Träume halten Blick und Herz wach für die Kraft des Lebens

Eine Seelsorgerin macht sich Gedanken

Von Pfarrerin Tabina Bremicker, Ev. Seelsorge im Sana Krankenhaus Radevormwald

„Sag, welche wunderbaren Träume halten meinen Sinn umfangen.“ So hat der ungarische Künstler Pál Gerber sich im Jahr 1990 auf einem Stück Berliner Mauer verewigt. Noch heute zu sehen an der bekannten East Side Gallery. Fast in Bodennähe befindet sich dieser Satz. Wenn man nahe dabei steht, muss man sich ein wenig herunterbeugen, um ihn zu lesen. So als wollte er sagen: Träume sind nicht immer luftig und leicht. Sie können auch schwer sein und bodenständig. Sie erzählen uns vom Leben, sind das Leben.

Bezogen auf den Ort und die Zeit, in der Künstler wie Pál Gerber das Grau der Mauer in vielfältige Kunstwerke verwandelt haben, kann man auch sagen: Wenn Mauern durchbrochen und Freiheit gelebt werden kann, dann sind das wirklich wunderbare Träume. Mehr noch: wahrhaftig und wahre Geschichte, gelebtes und erlebtes Leben.

„Sag, welche Träume halten meinen Sinn umfangen?“ –Wovon träume ich? Sind es auch bei mir wunderbare Träume? Oder sind sie eher schwer und schwermütig? Im Moment wohl auch eher das: Bei allem, was an mir zieht und zerrt, gerät mancher Tag ganz ohne Träumerei. Und in den meisten Nächten bin ich einfach froh, überhaupt schlafen zu können.

In einem Fachartikel lese ich: „Die häufigsten Trauminhalte sind Erinnerungen der vergangenen Tage.“ Auffällig ist dabei, dass im emotionalen Bereich eher Angst und Furcht überwiegen. So ist es gar nicht ungewöhnlich, wenn wir manche Sorgen und Ängste des Nachts wieder und wieder durchgehen. So hilft sich unser Körper, Erlebnisse und Erfahrungen zu verarbeiten. Träume sind sogar überlebenswichtig. Erst durch sie können wir unsere Tage und unser Leben bewältigen.

Träume setzen damit eine Kraft frei, die man ihnen nicht immer zutraut. Wer träumt, baut Wolkenschlösser, holt sich das Blaue vom Himmel. Ja. Und zugleich – oder besser: Darin halten wir den Blick und das Herz wach für die Kraft des Lebens. Und das Wunderbare: Das geschieht von ganz alleine. Ich muss nichts machen oder leisten. Nur schlafen und ausruhen.

Dass wir Menschen überhaupt träumen können, ist für mich ein Segen Gottes. Er schenkt uns die Ruhe, gibt ihr Raum und Platz neben allem Arbeiten und Funktionieren. Sein Traum von uns geht unserem Träumen voraus: „Du hast mich geträumt Gott – schöner als ich jetzt bin, glücklicher als ich mich traue, freier als bei uns erlaubt.“ (Dorothee Sölle).

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