Bühne

Theater zeigt den unbekannten Kästner

Ulrich Gebauer spielt den Kinderbuchautoren in der Auseinandersetzung mit der Zeit, in der er lebte.
+
Ulrich Gebauer spielt den Kinderbuchautoren in der Auseinandersetzung mit der Zeit, in der er lebte.

Ulrich Gebauer imponiert mit Gesang. Nur 40 Gäste wollen ihn hören und sehen.

Von Karl-Rainer Broch

Erich Kästner mal ganz anders: Schauspieler Ulrich Gebauer, bekannt durch Rollen in Film und Fernsehen, spricht, singt und spielt den Autoren in einer lyrischen Zusammenstellung, abseits von den bekannten Kinderbüchern Kästners.

Was dabei herauskommt, ließ sich im Teo Otto Theater erleben. Bei den „TheaterNahTagen“ konnte das Publikum auf der Studiobühne unmittelbar erfahren, wie Kästner vor rund einhundert Jahren seine Erfahrungen mit Politikern, Liebespaaren und anderen Zeitgenossen wertete.

Begleitet wurde Ulrich Gebauer vom Pianisten Ralf Schink am Flügel und nach der Pause mit der von ihm entwickelten Laser-Harfe. Schink verwirklicht seine Vision von der Zusammenführung von Musik und Licht, indem er acht in den Himmel ragenden Laserstrahlen durch Berührung mit den Händen zum Klingen bringt. Der 1976 geborene Musiker arbeitet seit über zehn Jahren mit Ulrich Gebauer an zahlreichen lyrischen Programmen zusammen. Entsprechend war die Harmonie auf der Bühne, als er „herzleid los“ mit ihm durch den deutschen Wald spazierte und beim „Hymnus auf die Bankiers“ musikalisch den Text unterlegte, wie diese den anderen „die Hälse abschnitten“.

An dieser Stelle wurde besonders in Erinnerung an die „Lehman-Affäre“ im Jahr 2008 verdeutlicht, dass Kästners Erkenntnisse zeitlos sind, dass sich auch damals die Gemüter der Menschen an Skandalen erregten. Da war die Rede von korrupten Volksvertretern, musikalisch unterlegt durch die verfremdete Nationalhymne, einem „Misstrauensvotum“ und – ganz nah an dem aktuellen Krieg in der Ukraine – von der „Lust, Soldat zu sein“, die schließlich im Massengrab endet.

Vor einer minimalistischen Kulisse mit historischer Laterne, einem Lattenzaun und einer in Grau gehaltenen Großstadtszene entwickelte Gebauer Kästners Gedanken über Liebe und Beziehungen, Einsamkeit und „sogenannte Klassefrauen“. Dabei imponierte der Schauspieler mit unterschiedlichem Gesang von ganz leise zu laut und anklagend, untermalte so gekonnt die von ihm vorgetragenen 29 Texte.

Schade nur, dass diese beeindruckende Performance von Gebauer und Schink nur von knapp 40 Besuchern und Besucherinnen gewürdigt wurde, die den Interpreten aber mit einer „Standing Ovation“ dankten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Frau verliert Kontrolle über Pkw und rammt mehrere Ausstellungsfahrzeuge
Frau verliert Kontrolle über Pkw und rammt mehrere Ausstellungsfahrzeuge
Frau verliert Kontrolle über Pkw und rammt mehrere Ausstellungsfahrzeuge
RE 47: Von Remscheid nach Düsseldorf im Stundentakt
RE 47: Von Remscheid nach Düsseldorf im Stundentakt
RE 47: Von Remscheid nach Düsseldorf im Stundentakt
Busfahrplan: Das ändert sich ab Sonntag
Busfahrplan: Das ändert sich ab Sonntag
Busfahrplan: Das ändert sich ab Sonntag
Reichsbürger beschäftigen Stadtverwaltung
Reichsbürger beschäftigen Stadtverwaltung
Reichsbürger beschäftigen Stadtverwaltung

Kommentare