Kommunalwahl 2020

Tief enttäuscht von CDU: Alexa Bell zieht sich zurück

Niedergeschlagen zeigten sich Alexa Bell und Jens Nettekoven am Wahlabend. Doch nicht ihr schlechtes Abschneiden bewege sie nun zum Ausscheiden aus der Politik, sagt Alexa Bell. Die 45-Jährige zeigt sich tief enttäuscht vom menschlichen Umgang mit ihr in der CDU Remscheid. Foto: Roland Keusch
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Niedergeschlagen zeigten sich Alexa Bell und Jens Nettekoven am Wahlabend. Doch nicht ihr schlechtes Abschneiden bewege sie nun zum Ausscheiden aus der Politik, sagt AleSa Bell. Die 45-Jährige zeigt sich tief enttäuscht vom menschlichen Umgang mit ihr in der CDU Remscheid.
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Die glücklose Oberbürgermeisterkandidatin tritt ihr Ratsmandat nicht an und zieht sich von allen Ämtern zurück

Von Axel Richter

Remscheid. Die Enttäuschung ist ihr deutlich anzusehen, auch anzuhören. Sie sitzt tief. Dabei, sagt Alexa Bell, sei es nicht das ernüchternde Wahlergebnis als glücklose Oberbürgermeisterkandidatin, das sie traurig zurücklässt. Sondern der menschliche Umgang, der ihr in der CDU Remscheid am und vor dem Wahlsonntag widerfahren ist. Gestern zog die gescheiterte Gegenkandidatin von Burkhard Mast-Weisz (SPD) daraus die Konsequenzen.

„Ich werde das Ratsmandat, das mir über die Reserveliste zufallen würde, nicht annehmen“, erklärt die 45-Jährige. Dazu kündigt sie ihren Rückzug aus allen Parteiämtern an: „Ich weiß, dass ich damit einigen sehr weh tun werde“, sagt sie im Gespräch mit dem RGA. „Aber ich werde für kein Amt in der nächsten Vorstandsperiode mehr zur Verfügung stehen. Das gilt für alle Positionen in der CDU und in ihren Vereinigungen.“

„Die CDU Remscheid braucht dringend eine Veränderung.“ 

Alexa Bell

Die Bombe ließ Alexa Bell am gestrigen Abend in der Sitzung des CDU-Vorstandes platzen. Eineinhalb Stunden vor Sitzungsbeginn hatte Kreisvorsitzender Jens Nettekoven per Pressemitteilung noch einmal den Teamgedanken in der Remscheider CDU beschworen. „Wir waren alle enttäuscht und auch etwas deprimiert. Doch heute heißt es: Mund abwischen und weitermachen. Wir müssen schnell wieder dafür sorgen, dass die CDU ihre Rolle in Remscheid wieder neu und dabei auch zu neuer Stärke findet.“

Das wünscht sich auch Alexa Bell. Nicht aber an der Seite des Kreisvorsitzenden und Ratsfraktionschefs Jens Nettekoven. „Die CDU Remscheid braucht ebenso dringend eine Veränderung, wie ich sie mir für unsere Stadt gewünscht habe“, schreibt sie stattdessen in ihrer persönlichen Erklärung, die sie am gestrigen Abend im Parteivorstand vortrug.

OB-Kandidatin Alexa Bell (CDU) am Wahlabend. Video: Böhnke

„Ich werde ausdrücklich nicht die alleinige Verantwortung für das gestrige Wahlergebnis übernehmen“, hält Alexa Bell darin fest. „Ich habe nicht alleine in den vergangenen Monaten die CDU nach außen repräsentiert. Wir sind als Team angetreten und haben als Team dieses Wahlergebnis zu verantworten.“ Deshalb werde sie sich auch nicht aus der Verantwortung ziehen, sondern „meinen Pflichten bis zum Ende der jeweiligen Wahlperioden der einzelnen Parteiämter nachkommen“. Danach aber soll Schluss sein in der CDU Remscheid. Lediglich ihr Parteibuch, das die Vertriebscontrollerin der Stadtsparkasse Solingen vor 30 Jahren bekommen hat, will sie behalten, sich statt der Parteiarbeit aber wieder ihrem Studium und ihren zahlreichen Ehrenämtern in Remscheid widmen.

Beben bei der CDU Remscheid: Nettekoven tritt nicht wieder als Fraktionsvorsitzender an

Den Schritt habe sie sich bereits im Vorfeld ihrer Kandidatur überlegt, sagt Alexa Bell. Nachdem sie in der Partei als Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl nominiert worden sei, habe sie genau gewusst, „was auf mich zukommen könnte“. Nämlich Unterstützung von den einen und das genaue Gegenteil von den anderen in der Partei.

Die Zusammensetzung der künftigen Fraktion und der Verlauf der CDU-Wahlparty am Sonntagabend habe schließlich den Ausschlag für den Rückzug gegeben. Wohl habe im Schützenhaus ein Blumenstrauß bereitgestanden, doch habe es niemand für angebracht gehalten, ihr für den geleisteten Einsatz zu danken. Das Dankeschön, das Jens Nettekoven am gestrigen Nachmittag als Pressemitteilung nachreichte, kam insofern zu spät.

VorgeschichteBis zum Februar waren der CDU-Parteichef Jens Nettekoven und der Lenneper Bezirksbürgermeister Markus Kötter als mögliche OB-Kandidaten der CDU gehandelt worden. Dann präsentierten die Christdemokraten Alexa Bell als Herausforderin von Amtsinhaber Burkhard Mast-Weisz. Am Sonntag ging die 45-Jährige gegen den populären Amtsinhaber unter. Mast-Weisz kam auf knapp 61 Prozent, Alexa Bell nur auf 26 Prozent der Stimmen.

Standpunkt: Schallende Ohrfeige

Von Axel Richter

axel.richter@rga-online.de

Es ist eine schallende Ohrfeige, die Alexa Bell den Männern im Kreisvorstand der CDU erteilt. Damit trifft sie nicht nur sie, sondern auch die Partei, der sich die Remscheiderin seit 30 Jahren aufs Engste verbunden fühlt. Alexa Bell engagierte sich in der Bezirksvertretung Innenstadt, als stellvertretende Kreisvorsitzende, als Vorsitzende der Frauen-Union und Mitglied des Rates. Nach der missratenen Kandidatur um das Amt des Oberbürgermeisters wird sie all das aufgeben. Nicht aus Enttäuschung über das Wahlergebnis, wie sie sagt. Sondern aus Enttäuschung darüber, wie die eigene Partei mit ihr vor und nach der Wahl umgegangen ist. Als Verlegenheitskandidatin war sie gegen den populären Burkhard Mast-Weisz ins Rennen geschickt worden.

Nun beschlich sie die Sorge, dass aus ihr auch noch das Bauernopfer für das schwache Abschneiden der CDU gemacht werden sollte. Dem ist Alexa Bell gestern zuvorgekommen. Ihre damit verbundene Ohrfeige hat nicht nur gesessen. Je nachdem, wie insbesondere die Parteivereinigungen auf Bells Befreiungsschlag reagieren, stehen der CDU noch turbulente Tage bevor.

Reaktionen: Die CDU sieht die „Strahlkraft von Mast-Weisz"

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