Neues Konzept

Teurer als gedacht: So viel würde der neue Stadtparkteich die Stadt kosten

Hier plätschert längst nichts mehr: Ob der Stadtparkteich saniert wird, erweist sich bei den Beratungen zum Haushalt 2023/2024. Der Stadtrat muss über eine Mehrausgabe von über 600 000 Euro entscheiden.
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Hier plätschert längst nichts mehr: Ob der Stadtparkteich saniert wird, erweist sich bei den Beratungen zum Haushalt 2023/2024. Der Stadtrat muss über eine Mehrausgabe von über 600 000 Euro entscheiden.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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  • Axel Richter
    Axel Richter
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Die Remscheider wollen ihn zurück, die Politik muss sich noch beraten.

Remscheid. Es brummt und summt. Wo bei brütender Sommerhitze einst eine spiegelglatte und zusehends verdunstende Wasserfläche vor sich hin dümpelte, in der allenfalls ein paar ausgesetzte Schildkröten ihre Bahnen zogen, sind heute Bienen, Fliegen und Schmetterlinge unterwegs. „Da ist viel Leben drin“, sagt Michael Zirngiebl, Chef der Technischen Betriebe Remscheid, mit Blick auf die Grünfläche, die sich heute anstelle des Stadtparkteiches erstreckt. „Die Artenvielfalt ist mit Sicherheit größer als vorher.“

Doch die Remscheider wollen ihren Stadtparkteich zurück. Jedenfalls jene Remscheider, die sich unter anderem an einer Bürgerwerkstatt zur Zukunft des Stadtparks beteiligten. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) steht bei ihnen im Wort. Deshalb hat die Stadt Remscheid nun ein Konzept für einen neuen Teich im Stadtpark vorgelegt.

Dieses sieht vor, ihn an der gleichen Stelle wie bisher neu anzulegen. Dabei soll für eine permanente Wasserzufuhr gesorgt werden, die es bislang nicht gab. Vorgesehen ist eine Zisterne, die Niederschläge speichert und dann - vermutlich mittels einer Pumpe - das künstliche Gewässer mit kühlem Nass speist. So soll dafür gesorgt sein, dass der Teich nicht mehr austrocknet und nicht mehr mit Frischwasser versorgt werden muss.

Stadtparkteich: Baubeginn steht noch nicht fest

Vor dem Jahr 2023 ist mit einem Beginn der Arbeiten nicht zu rechnen. Und: Der neue Stadtparkteich hat seinen Preis. 1,25 Millionen Euro soll die Anlage mit dem unterirdischen Wasserspeicher kosten. 480 000 stellte der Stadtrat dafür bisher bereit. Es fehlen also 645 000 Euro, die zusätzlich in den Doppelhaushalt 2023/2024 aufgenommen werden müssten.

In der Bezirksvertretung Alt-Remscheid befielen Beatrice Schlieper (Grüne) deshalb jetzt Zweifel. „Der Stadtpark ist die grüne Lunge unserer Stadt. Das aber auch ohne Stadtparkteich“, erklärte sie: „Wir sollten überlegen, ob wir uns als Stadt das wirklich leisten wollen.“

Michael Zirngiebl stimmte der Grünen zu. „Das ist eine Frage, die die Politik in Remscheid beantworten muss“, erklärte der TBR-Chef und erinnerte zugleich an eine Alternative, die er vor Jahren bereits einmal ins Gespräch gebracht hatte. Danach sei auch ein Steg durch die heutige Grünanlage denkbar. „So ließe sich die Natur dort für die Menschen erlebbar machen.“ Vielleicht ließe sich auch eine Bank integrieren - „auch auf die Gefahr hin, dass da mal Bier getrunken wird und die Flasche in den Pflanzen landet“, erklärte Zirngiebl. Aufräumen seien seine Männer im Stadtpark schließlich gewöhnt.

Wir sollten uns überlegen, ob wir uns das als Stadt wirklich leisten wollen.

Beatrice Schlieper (Grüne)

Baudezernent Peter Heinze (FDP) überzeugte Zirngiebl damit nicht. „Auch Grün und Naherholung kosten Geld“, hielt er fest. Und bei den Bürgern sei der „Wunsch groß, den Teich zu reaktivieren“. Angesichts der Kosten setzt Heinze auf Fördermittel von Bund und Land. Die gab es für das Projekt bislang nicht. Heinze will es weiter versuchen.

OB Burkhard Mast-Weisz (SPD) erinnert im RGA-Gespräch an einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates, dass der Teich saniert wird. „Wir werden dies jedenfalls weiter vorschlagen - auch wenn es teurer wird.“ Der Stadtpark sei wichtiges Naherholungsgebiet insbesondere für jene, die keinen Garten haben. „Und Nachhaltigkeit ist bei der Sanierung auch gegeben“, erklärt der OB. „Schließlich müssen wir kein Frischwasser mehr hineinpumpen.“

Neue Bäume

Nicht nur der neue Teich soll den Park attraktiver machen. Sein Entree soll mittelfristig bis zur Martin-Luther-Straße reichen, wobei über zwanzig neue Bäume gepflanzt und Flächen entsiegelt werden. Kosten: rund 600 000 Euro. In einem ersten Schritt ist nach Vorstellung der Verwaltung aber erst einmal das Gewässer an der Reihe.
Auch interessant: Hochwasser: Kaum Anträge auf Hilfe von Remscheidern - Anträge sind noch bis zum 30. Juni 2023 möglich

Standpunkt von Axel Richter: Eine gute Alternative

axel.richter@rga.de

1,25 Millionen Euro. Das ist eine stolze Summe für eine chronisch klamme Stadt wie Remscheid. Egal, wofür sie ausgegeben werden soll. Das gilt erst recht, wenn diese Stadt langsam aber unabwendbar die Folgen von Corona, Ukraine-Krieg, Inflation und aktuell steigender Zinsen zu spüren bekommt. Kämmerer Sven Wiertz warnt davor schon lange. Denn schon geringfügige Veränderungen beim Zinsniveau wirken sich für den Kreditnehmer Stadt als Millionen schwere Lasten aus.

Mit Hilfe von Bund und Land war es Politik und Verwaltung gelungen, den Haushalt der Stadt für die kommenden Jahre auszugleichen. Daraus ergaben sich finanziellen Spielräume für dringend notwendige Investitionen. Sie könnten der Stadt nun leicht wieder abhandenkommen. Mit der Folge, dass neue Kürzungen und Streichungen drohen. Die Stadt sollte ihr Geld deshalb beisammen halten. Erst recht, wenn es, wie für den Stadtparkteich, Alternativen gibt, die nicht die schlechtesten sind.

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