Meine erste Platte

Als Teenager legte er im Gemeindehaus auf

Nicht Santa Esmeraldas „Don’t let me be misunderstood“, sondern „K-Tel‘s Disco Hits“ war Lutz Heinrichs‘ erste Platte. Foto: Roland Keusch
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Nicht Santa Esmeraldas „Don’t let me be misunderstood“, sondern „K-Tel‘s Disco Hits“ war Lutz Heinrichs‘ erste Platte.

1975 erstand Lutz Heinrichs bei Radio Weller „Disco Hits“ mit Penny McLeans „Lady Bump“ oder Van McCoys „The Hustle“.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Ich hab’ noch mal nachgedacht“, begrüßt mich Lutz Heinrichs in seinem Haus am Hof Vieringhausen, den ich besuche, um mit ihm über seine erste LP – Santa Esmeraldas „Don’t let me be misunderstood“ – zu sprechen. „Meine erste LP war eine andere.“ Und mit einem schelmischen Lächeln präsentiert er „K-Tel’s Disco Hits“.

Heinrichs, 1962 in Remscheid geboren, bis auf drei Monate seiner Geburtsstadt treu geblieben und seit 2014 Geschäftsführer des Teo Otto Theaters, kam über Freunde seiner Eltern zur Musik. „Deren Kinder waren alle zwei oder drei Jahre älter als ich“, berichtet er, „und bei denen hing schon Suzie Quatro an der Wand. Und Sweet. Und T. Rex. Bis dahin hatte ich keine Ahnung von Musik. Aber als ich sie einmal hörte, war ich sofort angefixt.“

So kam es, dass Lutz Heinrichs im Jahre 1975 – er war 13 Jahre alt – bei Radio Weller auf der Alleestraße seine erste eigene LP erstand: Eben die „Disco Hits“, mit solch bahnbrechenden Beiträgen wie Penny McLeans „Lady Bump“ oder Van McCoys „The Hustle“.

„Die LP von Santa Esmeralda habe ich zwei Jahre später von der Konfirmationsgruppe zum Geburtstag erhalten.“ Welche LP hörte er lieber? Diese damals sehr neue Mischung aus Flamenco und Funk oder die Hits der Disco-Ära? „Ach“, sagt Heinrichs, „Damals habe ich diesen Disco-Kram schon gerne mitgemacht. Ich habe damals im Gemeindehaus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße auch bei der einmal monatlich stattfindenden Disco aufgelegt.“ Bei dieser Gelegenheit hat er zum ersten Mal „Trio“ gehört, diese Nonsens-Band zur Hochzeit der Neuen Deutschen Welle. „Diese Musik wurde zunächst von fast allen abgelehnt“, weiß Heinrichs, „aber einen Monat später wollten es alle hören.“

Seine Vinylsammlung umfasste einmal gut 600 LPs. Durch die Umstellung auf CD zum Ende der 80er Jahre und die nochmalige Modernisierung der Hörgewohnheiten durch Streaming sind es jetzt noch 300 LPs und einige Singles. Beim gemeinsamen Durchsehen der Schätzchen gewahren wir schon die eine und andere Rarität.

„Das hier ist ein Knaller!“, ist der LP-Sammler überzeugt und zeigt eine Single der Rolling Stones, die er in England auf einem Trödelmarkt günstig erworben hat. „Satisfaction“, in englischer Pressung und gut erhalten, in Sammlerkreisen sicher 60 Euro wert.

Wir entdecken die ganze Bandbreite des Musikgeschmacks von Lutz Heinrichs: Die Grunge-Ikone Nirvana ist ebenso vertreten wie der Pionier der kosmischen Musik, Klaus Schulze, eine Direct-Aufnahme des Jazzdrummers Charlie Antolini mit Autogramm des Musikers („Habe ich bekommen, als Charlie einmal in Remscheid spielte“), Abba, Queen, David Bowie. Eine seltene James-Last-Aufnahme, in den USA gepresst. Wir fachsimpeln.

„Alles, was härter als AC/DC ist, ist nichts für mich.“
Lutz Heinrichs, Geschäftsführer des Teo Otto Theaters

„Heutzutage höre ich nicht mehr so viel LPs“, berichtet Heinrichs. „Zumeist hört man ja gerne abends Musik, zum Abschalten. Und abends bin ich ja oft im Theater.“ In unregelmäßigen Abständen trifft sich der Musikliebhaber mit sechs bis acht Freunden, alle bringen LPs mit, der Hausherr baut die exzellente HiFi-Anlage mit noch exzellenterem Plattenspieler auf, und dann schwelgen sie. „Der Griff zur CD geht einfach schneller. Und streamen ist auch so einfach.“

Es ist warm, beinahe heiß, wir sitzen im Garten. Wenn er jetzt und hier LPs hören wollte, was würde er hören? Heinrichs reflektiert kurz die Stimmung und antwortet. „Das könnte Moby sein, der amerikanische Popmusiker, aber auch Country käme in Frage, Garth Brooks vielleicht, oder etwas leicht Jazziges von Bryan Ferry. Ich höre sehr viel Unterschiedliches. Alles, was härter als AC/DC ist, ist nichts für mich. Hip Hop ebenso. Und auch dem deutschen Schlager kann ich wenig abgewinnen.“

Und wir schauen noch eine Weile die fantasievoll gestalteten Cover der LPs an: La Düsseldorf, Fleetwood Mac, Kraftwerk, Jean-Michel Jarre. Wir seufzen.

Zur Person

Lutz Heinrichs, Geschäftsführer des Teo Otto Theaters, kaufte seine erste LP im Alter von 13 Jahren bei Radio Weller auf der Alleestraße. „K-Tels Disco Hits“ hütet er auch heute noch wie einen Schatz. Überhaupt ist seine auf 300 LPs geschrumpfte Sammlung sehr gut erhalten. Der Übergang vom Vinyl zur CD kam für Lutz Heinrichs durch eine Vorführung auf einer Messe Ende 1983: Zu hören gab es Ina Deters „Neue Männer braucht das Land“, als die CD auf den Markt kam.

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