Stadttauben

Das bräuchte es für ein Taubenhaus in Remscheid

Beispiel aus Wuppertal: So sieht ein Taubenhaus in der Nachbarstadt von innen aus. Foto: Tierschutzverein Wuppertal
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Beispiel aus Wuppertal: So sieht ein Taubenhaus in der Nachbarstadt von innen aus.

Andrea Schneider und Cora Pastors von der „Bergischen Tauben und Wildvogelhilfe Remscheid“ klären auf.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem das Bergische Veterinäramt bereits erklärt hat, warum ein Taubenhaus auch für Remscheid sinnvoll sein könnte, hat der RGA bei der „Bergischen Tauben und Wildvogelhilfe Remscheid“ nachgehakt. Die Ehrenamtler kennen sich aus. Sie stehen nicht nur in Kontakt mit dem Wuppertaler Tierschutzverein, der sich um ein Taubenhaus kümmert, sondern sind vor allem in der Tauben- und Wildvogelhilfe aktiv. Andrea Schneider und Cora Pastors beantworten stellvertretend für ihre Mitstreiter unsere Fragen.

Das sagt das Veterinäramt zum Taubenhaus

Was ist ein Taubenhaus genau?

Ein Taubenhaus ist ein betreutes Zuhause für Stadttauben, auch Taubenschlag genannt. Dort werden die Tauben täglich artgerecht versorgt. Sie bekommen artgerechtes Futter, frisches Wasser, Zusätze bei Bedarf, Grit und können ohne Stress ihrem angezüchteten Bruttrieb nachgehen. „Taubenhäuser sind, einfach ausgedrückt, die einzige Methode, tierschutzgerecht und nachhaltig die Anzahl der Stadttauben zu reduzieren, ohne den Tieren zu schaden“, betonen die beiden. Denn hier würden Bruteier gegen Attrappen getauscht. Tierschützer fordern ein Taubenhaus für Remscheid.

Was braucht es für ein Taubenhaus?

Ein Taubenhaus müsse entsprechend der Anzahl der Tiere groß genug sein, um genügend Brutplätze in Form von Regalen anbieten zu können. Es müsse Platz für Trink-, Futter- und Badestellen sowie Lagerung von Futter, Streu und Reinigungsmitteln geben. Zudem genug Raum, damit sich die Tauben tags am Boden und vor allem auf zusätzlichen Sitzgelegenheiten aufhalten können und nachts zum Schlafen einen sicheren Platz haben. Außerdem müsse die Möglichkeit gegeben sein, neue Tauben separieren zu können. Ein Wasseranschluss und ein Ablauf wären wichtig. „Wenn alle mitmachen und auch die Stadt Remscheid, Gebäudebesitzer, Geschäftsinhaber und Parkhausbetreiber statt teurer sowie oft gefährlicher oder tödlicher Vergrämungsmaßnahmen finanziell die Stadt beim Aufbau und Erhalt von Taubenhäusern unterstützen, wäre dies für alle eine positive Wendung“, meinen die beiden.

Was würde ein Taubenhaus kosten?

„Zu genauen Kosten können wir keine Auskünfte geben“, sagen Schneider und Pastors. Nur so viel: Durch Bau- und Anschaffung werde es anfangs natürlich zu hohen Kosten kommen, danach seien es laufende Kosten für Futter, Wasser, Einstreu, Stroh, Medikamente, Abwasser, Müllabfuhr, Verbrauchsmaterialien, Reinigungsmittel und mehr.

Wer könnte sich darum kümmern?

Es muss festes Personal geben, die alle täglichen Arbeiten erledigen, sagen die Remscheiderinnen. „Es ist sicher kein leichter Job, und daher auch verantwortungsvoll.“ Vielleicht könne die Stadt hier Möglichkeiten schaffen. „Unsere Gruppe Ehrenamtlicher bietet dazu gern Hilfe in unserem möglichen Rahmen an.“

Was für Tiere sind Stadttauben?

Stadttauben seien Nachkommen ausgesetzter oder entflogener Haustiere, sie stammten von der Felsentaube ab. Sie gehörten nicht zu den Wildtieren wie Ringel- oder Türkentauben. Taubenpaare lebten meist monogam ein Leben lang zusammen und wechselten sich beim Ausbrüten der Eier ab. Stadttauben sei vom Mensch ein unnatürliches Brutverhalten mit etwa sechs Gelegen pro Jahr mit je zwei Eiern angezüchtet worden, weil sie als Lieferant für Fleisch und Eier dienten. „Leider brüten Stadttauben daher auch unabhängig vom Nahrungsangebot und betteln bei uns Menschen um Futter. Ihr Leid ist also ein vom Menschen bestimmter großer Kreislauf.“ Zum Problem würden auch immer wieder „Zuflieger“: verletzte oder geschwächte Rasse-, Hochzeits- und Brieftauben.

Das Ziel

Das Hauptziel des Taubenhauses sei ein sicherer Ort zum Leben für die Tiere. Das Wichtigste sei der Standort – unmittelbar in der Nähe der Hotspots, dann würden die Tiere ihr neues Zuhause schnell annehmen. Eier würden gegen Attrappen getauscht – so könne die Population reduziert werden. Der Kot, der im Übrigen durch nicht artgerechtes Futter so flüssig sei, bleibe im Taubenhaus – und lande nicht mehr unter Brücken oder auf Gehwegen.

