst verzögert bemerkbar machen könnte. Zudem geht Kirschner davon aus, dass einige, insbesondere kleine Betriebe bei Schwierigkeiten schlicht schließen – ohne Insolvenzverfahren.

„Die Bedingungen bleiben schwierig.“

Ole Kirschner, Creditreform

Von den 162 Fällen in der Region waren 1110 Arbeitsplätze bedroht. Den größten Anteil daran hatte der Solinger Räderhersteller Borbet mit mehr als 600 Mitarbeitern. 130 der Insolvenzen entfallen auf Firmen mit maximal fünf Beschäftigten. Die durch die Pleiten entstandenen finanziellen Schäden beziffert die Creditreform auf etwa 100 Millionen Euro. „Das ist der gleiche Wert wie im Vorjahr“, erläutert Kurt Ludwigs, der an der Analyse mitgewirkt hat.

Die Wirtschaftsauskunftei untersucht, welche Faktoren eine Insolvenz begünstigen. Demnach sind überdurchschnittlich oft Rechtsformen mit beschränkter Haftung betroffen. Bei Unternehmergesellschaften (UG) war das Risiko, in eine Zahlungsunfähigkeit zu rutschen, 2022 beispielsweise dreimal höher als bei anderen Unternehmensformen.

Zudem zeigten sich drei bis vier Jahre alte Firmen als besonders anfällig. Besteht ein Betrieb länger als zehn Jahre, ist die statistische Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz verhältnismäßig gering.

Setzt man die Zahl der Insolvenzen in Relation zu den Unternehmen vor Ort, gab es in Radevormwald mit zehn Fällen regional die meisten. Positives Schlusslicht ist Wermelskirchen mit lediglich zwei Pleiten. 35 waren es in Solingen, 21 in Remscheid, fünf in Leichlingen, drei in Burscheid, zwei in Hückeswagen.

Positiver stimmt Ole Kirschner der Zuwachs neuer Unternehmen in der Region: „Die weiterhin sehr positiven Gründungsaktivitäten machen Hoffnung auf eine nachhaltig positive Entwicklung der lokalen Wirtschaft.“ 2022 standen 8050 Neuanmeldungen 6000 Löschungen und Gewerbe-Abmeldungen gegenüber. Heißt: Die Zahl der Selbstständigen ist um etwa 2000 gestiegen. „Der Trend zu Dienstleistungen ist ungebrochen“, präzisierte Kirschner. 74 Prozent der neuen Unternehmen entfielen auf die Branche.

Besonders groß war das Saldo zwischen An- und Abmeldungen in Leverkusen und Monheim: 910 beziehungsweise 360. Beide Kommunen punkten mit niedrigen Gewerbesteuersätzen. Jedoch verzeichneten alle untersuchten Städte einen Zuwachs an Selbstständigen. In Solingen stieg die Zahl um 60, in Remscheid um 160.

Analyse

Die Creditreform kann bei ihrer Analyse auf eine Datenbank mit mehr als 32 000 wirtschaftsaktiven Unternehmen zurückgreifen. Das untersuchte Gebiet umfasst die Städte Remscheid, Solingen, Leverkusen, Burscheid, Haan, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Monheim, Radevormwald und Wermelskirchen.

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