Tief berührt von der Nachbarschaftshilfe

So sieht gute Nachbarschaft aus: Studentin Johanna Lomp hilft Boris Meißner und trägt seine Einkäufe. Foto: Roland Keusch
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So sieht gute Nachbarschaft aus: Studentin Johanna Lomp hilft Boris Meißner und trägt seine Einkäufe. Foto: Roland Keusch

Studentin hilft beim Einkaufen

Von Sabine Naber

Alt-Remscheid „Tief berührt“ hat Boris Meißner (76) das Angebot seiner jungen Nachbarin, ihm beispielsweise bei den Einkäufen in dieser nicht einfachen Zeit zu helfen. „Kürzlich klebte an meiner Wohnungstür ein Zettel. Johanna Lomp, die eine Etage unter mir mit ihren Eltern wohnt, hat mir ihre Hilfe angeboten. Und die nehme ich gerne an. Diese Geste fand ich großartig“, sagt der Remscheider, der in einem Vier-Familienhaus an der Martin-Luther-Straße wohnt. Und nach eigener Aussage von zahlreichen, auch altersbedingten Gebrechen geplagt ist.

Seit Jahren unterhält er zu seinen Mitbewohnern eine ebenso freundschaftliche wie zurückhaltende Distanz. Das Einkaufen erledigt er alleine, fährt hin und wieder noch mit dem eigenen Auto, aber die vielen Stufen machen ihm sehr zu schaffen. Vor allem, wenn die Einkaufstasche schwer ist.

Dreimal klingeln und die Hilfe naht

Da passte genau, was Johanna Lomp (20), die in Düsseldorf Soziale Arbeit studiert, beobachtet und auf den Zettel geschrieben hatte: „Lieber Herr Meißner, ich sehe Sie immer so schwer tragen. Und auch, dass es Ihnen an bestimmten Tagen noch ein bisschen schwerer fällt. Deshalb möchte ich Ihnen meine Hilfe anbieten. Für sie einkaufen gehen, oder Ihnen beim Tragen helfen“, war da zu lesen.

Gerade bei den steigenden Corona-Zahlen und den vielen Menschen in den Supermärkten würde sie sich freuen, wenn Meißner sich bei ihr melden würde. Sie sei momentan ohnehin viel zu Hause, weil die Hörsäle ja weitestgehend leer bleiben müssten. „Ich habe genug Zeit. Wenn Sie also sonst noch Unterstützung brauchen, dann sagen Sie einfach Bescheid. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, hieß es dann weiter.

Gerne hat Boris Meißner diese Hilfe angenommen. Wenn er jetzt mit der Einkaufstüte vor der Haustüre steht, dann klingelt er dreimal kurz bei Johanna Lomp. Und ist dankbar, dass ihm die vielen Stufen dank ihrer Hilfe nicht mehr so schwerfallen. „Wir sind schon sehr, sehr lange Nachbarn. Und haben ein gutes Verhältnis“, erzählt Johanna Lomp.

Sie habe gesehen, dass Boris Meißner oft so schwer geschleppt habe. Vor allem, wenn er keinen Parkplatz in der Nähe fand. Dann konnte er nur kurz im Halteverbot stehen und alles musste auch noch schnell gehen. „Wenn er an Corona erkrankt, dann ist das für ihn sicher schlimmer als für mich. Da kann ich doch besser nach draußen und für ihn einkaufen gehen“, sagt sie.

Die herzliche Nachbarschaftshilfe – „Ich finde, dass es ein wunderbares Angebot ist“ – wollte Meißner nicht zuletzt noch aus einem weiteren Grund gerne publik machen. Weil nämlich der Jugend so oft nachgesagt würde, dass sie egoistisch sei. Und das erlebe er seit geraumer Zeit ganz anders: „Viele Jugendliche bieten mir zum Beispiel ihren Platz an, wenn ich mit dem Bus fahre. Und dass, obwohl weiter hinten freie Plätze wären.“

Immer wieder würden ihm junge Leute höflich die Tür aufhalten, wenn er einkauft oder zum Arzt gehe. „Es gibt so viele freundliche, hilfreiche Menschen.“

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