Tierschutz

Taubenhaus in Remscheid: Das sagt die Dezernentin

Das Taubenhaus in Wuppertal wird von einem Verein betrieben. Hier werden die Tiere tierärztlich versorgt und erhalten kontrolliert Futter und Wasser.
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Das Taubenhaus in Wuppertal wird von einem Verein betrieben. Hier werden die Tiere tierärztlich versorgt und erhalten kontrolliert Futter und Wasser.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Ein geschützter Ort für die Tiere würde über 11.000 Euro plus Personalkosten mit sich bringen.

Remscheid. Nachdem die private Tierschützergruppe „Bergische Tauben und Wildvogelhilfe Remscheid“ Anfang März ein Taubenhaus im Südbezirk im RGA ins Spiel gebracht hatte, um den Taubenkot-Problem vor allem an der Bismarckstraße Herr zu werden, hat die CDU eine entsprechende Anfrage an die Stadtverwaltung formuliert. Nach Rücksprache mit dem Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) nimmt Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke nun Stellung.

Tierschützer fordern ein Taubenhaus für Remscheid

Könnte das von Tierschützern ins Gespräch gebrachte Taubenhaus das Problem im Süden lösen?

Taubenhäuser könnten als kontrollierbare Nistplätze Vorteile gegenüber wilden Brutstätten bieten, so die Stadtverwaltung. Zur tierschutzgerechten Populationskontrolle sei ein Zugang zu den Gelegen erforderlich. Wilde Brutplätze in Hohlräumen oder in hoch gelegenen Standorten an Fassaden oder unter Brücken seien kaum zugänglich und müssten daher systematisch und nachhaltig verschlossen werden. Der einfachste Zugang zu den Gelegen sei durch die Bindung der Stadttauben an Taubenschläge analog der Unterbringung von Brief- und Rassetauben zu erreichen, die von den Tauben als sichere Brut- und Aufzuchtstätten angenommen werden.

Welche Vorteile hat ein Taubenhaus?

Betreute Taubenschläge sind multifunktional: Die Tiere erhielten hier nicht nur den ganzen Tag über kontrolliert Futter und Wasser, wodurch sie nicht mehr ständig auf der Nahrungssuche seien und die Bürger belästigten, sondern sie hinterließen zu 80 Prozent auch ihren Kot im Taubenschlag - und nicht mehr auf Gehwegen & Co. Außerdem könnten die Tiere hier tierärztlich versorgt werden. Der Ei-Austausch durch Attrappen in einem Taubenhaus könne zudem die Population nachhaltig regulieren.

Welche Kosten würden durch ein Taubenhaus entstehen?

Gemäß einer Empfehlung des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2019 sehen die Kosten laut Reul-Nocke wie folgt aus: Die Herstellkosten von begehbaren Taubenschlägen variieren je nach Örtlichkeit, Bauart und Größe zwischen 3000 und 50 000 Euro. In einem Städtevergleich aus dem Jahr 2015 wurden fünf Städte mit flächendeckend errichteten betreuten Taubenschlägen zwischen 245 000 und 600 000 Einwohnern abgefragt. Der Mittelwert der Einwohnerzahl pro Taubenschlag der Städte Augsburg, Aachen, Düsseldorf, Stuttgart und Erlangen ergab: 47 271 Einwohner/Taubenschlag. Der Mittelwert der Kosten pro Einwohnerzahl pro Jahr ergab 0,10 Euro pro Einwohner pro Jahr. Für Remscheid würde dies Kosten in Höhe von 11 152 Euro jährlich bedeuten. Zu diesen Kosten kämen aber noch Personalkosten hinzu. Den Kosten stünden natürlich Einsparungen für bisherige Maßnahmen wie die aufwendige Entfernung von Kot im öffentlichen Raum gegenüber. Nach Auskunft der TBR werden die Kosten für die Reinigung des Taubenkots im Bereich Unterführung Bismarckstraße mit monatlich etwa 250, mithin 3000 Euro jährlich angegeben. Eine Kompensation ist also nicht möglich.

Könnte ein Taubenhaus mit Fördermitteln finanziert werden?

Förderprogramme zur Finanzierung von Taubenhäusern sind weder dem Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) noch der Stadt bekannt. Das BVLA verweist auf die Situation der Wuppertaler Taubenhäuser - diese werden über Vereine betrieben, die Räume werden über die Stadt oder die Kirche zur Verfügung gestellt und man arbeitet mit ehrenamtlichen, festangestellten Mitarbeitenden und mit Arbeitssuchenden. Pro Taubenschlag sind zwei Stellen installiert. Die Fachanleitung für die Arbeitsgelegenheiten wird von dem angestellten Taubenwart übernommen. Das Jobcenter Remscheid weist darauf hin, dass eine Förderung von Arbeitsgelegenheiten im Rahmen von § 16 i SGB II grundsätzlich für ein Remscheider Taubenhaus in Betracht kämen, jedoch seien die Mittel aktuell ausgeschöpft. Eine Fachanleitung würde Personalkosten von rund 55 000 Euro jährlich verursachen, heißt es in der Mitteilungsvorlage für die Bezirksvertretung Süd. „Die Deckung dieser Kosten sind im Budget nicht vorgesehen und somit nicht finanzierbar.“

Ei-Autausch

Eine private Gruppe von rund 20 Tierschützern ist vor allem im Kaufland-Parkhaus am Brücken-Center aktiv: Hier lesen sie regelmäßig verletzte Tiere auf und tauschen Bruteier gegen Plastikeier aus. Damit soll die Population eingedämmt werden.

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