Turmblasen

Trompeter sorgen für eine halbe Stunde Auszeit auf dem Markt

LOK
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Die Brüder Sebastian und Marc Brüninghaus spielten am Samstag vom Rathausturm aus auf den Wochenmarkt.

Händler und Kunden ließen alles stehen und liegen und lauschten den Klängen

Von Peter Klohs

Remscheid. Nicht alle liebgewonnenen Traditionen fallen dem Coronavirus zum Opfer. Ein kleines, aber feines Beispiel dafür ist das vorweihnachtliche Turmblasen, das bereits seit über einem Jahrzehnt vom Rathausturm auf dem Theodor-Heuss-Platz die Besucher auf dem Markt in weihnachtliche Stimmung versetzt. Zum dritten Mal waren dafür nun die Brüder Sebastian und Marc Brüninghaus zuständig. Am Samstagmittag spielten die beiden eine halbe Stunde lang weihnachtliche Weisen mit ihren Trompeten – und zwar in schwindelerregender Höhe.

Der Ausblick vom Balkon aus fast 40 Metern Höhe ist atemberaubend, der Kundenbesuch auf dem Markt ist überschaubar, es ist sonnig und beinahe frühlingshaft mild. Sarah Eichhorst von der Stadt kümmert sich um die Techniker, die dafür sorgen, dass die gleich erklingende Musik live gestreamt wird. Auch der RGA überträgt. Um kurz vor 12 Uhr kommen auch die Hauptdarsteller Marc und Sebastian Brüninghaus hinzu. Die Brüder haben an den Bedingungen an diesem Mittag nichts auszusetzen. „Wunderbar“, urteilen sie, „Wind und Wetter sind optimal.“ Um Punkt 12 Uhr stehen die beiden Musiker nebeneinander auf einer vielleicht einen Meter breiten Balustrade und stimmen ein zweistimmiges „Alle Jahre wieder“ an.

„Es ist schön, trotz Corona zur Hebung des Weihnachtsgefühls beitragen zu können.“

Marc und Sebastian Brüninghaus

Man kann dabei zusehen, wie sich rund 40 Meter tiefer der Theodor-Heuss-Platz mit Menschen füllt. Sehr schnell sind es über 100, die mal alleine, mal in kleinen Gruppen vorbildlich coronakonform auf dem Platz stehen, nach oben zu den Trompetenklängen schauen und einfach nur die Musik genießen: „Alle Jahre wieder“, „Leise rieselt der Schnee“ und viele andere bekannte Weihnachtslieder ertönen.

Der Marktbetrieb ist nach zehn Minuten beinahe vollkommen zum Erliegen gekommen, auch manche Händler haben ihren Marktstand verlassen und hören zu. Die Faszination von live gespielter Musik hat sie, zumal in dieser kulturlosen Zeit, alle gefangen. Die Gebrüder Brüninghaus spielen von jedem Lied zwei, manchmal auch drei Strophen, und nach jedem Durchgang ist der Beifall der Zuhörer auf dem Balkon deutlich zu hören. Auf dem eben noch verwaist liegenden obersten Parkdeck des Allee-Centers haben sich ebenfalls Menschen eingefunden und lauschen der Musik.

Nach dem zehnten Lied vergisst man die Zeit und ist überrascht, dass noch nicht einmal die Hälfte der halben Stunde vergangen ist. Der Techniker ist positiv überrascht: Etwa 100 Menschen verfolgen online das Konzert von Marc und Sebastian Brüninghaus. Auf dem Theodor-Heuss-Platz werden es inzwischen eher 200 sein. Der Beifall wird lauter.

Exakt 30 Minuten nach dem Beginn des vorweihnachtlichen Turmblasens erklingt mit „Oh, du fröhliche“ das letzte Weihnachtslied für hier und heute. Die Brüder deuten eine kleine Verbeugung an. Die Trompeter nehmen gerne die Einladung des Oberbürgermeisters zu einer wärmenden Tasse Kaffee an. Schließlich sind die Hände der Musiker beim Spielen hoch droben schon etwas kalt geworden. „Es ist schön, trotz Corona zur Hebung des Weihnachtsgefühls beitragen zu können“, sagen die Brüder.

Für sie, die als Musiker normalerweise im Weihnachtsgeschäft gut ausgelastet sind, war dies erst der zweite Einsatz 2020. Der dritte folgte bereits gestern: Am Nachmittag spielten die beiden noch im Sana.

Das Video

Wer am Samstag nicht selbst auf dem Wochenmarkt dabei sein konnte, kann die adventliche Trompetenmusik noch nachträglich genießen. Das Video findet sich hier.

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