Artikel vom 7.3.2022

Taubenhaus in Remscheid: Das meint das Veterinäramt

Probleme wie Verletzungen, Parasitenbefall und Kükensterben könnten bei einem guten Konzept reduziert werden.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem eine private Gruppe von Tierschützern die Idee eines Taubenhauses in Remscheid aufs Tapet gebracht hat, hat der RGA beim Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) mit Sitz in Solingen nachgehakt.

Wie bewertet das BVLA ein Taubenhaus aus veterinärmedizinischer Sicht?

Unter der Neuenkamper Brücke werfen Unbekannte immer wieder Brotkrümel oder anderweitiges Futter hin, das eigentlich nicht für Tauben gedacht ist. In dem Bereich leben viele Stadttauben. Ein Taubenhaus könnte für eine tierschutzkonforme Regulierung sorgen.

Nach Bestimmungen der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) sowie dem Tierschutzgesetz (TierSchG) dürfen Stadttauben nicht mit Fallen, Netzen oder auf andere Weise mit der Folge der Tötung, der Verletzung oder zu einem anderen Zweck gefangen und verfolgt werden, betont das bergische Veterinäramt. Tötungsmaßnahmen seien nicht unzulässig. Zu empfehlen sei jedoch eine kontrollierte Regulierung anstelle einer Bekämpfung. „Daher spielen funktionierende Taubenhäuser eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Stadttaubenpopulationen.“

Um was für Tiere handelt es sich eigentlich bei den Stadttauben?

„Stadttauben sind standorttreue Tiere. Sie haben zudem durch den Prozess der Domestikation ihre Verhaltensweisen und Bedürfnisse in Abhängigkeit zum Menschen angepasst, die nun aufgrund ihrer Unzugehörigkeit zu einem Taubenschlag in den Städten Probleme bereiten und auch für die Tiere selber verschiedene tierschutzrelevante Aspekte mit sich bringen“, erklärt das Amt.

Welche Tierschutzaspekte spielen bei Stadttauben eine Rolle?

Erst einmal Mangel- und Fehlernährung, erklären die Veterinäre. Zwar seien nur rudimentäre für Wildtiere angeborene Verhaltensweise vorhanden, trotzdem habe dies keinen Einfluss auf die Bruttätigkeit. Auch Krankheiten und Parasitenbefall durch verwahrloste und verdreckte Brutplätze seien ein Thema, denn Tauben wechseln beziehungsweise säubern ihren Brutplatz nicht. Küken sterben zudem aufgrund ungeeigneter Nistbedingungen und unzureichender Versorgung durch die Elterntiere. Hinzu kommen Verletzungsrisiken bei der Futtersuche. Stadttauben zeigten eine ausgeprägte Futtersuche, da ohne Fütterung in einem Taubenschlag kaum brauchbare Nahrung vorhanden sei. Verletzungsrisiken bestünden aber auch durch misslungene Taubenabwehrmaßnahmen wie Spikes, stromführende Drähte oder Netze mit fehlender Wartung. Hinzu komme natürlich noch tierschutzwidriges Nachstellen der Tiere.

Was wäre für ein Taubenhaus noch wichtig?

Nicht zu unterschätzen sei zudem der Zuflug von Brief-, Rasse- und Hochzeitstauben. „Diese Probleme können bei einem gut durchdachten Taubenhaus deutlich reduziert werden“, betont das BVLA, fügt aber auch hinzu: „Eine Einbeziehung der entsprechenden kommunalen Strukturen ist daher wichtig, damit Taubenhäuser eine Chance haben, zu funktionieren.“ Durch die kontrollierte Versorgung mit Futter und Trinkwasser und die Möglichkeit, die Tiere im Taubenschlag zu sichten und gegebenenfalls zu fangen, können Tiere behandelt und untersucht werden. Denn Ziel eines Stadttaubenhauses ist aus veterinärmedizinischer Sicht eine tierschutzkonforme Regulierung und Reduzierung einer gesunden Stadttaubenpopulation.

CDU-Anfrage für die Bezirksvertretung

Nachdem der RGA über eine private Gruppe von Tierschützern berichtet hat, die vorschlagen, ein Taubenhaus in Remscheid zu errichten, hakt auch die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Süd nach. Sie möchte für die nächste Sitzung am Mittwoch, 16. März, 17.30 Uhr, im Rathaus wissen: Könnte ein Taubenhaus auch das Taubenkot-Problem an der Bismarckstraße lösen? Zudem fragt die Union, ob der Verwaltung Erfahrungsberichte anderer Kommunen zu Taubenhäusern vorliegen, welche Kosten ein Taubenhaus mit sich bringen würde und wie diese gedeckt werden könnten. Sind Zuschüsse etwa aus Mitteln für den Tierschutz denkbar? Neben Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) hat sich auch die CDU bereits mehrfach mit Anfragen an die Verwaltung gewandt. „Es handelt sich in unseren Augen um einen Schandfleck trotz häufiger Reinigungen. Diese Reinigungen verschieben das Problem nur und stellen keine langfristige Lösung dar“, sagen Elke Rühl und Fabian Knott.

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