Meine erste Platte

Töne sind wichtiger als Texte

Bernd Kuznik mit seinen Vinyl-Schätzen, dazu zählt „Revolver“ von den Beatles.
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Bernd Kuznik mit seinen Vinyl-Schätzen, dazu zählt „Revolver“ von den Beatles.

Bernd Kuzniks erste Platte war „Revolver“ von den Beatles.

Von Peter Klohs

Remscheid. Nachdem Bernd Kuznik als Jugendlicher in den 60er-Jahren festgestellt hatte, dass der Musikgeschmack seiner Eltern, die Rudolf Schock und die Original Oberkrainer hörten, nicht mit dem seinem kompatibel war, entdeckte er mit „San Francisco“, dem Hit von Scott McKenzie, das, was für ihn Freiheit bedeutete. „Aber eben nicht mit Blumen“, erzählt er, „sondern durch die Denkweise.“ Das Mainstreamige, das Mitmachen in einer großen Menge Menschen, das ist ihm bis heute fremd geblieben. Unabhängigkeit war ihm immer wichtig.

Man könnte vermuten, dass er sich im weiteren Verlauf seines Lebens den rebellischen Rolling Stones nahe fühlte, aber weit gefehlt: Es wandte sich der Musik der Beatles zu. Und so ist es auch kein Wunder, dass deren 7. Studioalbum „Revolver“ seine erste Platte wurde. Die Musik der ausgehenden 60er- und der beginnenden 70er-Jahre faszinierte ihn: Small Faces, Steppenwolf, die Spencer Davis Group.

Später kamen progressivere Töne hinzu. „Als ich 16 Jahre alt war, ging ich oft in den ‚Big Pub‘, der zwar nicht den besten Ruf genoss, wo man aber zu Iron Butterfly oder zu Rare Earth tanzen konnte. Da entdeckte ich, dass es Musikstücke gab, die länger als zehn Minuten waren. Rare Earths ‚Get ready‘ geht ja über 21 Minuten.“

Diese Erfahrungen hatten Nachwirkungen. Bei seinem zweiten England-Aufenthalt, 1971, deckte er sich mit LPs ein. „Da gab es ganz andere Möglichkeiten, Musik wahrzunehmen“, erzählt der gelernte Maschinenschlosser, der sich später der Physik zuwandte. „Da gab es Diskotheken für 3000 Besucher und jeden Abend Livemusik. Da sah ich Johnny Johnson and the bandwagon, eine amerikanische Truppe, die mächtig Spaß machte. Das war mein erster Konzertbesuch.“ Die LPs, die er mitbrachte, hat er heute noch und hört gelegentlich rein: Pink Floyds Ummagumma und Meddle, Spooky Tooth, die Doppel-LP „Autumn Stone“ der Small Faces.

Im Laufe der Jahre hat sich der Musikgeschmack erweitert

Die Hörgewohnheiten haben sich im Laufe der Jahre geändert. Und nicht nur die: Auch der Musikgeschmack hat sich erweitert. „Heute höre ich seltener LPs, eher Youtube. Die Qualität ist einfach besser. Ich habe die Musikhörer, die das Knacken einer LP schön finden, nie verstanden.“

Deutsche Pop- und Rockmusik hört er inzwischen auch recht gerne: Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer. Eine Schwäche hat er für Luciano Pavarotti & Friends, wobei ihm die „Friends“ ganz wichtig sind. „Nur Pavarotti wird schnell langweilig“, urteilt Kuznik. „Aber wenn da solche Stars wie Sting, Mike Oldfield oder Bryan Adams mitspielen und singen, dann ist das schon etwas Großes.“

Immer schon sind Kuznik die Töne wichtiger gewesen als die Texte. „Die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung von Musik ist abhängig davon, ob ich die Musik kenne. Ich muss mir eine neue CD erst einmal schönhören“, sagt er. Einmal habe er sich vergriffen und eine LP der Jazzrocker Soft Machine gekauft. Er entdeckte schnell, dass Jazz nicht seine Lieblingsmusik werden würde. „Metallica geht, aber Rammstein ist mir zu brachial“, schildert Kuznik seinen Musikgeschmack. Oft verbindet er mit Musik den Ort, wo er sie zum ersten Mal gehört hat. „Musik ist sehr stimmungsabhängig.“

Zur Person

Bernd Kuznik wurde 1954 in Unna geboren, 1960 in Remscheid eingeschult und in Lennep erwachsen. Nach einer Ausbildung als Maschinenschlosser studierte er Physik und arbeitete lange in der Grundlagenforschung, Fachgebiet Dunkle Materie. Kuznik ist politisch für die CDU aktiv.

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