Teo Otto Theater

Bravo-Rufe für Marion Kracht und Mathieu Carrière in Remscheid

Das Stück „Die Kinder“ (hier Marion Martienzen) war geprägt von großer Schauspielkunst. Foto: Roland Keusch
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Das Stück „Die Kinder“ (hier Marion Martienzen) war geprägt von großer Schauspielkunst.

Beim Schauspiel „Die Kinder“ standen drei großartige Protagonisten mit großen Namen auf der Bühne. Ihr Auftritt wird beim Publikum noch lange in den Köpfen bleiben.

Von Sabine Naber

Remscheid. Drei großartige Protagonisten sorgten am Freitag für einen Abend, der den Gästen im Teo Otto Theater wohl nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird. Mit dem Schauspiel „Die Kinder“ von Lucy Kirkwood hatten die Hamburger Kammerspiele in Kooperation mit der Körber-Stiftung in Remscheid Station gemacht.

Und Marion Kracht (Hazel), Marion Martienzen (Rose) und Mathieu Carrière (Robin) spielten in diesem zeitgenössischen Stück ihre Rollen so intensiv und authentisch, dass die Zuschauenden nach der überraschenden Schlussszene den Atem anzuhalten schienen, denn sekundenlang herrschte absolute Stille im Theatersaal. Dann waren langanhaltender Beifall und Bravo-Rufe zu hören.

Nur ein Bühnenbild war in diesem knapp zweistündigen Stück zu sehen. Es zeigte einen provisorisch eingerichteten Raum, der die neue Bleibe des Rentner-Ehepaares Hazel und Robin darstellte. Denn ein Erdbeben samt Flutwelle hatte Monate zuvor in einem Atomkraftwerk an einer europäischen Küste zum Super-Gau geführt.

Die beiden hatten den Reaktor damals mit aufgebaut, sind nach der Katastrophe in ein Ferienhaus gezogen, das nur 16 Kilometer von ihrem überfluteten Haus entfernt ist. Nicht zuletzt, weil Robin für die Kühe, die in der Sperrzone bleiben mussten, nach und nach die Gräber schaufelt.
Kam an diesem Wochenende auch gut an: Nirvana, Led Zeppelin und Heinz Rudolf Kunze: Klassik von einer anderen Saite

„Die Kinder“ kommen dank Körber-Stiftung und Hamburger Kammerspiele nach Remscheid

Hier steht plötzlich Rose, ehemalige Freundin und Kollegin, vor der Tür. Mehr als 30 Jahre hatte man sich nicht gesehen. Hazel glaubt zunächst, es sei ein Freundschaftsbesuch. Robin meint, dass sie die Liebschaft mit ihm wieder aufwärmen will. Rose aber hat ganz andere Pläne. Die Nuklearwissenschaftlerin sucht Verbündete. Sie will, dass die Jungen gehen, sich vor den Strahlen in Sicherheit bringen, die über 60-Jährigen sich kümmern. „Wir haben es doch gebaut. Ich fühle mich verpflichtet, jetzt zu handeln“, heißt Roses Appell an Hazel und Robin.

Schuldgefühle treffen auf Egoismus, technische Errungenschaften auf ökologisches Denken. Zunächst geht es darum, wie die Jahrzehnte, in denen sie sich nicht gesehen haben, verlaufen sind – doch langsam entwickelt sich zwischen den dreien ein verbaler Schlagabtausch. Der ist gespickt mit Vorwürfen.

Hazel bezeichnet Robin als „versauten, alten Bock“, er nennt sie „Spielverderberin“ und Rose, die inzwischen an Krebs erkrankt ist, nimmt Robin übel, dass er mit seiner Frau vier Kinder hat und trotzdem mit ihr ein Verhältnis hatte. Zynisch, sarkastisch, zuweilen aber auch witzig geht es weiter. Etwa wenn sich Robin, der auf dem Dreirad seiner ältesten Tochter, das er gerade innerhalb der Sperrzone wiedergefunden hat, ins Zimmer rollt und sich beschwert, dass Rose im Raum rauchen darf, er aber nicht. Und Hazel erwidert: „Sie ist schließlich erwachsen.“

Ein eindringliches, berührendes Kammerspiel, in dem sich plötzlich alles in Richtung Abgrund zu bewegen scheint. Und das sich auf die Frage fokussiert, welche Verpflichtung wir den Kindern gegenüber haben. Und was wir ihnen hinterlassen wollen. Dann wird es dunkel im Saal. Eine riesige, leuchtende Wasserwelle, die sich anschickt, gegen das Fenster zu prallen ist das Letzte, was auf der Bühne zu sehen ist.

Zuschauer zeigten sich begeistert

„Die Darsteller, allen voran Marion Kracht, spielen fantastisch. Alles kommt einem so nah, passt in unsere Zeit, zwingt zum Nachdenken. Das war wirklich sehenswert“, sagte Zuschauerin Angelika Dörken, die nach dem Lockdown zum ersten Mal wieder im Theater war.

Vorschau: Am Dienstag kommt der Klangkosmos aus Italien

Am Dienstag, 2. November, 19.30 Uhr, kommt der Klangkosmos aus Italien. Das Duo „Assurd“ präsentiert in der Veranstaltungsreihe ausdrucksstark neapolitanische Volkslieder und traditionelle Tänze auf der Bühne. Eintritt: 10 Euro, Jugendticket 5 Euro.

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