Unkomplizierte Unterstützung

Ukraine-Krieg: Tierärzte versorgen vierbeinige Flüchtlinge

Die Tierärzte dürfen Geflüchteten kostenlos helfen und sind auch aufgerufen, es zu tun. Verpflichtet sind sie aber nicht. Symbolbild: Mirko Sajkov
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Die Tierärzte dürfen Geflüchteten kostenlos helfen und sind auch aufgerufen, es zu tun. Verpflichtet sind sie aber nicht.

Die Praxen in Remscheid sind aufgerufen, kostenfrei zu helfen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Etwa Ende der Woche erwartet die Stadtverwaltung eine erste größere Zuteilung von Geflüchteten aus der Ukraine. Dr. Horst Sieg erwartet, dass dann nicht nur geflüchtete Menschen nach Remscheid kommen. „Da werden sicherlich auch Vierbeiner dabei sein“, sagt der Kreisstellenvorsitzende der Tierärzte. Zusammen mit seinen Kollegen hat der Veterinärmediziner inzwischen die Voraussetzungen geschaffen, dass auch die Hunde und Katzen aus der Ukraine versorgt werden.

„So ein Tier hat ja sehr viele positive Effekte, vor allem für Kinder“, betont Sieg. Der eigene Vierbeiner spende Geborgenheit in der neuen Heimat, helfe traumatisierten Menschen, sich hier zurechtzufinden. Doch gerade bei der Einfuhr aus der Ukraine, einem Land mit einigen Hundert Tollwutfällen pro Jahr, gebe es dabei einiges zu beachten, mahnt der Tierarzt: „Dafür haben wir ein Verfahren erarbeitet.“

Das Bergische zeigt sich solidarisch mit der Ukraine - So können Sie jetzt helfen

Demnach dürfen Hunde und Katzen vorübergehend auch ohne Impfnachweis und Chip mitgebracht werden. Ein Tierarzt hier vor Ort kläre dann ab, ob das Tier gegen Tollwut geimpft ist, erklärt Sieg. Ist der Schutz vorhanden, muss der Vierbeiner 30 Tage in häusliche Isolation und anschließend zu einem Antikörpertest. Ohne Impfung wird das Tier isoliert, gechippt und geimpft. Und durchläuft dann das gleiche Prozedere.

Die Kosten dafür übernehme in den meisten Fällen der Mediziner, hofft Dr. Horst Sieg: „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, ausgehend vom Berufsethos eines Tierarztes.“ Nur die Laboruntersuchung bezahle das Veterinäramt. Gleichwohl macht Sieg deutlich: „Wir können keinen Kollegen dazu zwingen.“

Die freiwilligen Helfer, die sich vor hier Ort um Geflüchtete kümmern, sollten sich also frühzeitig informieren, welche Praxen mitmachen. Was im gleichen Maße auch für später noch notwendige Untersuchungen und Behandlungen der Tiere gelte, so Sieg. Auch da würden viele Kollegen – in einem gewissen Rahmen – einspringen, vermutet er: „Da muss aber jeder sein Gewissen befragen.“

Die Gebührenordnung lässt diese Ausnahme zu

Die Tierärztekammer Nordrhein hat auf jeden Fall schon mal vorgesorgt. Und stellt in einem Schreiben an ihre Mitglieder klar, dass es Paragraf 4 der Gebührenordnung in dieser „Ausnahmesituation“ zulasse, Behandlungen kostenfrei zu erbringen. Karl-Andreas Bulgrin, Präsident der Kammer, bittet zudem alle seine Kollegen „um eine möglichst unkomplizierte Unterstützung der Geflüchteten“.

Sorge vor Trittbrettfahrern hat Dr. Horst Sieg, der seine Praxis in Remscheid inzwischen abgegeben hat und teilzeit in einer Hückeswagener Praxis mitarbeitet, kaum. Das Risiko, dass jemand diese Regelung ausnutze, sei zwar da, sagt er: „Aber das nehme ich gerne hin, damit ich helfen kann.“ Zumal sich sicherlich keine langen Schlagen vor den Praxen bilden werden: „Ich glaube nicht, dass jeder Flüchtling ein Hund oder eine Katze mitbringt.“

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