Meine erste Platte

The Police sind für ihn einzigartig

Auch heute noch hört Antonio Scarpino die Musik von The Police gern.
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Auch heute noch hört Antonio Scarpino die Musik von The Police gern.

Seine alten Platten findet SPD-Politiker Antonio Scarpino nicht mehr. Abba verabscheut er.

Von Peter Klohs

Remscheid. Auf der Suche nach seiner ersten Platte begab sich Antonio Scarpino in die drei Keller im Haus seiner Eltern. Dort mussten, so seine Erinnerung, die Langspielplatten gelagert sein. Er fand sie nicht. „Die Sammlung war recht ansehnlich“, beschreibt Scarpino seine Enttäuschung. „Sie enthielt alle musikalischen Verbrechen der 80er Jahre. Ich werde ein ernstes Gespräch mit meinen Eltern führen müssen.“

Wie auch immer: Er bekam die LP „Musica è“ des italienischen Pop-Titanen Eros Ramazzotti zur Erstkommunion geschenkt. „Ich war so stolz“, erinnert sich der in Lennep geborene Scarpino. „Und Ramazzotti war damals noch richtig gut. Jetzt macht er übelste Schnulzenmusik. Er war mal ein Rebell und politisch links. Ob ihn der große Erfolg verändert hat?“

Der Remscheider SPD-Mann beschreibt den Barden Angelo Branduardi als „Champions League. Ramazzotti war, in guten Zeiten, Champions-League-Anwärter.“ Als Jahr der Hinwendung zum schwülstigen Pop-Schlager hat Scarpino das Jahr 1994 ausgemacht, das gleiche Jahr, in dem sich der Geschäftsführer dem deutschen und italienischen Hip-Hop zuwandte. „Fanta 4, Jovanotti, der quasi den umgekehrten Weg wie Ramazzotti gegangen ist, so was habe ich gehört.“

CDs fand er schon immer hässlich

Und dann kam seine Leib- und Magenmusik in sein Leben. Der älteste Bruder hörte eine Band, die mit ihren teils radikalen Songs („Roxanne“) so ganz anders war: The Police. „Die höre ich auch heute noch gerne“, gibt er zu. „,Synchronicity‘ ist für mich das beste Album aller Zeiten. Schlicht brillant.“ Er bezieht sich bei diesem Urteil im Besonderen auf das von Gitarrist Andy Summers geschriebene „Mother“. Auch „Wrapped around your finger“ rangiert in der Liste der Lieblingslieder von Antonio Scarpino ganz oben. „Police sind schon einzigartig“, findet er. „Ich erinnere mich, das Police-Album ‚Regatta de blanc‘ dreimal in Endlosschleife gehört und daraufhin Ärger mit den Eltern bekommen zu haben.“ Auch die Solo-Werke des Police-Sängers Sting mag Scarpino sehr. „Aber das ist schon eine andere Welt“, hat er erkannt. Noch später als The Police hörte er die Red Hot Chili Peppers. „Das ist ein ziemlicher Bruch, ich weiß. Ich glaube, ich wollte cool sein“, sagt er heute dazu.

Die Errungenschaft der CD ist für Scarpino keine gute. „Ich fand die CD schon immer hässlich“, betont er. „Schau, ich bin ein süditalienischer Katholik und war auch Messdiener. Die Langspielplatte konnte man halten und vorzeigen wie eine Monstranz. Die CD ist dagegen zu einem reinen Gebrauchsgegenstand geworden.“ Obwohl er sich selbst als „künstlerische Doppelnull“ und als „komplett unmusikalisch“ beschreibt (und darunter leidet), hat er eine deutliche und fundierte Meinung zur Musikgeschichte. Er mag Techno und Schlager nicht. „Und ich verabscheue Abba. Das ist für mich der Inbegriff der kommerzialisierten Popmusik. Und das finde ich schrecklich. Heutzutage ist Musik mit Tiefgang auch nicht mehr vermarktbar. Das ist noch schrecklicher.“

Ein Konzertgänger ist Scarpino nie gewesen. An zwei Konzertbesuche erinnert sich der 42-Jährige aber: Jovanotti, den er im Tor 3 in Düsseldorf live erlebte. Und an einen Abend für den italienischen Liedpoeten Fabrizio De André, der im Vaßbendersaal stattfand.

„Die Techno-Welle hat mich musikalisch ausgebremst“, gesteht er abschließend. „Ich erkenne in dieser Musik keinen Sinn und keine Botschaft. Der Techno hat dazu geführt, dass ich mich nie gefragt habe: Was kommt als Nächstes? Sondern immer: Was war davor?“

Zur Person

Antonio Scarpino wurde 1979 in Lennep geboren und ist Geschäftsführer der SPD-Unterbezirke Remscheid, Solingen und Wuppertal. „Eigentlich bin ich Jahrgang 80“, sagt er, „geboren am 29. Dezember.“ Der in eine aufstrebende Arbeiterfamilie hineingeborene Antonio begann „Die drei ???“ auf Kassette zu hören und sich damit die teils sehr langen Autofahrten nach Italien zu verkürzen. „Die kann ich heute nicht mehr hören, weil niemand mehr einen Kassettenrekorder hat“. Antonio Scarpinos Familie kam 1960 nach Deutschland. Sein Vater war Grundideengeber für den heutigen Integrationsrat.

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