Berufsgruppe fühlt sich bei Priorisierung vergessen

Taxifahrer fordern eine schnelle Impfung

Die Taxi-Branche leidet unter Corona. Einige Fahrer würden sich eine Priorisierung bei der Impfung wünschen. Symbol-Archivfoto: Michael Sieber
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Die Taxi-Branche leidet unter Corona. Einige Fahrer würden sich eine Priorisierung bei der Impfung wünschen.

Viele gehen mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Andreas Ritter geht es wie vielen Menschen aktuell – er würde gern früher gegen das Coronavirus geimpft. Doch Ritter, der nebenberuflich Taxi fährt, denkt dabei nicht nur an sich, sondern vor allem an seine Kollegen. „Wir Taxifahrer sind an vorderster Front im Einsatz“, sagt er. Ständig wechselnde Fahrgäste auf sehr engem Raum, einige davon schwer krank, doch in der aktuellen Impfpriorisierung würden Taxifahrer gar nicht auftauchen. „Das kann es doch nicht sein.“

Angesichts der immer weiter steigenden Infektionszahlen in Remscheid gingen viele Kolleginnen und Kollegen mit einem mulmigen Gefühl zu Arbeit, sagt Ritter. „Oder am liebsten gar nicht.“ Schließlich sei man im Taxi teils näher an den Menschen als zum Beispiel die Polizei oder die Feuerwehr. „Aber die sind schon alle geimpft.“ Dass es unter den Remscheider Taxifahrern bisher kaum Corona-Fälle gegeben habe, sei fast schon ein Wunder, ist der 52-Jährige überzeugt: „Das ist ein Spiel mit Menschenleben.“

„Wenn nichts mehr geht, wir fahren noch.“

Taxifahrer Andreas Ritter

Deswegen fordere auch der Bundesverband Taxi und Mietwagen, dass Taxifahrer bei den derzeit laufenden Schutzimpfungen priorisiert werden, sagt Armin Schötz, Geschäftsführer der Funk-Taxi-Vereinigung Remscheid. „Dass der Verband sich für seine Leute einsetzt, liegt ja in der Natur der Sache.“ Auch seien die Argumente dafür „relativ gut“, meint Schötz, der aber auch weiß: „Die anderen Verbände fordern das natürlich für ihre Branchen genauso.“

Das Taxi- und Mietwagen-Gewerbe in Remscheid habe in der Pandemie mit einem erheblichen Umsatzrückgang zu kämpfen, weiß Schötz zu berichten: „Das Spät- und Abendgeschäft ist quasi komplett weg.“ Auch Flughafentransfers oder Zubringer-Dienste zu Busreisen gebe es kaum noch. „Inzwischen sind Krankenfahrten unser täglich Brot, wir fahren Patienten zu ihrer Chemo- oder Strahlentherapie oder auch zu normalen Arztterminen.“

Hinzu kämen verstärkt Besorgungsfahrten, also das Erledigen von Einkäufen oder das Abholen und Einlösen von Rezepten ohne Fahrgast, insbesondere für ältere Kunden. Und Fahrten zum Impfzentrum in der Halle West. Denn Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 und einem G-Vermerk im Schwerbehindertenausweis sowie alle ab Pflegegrad 4 und mit einem Ag-Vermerk bekommen das Taxi zur Impfung von ihrer Krankenkasse bezahlt.

Remscheid: Gute Gründe, Taxifahrer bei den Impfungen zu priorisieren

Für Andreas Ritter alles gute Gründe, Taxifahrer bei den Impfungen zu priorisieren. Schließlich habe man inzwischen überwiegend Kontakt zu Kunden und Fahrgästen, die selber zu den Risikogruppen gehören. „Wenn nichts mehr geht, wir fahren noch“, sagt er. Doch dabei wolle man zumindest so gut wie möglich geschützt sein.

Die Chancen auf eine vorzeitige Impfung seien aber überschaubar, lässt Armin Schötz von der Funk-Taxi-Vereinigung, in der derzeit 21 selbstständige Unternehmen zusammengeschlossen sind, durchblicken. Er setzt daher, auch mangels Alternativen, auf die bereits geltenden Hygieneregeln. So seien alle Fahrer angehalten, nach jedem Fahrgast die Türgriffe zu desinfizieren. „Das Wichtigste ist aber das Lüften.“ Zudem gelte für Fahrer wie Fahrgast während der kompletten Tour die Pflicht, eine medizinische Maske zu tragen. Und auch eine Trennwand biete, zumindest bei kurzen Fahrten, Schutz.

Außerdem seien inzwischen auch die ersten Fahrer geimpft, sagt Schötz. Gerade Rentner, die nebenbei Taxi fahren, hätten oft schon ein Impfangebot bekommen. Kollegen mit Vorerkrankungen hätten nun bei ihrem Hausarzt eine Chance. „Das geht jetzt langsam voran.“

Hintergrund

Taxiunternehmen müssen rund um die Uhr fahren, auch nachts. Das regelt das Personenbeförderungsgesetz. Demnach gilt für Taxis nicht nur die Tarif- und die Beförderungspflicht, sondern auch eine Betriebspflicht. Fahrer und Fahrzeuge müssen also auch dann zur Verfügung stehen, wenn es voraussichtlich nichts zu verdienen gibt. Einige Städte, darunter Dresden, haben die Betriebspflicht in der Pandemie zeitweise ausgesetzt.

Standpunkt: Mehr Flexibilität, bitte!

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Taxifahrer dürften nicht die einzige Gruppe sein, die bei der Impfpriorisierung „vergessen“ wurde, auch andere hadern mit der aktuell gültigen Reihenfolge, Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr zum Beispiel. So sehr man diesen bürokratischen Ansatz, der sicherlich gerade zum Start auch Zeit gekostet hat, kritisieren mag, eines hat das bisherige Vorgehen erreicht: Die Älteren, die besonders von dem Virus bedroht sind, wurden weitgehend geschützt.

Ohne Zweifel ein Erfolg der Impfkampagne. Nachdem dieser erreicht wurde, wäre es nun aber Zeit für deutlich mehr Flexibilität. Und das nicht nur bei den Hausärzten. Man sollte den Handelnden vor Ort schon zutrauen, die beste Lösung für eventuelle regionale Spezifika zu finden und sie dafür aus dem starren Konzept befreien. Gerade in Remscheid haben Stadt, Ärztevertreter und die anderen Beteiligten bisher den wesentlich kompetenteren Eindruck gemacht als die Verantwortlichen im Land und im Bund. Liefert ihnen den Impfstoff, möglichst viel, und lasst sie machen! Das wird schon.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Die Liste der Anbieter für Gratis-Schnelltests wird immer länger. Hier finden Sie eine Liste der Schnelltest-Anbieter in Remscheid mit Öffnungszeiten und Buchungsmöglichkeiten. 

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