„Tradition braucht die Innovation“

Mannesmann-Auszeichnung 2020 geht an den Werkzeughersteller Famag

Kurt Rudolf Gerhards und Prof. Dr. Horst A. Wessel (l.) und Baudezernent Peter Heinze (r.) übergeben Medaille und Urkunde an Ralf Hunke und Thomas Pomp, die Geschäftsführer der FAMAG GmbH & Co. KG. Foto: Roland Keusch
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Kurt Rudolf Gerhards und Prof. Dr. Horst A. Wessel (l.) und Baudezernent Peter Heinze (r.) übergeben Medaille und Urkunde an Ralf Hunke und Thomas Pomp, die Geschäftsführer der FAMAG GmbH & Co. KG.

Werkzeugmuseum zeichnet sich durch die Erweiterung ihres Betätigungsfeldes aus.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Pandemie hatte es ein wenig verzögert, aber nicht verhindert: Die Reinhard-und-Max-Mannesmann-Auszeichnung für Innovationsleistungen 2020 ist an den Remscheider Werkzeughersteller Famag verliehen worden. Die eigentlich schon für November geplante Verleihung im Deutschen Werkzeugmuseum wurde am Dienstag nachgeholt.

„Wir sind stolz, wieder den richtigen getroffen zu haben“, sagte Karl Rudolf Gerhards als Chef der Jury und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Mannesmann-Haus. Seit 2006 vergibt der Verein den Preis – in Erinnerung an die „genialen Erfinder“ Max und Reinhard Mannesmann, wie es der Vereinsvorsitzende Prof. Horst A. Wessel formulierte.

„Tradition braucht die Innovation, damit die Firma überlebt“, sagte Gerhards in seiner Ansprache. Und dafür sei Famag ein „exzellentes Beispiel“. Das Unternehmen in seiner aktuellen Form entstand 2003 durch ein Management-Buy-out der beiden heutigen Inhaber Ralf Hunke und Thomas Pomp, blickt aber auf die mehr als 150-jährige Geschichte der Remscheider Bohrerfabrik Friedrich August Mühlhoff zurück.

Qualität zeichnet die Firma Famag aus

Die Firma verfüge über hervorragende Werkzeuge und einen eben solchen Ruf und hätte sich eigentlich darauf ausruhen können, machte Prof. Wessel deutlich. Doch statt nur das Erreichte zu verwalten und die bisherigen Produkte weiter zu entwickeln, entschieden sich Pomp und Hunke, ihre Erfahrungen, die sie im Bereich der Automatisierung gemacht hatten, in ein neues Geschäftsfeld einzubringen und anderen als Dienstleistung anzubieten. Ein „wertvolles Angebot für die Unternehmen in unserer bergischen Region“, wie Jury-Chef Gerhards befand. Und einer der Gründe, dass Famag zum Preisträger wurde.

Die Firma mit Sitz in der Rather Straße produziert und vertreibt Bohr- und Fräswerkzeuge mit dem Schwerpunkt auf der Holzbearbeitung. Inzwischen sei man Marktführer in Europa, berichteten die Geschäftsführer nicht ohne Stolz in einem RGA-Artikel anlässlich der Bekanntgabe des Preisträgers im Oktober des vergangenen Jahres. Die Hauptkonkurrenz komme aus Fernost, betonte Ralf Hunke damals: „Aber die kann unsere Qualitätsstandards nicht erreichen.“

Diese Bekanntgabe brachte auch Baudezernent Peter Heinze, in dessen Zuständigkeit die städtische Wirtschaftsförderung fällt, auf die Spur von Famag, wie er bei der Preisverleihung berichtete. Heinze vertrat Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, der zur Feier des Städtepartnerschaftsjubiläums in Quimper weilt.

Innovationspreise haben tiefere Bedeutung

Er habe damals Kontakt zu der Firma aufgenommen und sie auch besucht, berichtete der Dezernent. Und zeigte sich vor allem beeindruckt von den beiden Inhaber: „Wie sie das Unternehmen vorgestellt haben, da war aus allen Poren dieser Innovationsgeist zu spüren“, erinnerte sich Heinze an dieses Treffen und kam zum Schluss: „So etwas brauchen wir unbedingt in Remscheid.“

Peter Heinze wies zudem auf die Bedeutung solcher Innovationspreise hin. Schließlich seien sie für viele ein Anreiz, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Unter diesem Aspekt habe sein Verein die Auszeichnung auch ins Leben gerufen, erklärte Prof. Horst A. Wessel. Schließlich gehöre es zum Vereinszweck, die Voraussetzungen für neue Erfindungen zu verbessern.

Dafür sammle man das ganze Jahr über Vorschläge, berichtete Karl Rudolf Gerhards über das Vorgehen. Dabei diene nicht zuletzt die jährliche Wirtschaftsbeilage des RGA als Quelle. Schlussendlich reduziere man die Zahl der Vorschläge auf fünf und bewerte diese Kandidaten anhand von festgelegten Kriterien, unter anderem mit Fragen nach dem Nutzen und dem Bedarf, der hinter der jeweiligen Innovation steht. „Wer in der Summe die meisten Punkte bekommt, gewinnt“, so Gerhards. Entsprechend verdient sei die Auszeichnung für Famag.

Hintergrund

Der Förderverein Mannesmann-Haus wurde von ehemaligen Mitarbeitern des Mannesmannkonzerns gegründet, nicht zuletzt als Reaktion auf die Zerschlagung des Konzerns, steht aber auch anderen Interessierten offen. Neben dem Innovationspreis kümmert sich der Verein um Erhaltung, wissenschaftliche Erschließung und Dokumentation technischer Denkmäler zu Pionierleistungen und die Förderung von naturwissenschaftlich-technischer Bildung.

Werkzeugmuseum in Remscheid baut sein Programm aus.

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