Corona-Krise

Fahrschule: Theorie-Unterricht läuft nun im eigenen Zimmer

Fahrlehrerin Lisa Janzik (30) unterrichtet abends in ihren Räumen an der Burger Straße – nur ohne Fahrschüler. Die 25 Teilnehmer sind alle via Zoom-Videokonferenz aus ihren eigenen vier Wänden zugeschaltet. „Das klappt erstaunlich gut“, sagt Lisa Janzik. Foto: Lisa Janzik
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Fahrlehrerin Lisa Janzik (30) unterrichtet abends in ihren Räumen an der Burger Straße – nur ohne Fahrschüler. Die 25 Teilnehmer sind alle via Zoom-Videokonferenz aus ihren eigenen vier Wänden zugeschaltet. „Das klappt erstaunlich gut“, sagt Lisa Janzik.
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Wegen der Corona-Pandemie bietet Fahrlehrerin Lisa Janzik einen Blockkurs via Zoom an – Sie verzeichnet einen Run auf den Führerschein.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Statt abends um 19 Uhr noch den letzten freien Sitzplatz in der Fahrschule zu ergattern, klappen nun 25 Schüler gleichzeitig ihre Laptops in ihren eigenen vier Wänden auf: Fahrlehrerin Lisa Janzik (30) bietet während der Corona-Pandemie den Theorie-Unterricht als Zoom-Videokonferenz an. Einmal im Monat sendet sie den Crashkurs an sieben aufeinanderfolgenden Abenden aus ihrer Fahrschule an der Burger Straße. Jeweils drei Stunden lang büffeln die Fahrschüler dann in ihren heimischen Wohn- und Kinderzimmern die Straßenverkehrsordnung und Vorfahrtsrechte.

Fudeln gilt dabei nicht. Das Straßenverkehrsamt macht der Fahrlehrerin strenge Vorgaben – schließlich muss der Unterricht auch in digitaler Form pädagogisch wertvoll sein. „Alle müssen ihre Kamera anschalten, ich muss sie alle sehen können“, erklärt Janzik. Die 25 Fahrschüler können sich gegenseitig sehen und hören, so natürlich auch ihre Fahrlehrerin. Am Anfang müssen die Schüler ihre Personalausweise in die Kamera halten – damit Lisa Janzik sieht, dass sie auch nur die 25 Angemeldeten unterrichtet. „Der Zoom-Unterricht läuft tatsächlich hervorragend, ich war anfangs auch erstaunt“, sagt die Fahrlehrerin. „Natürlich fliegt der eine oder andere mal raus. Aber die Fahrschüler sind technisch alle so gut aufgestellt.“

Und sie seien fleißig, ihre Schüler. „Sie schreiben alle mit. Über das Mitschreiben und Zuhören können sie den Unterrichtsstoff besser lernen.“ Dennoch schreibe sie auch mal etwas an die Tafel oder spiele ein Video ab. Selbst Aufgaben stellt sie den Teilnehmern im virtuellen Konferenzraum: „Ich lade die Arbeitsblätter einfach über die Chatfunktion hoch. Diese werden dann während des Zoom-Meetings ausgefüllt.“ Das könnten Kreuzworträtsel sein, Lückenrätsel, Vorfahrtssituationen. „Die Schüler können mir das Arbeitsblatt auch einfach zuschicken, unter anderem per WhatsApp.“

„Man begleitet viele Menschen bei einem wichtigen Schritt im Leben.“

Lisa Janzik über ihre „Berufung“

Der Unterricht via Zoom bringe auch witzige Szenen mit sich. „Man sieht manchmal, wie Mama und Papa durchs Bild laufen, oder Hunde und Katzen“, erzählt Lisa Janzik amüsiert. „Du bist halt auf einer ganz persönlichen Ebene mit den Fahrschülern, du guckst in deren Kinderzimmer.“ Befremdlich finde sie das nicht. „Das bringt die Welt momentan so mit sich.“ Die Fahrlehrerin ist ohnehin viel digital unterwegs. Bei Instagram macht sie jeden Tag ein Quiz mit Fragen zu Theorie und Praxis. Zudem lädt sie Erklär-Videos bei Youtube hoch. Auch bei Facebook und TikTok ist sie vertreten. Viele Schüler meldeten sich zudem verstärkt online in Lisas Fahrschule an.

Die 30-Jährige verzeichnet aktuell einen Boom. Ihre Erfahrung: „Die Leute wollen wegen Corona nicht mit dem Bus fahren.“ Ihre Blockunterrichte im November und Dezember seien ausgebucht, auch für den Januar lägen schon Anmeldungen vor. Die meisten ihrer aktuell 200 Fahrschüler seien junge Leute, aber auch viele Ältere seien dabei. Janzik bietet neben dem Auto- auch den Anhängerführerschein an. Wer fleißig sei, könne den „Lappen“ in zwei bis drei Monaten in Händen halten.

Feierabend? „Den habe ich nicht mehr“, sagt die Fahrlehrerin lachend, die nebenbei zwei kleine Töchter großzieht. „Aber das macht mir auch gar nichts aus, ich liebe diesen Job. Man begleitet dabei viele verschiedene Menschen bei einem wichtigen Schritt im Leben.“

Aktuell darf sie wieder Fahrstunden im Fahrschulwagen geben. Etwa 50 sind es pro Woche. Die Regeln: Schüler und Lehrer müssen beide eine Maske tragen, alles, was man angefasst hat, muss desinfiziert werden. „Das machen die Schüler schon automatisch.“ Gelüftet wird quasi den ganzen Tag – dank offenen Schiebedachs. „Es sei denn, es regnet, dann muss ich mich beim Parken unter ein Dach stellen und über die Fenster lüften.“ Schwieriger sei da der Unterricht mit einer gehörlosen Fahrschülerin: Durch die Maske könne sie die Mundbewegungen der Lehrerin nicht sehen. „Ich muss dann mehr mit den Händen zeigen. Wir fahren auch öfter rechts ran. Dann schreibe ich etwas auf Papier auf oder wir schreiben uns gegenseitig, was wir meinen.“

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