Of Curious Nature

Tanztheater wirkt wie Appell gegen den Krieg

Das Ensemble „Of Curious Nature“ führte zwei Stücke im Teo Otto Theater auf. Foto: Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ führte zwei Stücke im Teo Otto Theater auf.

Stammensemble „Of Curious Nature“ zeigte Inszenierungen im Teo Otto Theater mit großer Eindringlichkeit.

Von Peter Klohs

Die Außenfassade am Teo Otto Theater ist zur Zeit angesichts des Geschehens in Osteuropa in Blau und Gelb angestrahlt und zeigt auf diese Art Solidarität mit der Ukraine. Am Samstagabend wurde auf der Bühne des Theaters ebenfalls die Aktualität der politischen Ereignisse aufgezeigt, wenn auch nicht geplant.

Als die beiden modernen Tanz-Inszenierungen arrangiert und geprobt wurden, war ein Krieg in der Ukraine noch weit entfernt. Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu Deutsch: „Von neugieriger Natur“) ist die neue ständige Tanzkompanie des Theaters, die in einigen Aufführungen ihre Kunst den Remscheidern zeigen möchte.

Plötzliche Stille wirkte wie ein Schlag

Die erste Präsentation der Tänzerinnen und Tänzer war ein „Double Bill“ – eine Doppelvorstellung. Direkt zwei gut vierzig Minuten dauernde Stücke stellte das Ensemble vor. Das Ganze begann mit einem elektronischen Ton, der sich langsam in einem Marschrhythmus auflöste. Und in der Tat bewegten sich die neun Tanzenden, als marschierten sie in Reih und Glied. Sie nutzten dabei die gesamte Größe der Bühne. Nach drei Minuten scherte der erste Tänzer aus, einmal, zweimal, immer wieder. Und es wurden mehr. Aus dem Marschrhythmus war ein kaltes und dröhnendes Maschinenstampfen geworden, fast schmerzte die Musik in ihrer martialischen Intensität.

Von neugieriger Natur im Teo Otto Theater

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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch
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Das Ensemble „Of Curious Nature“ (zu deutsch: Von neugieriger Natur). © Roland Keusch

Das Ensemble schien sich tänzerisch aufzulösen, kurze Soli waren zu sehen, artistisch und bizarr. Gruppen bildeten sich, ein Trio, ein Quartett. Waren das Schüsse, die man hören konnte? Jedenfalls bewegten sich einige Tanzende, als wären sie getroffen worden. Die Gruppe zerfaserte immer deutlicher und öfter. Die stilisierte Mauer im Hintergrund der Bühne stellte sich als Hort dar, in dem die Tänzerinnen und Tänzer scheinbar willkürlich verschwinden und wieder auftauchen konnten. Plötzlich, nach 35 Minuten, Stille.

Nach der brutalen Musik wirkte das wie ein Schlag. Und „Adrift“, ein modernes Tanzstück von Felix Landerer, endete, wie es begann, wenn auch ohne Marschrhythmus. Eine Gruppe, die sich stabil wähnt, löst sich unter Schmerzen auf. Ganz anders der zweite Teil der Aufführung: „The Resonance“ wirkte alleine durch die hoch emotionale Musik von Max Richter, dessen „Sarajewo“ mit seiner irrwitzig hohen Sopranstimme den Beginn und das Ende des Stückes markierte.

Die Deutung der im Bosnien-Krieg als besetzte Stadt geltenden Metropole von Bosnien-Herzegowina als Hort der Menschlichkeit stellte leicht den aktuellen Bezug her. Auf der Bühne thronte ein vieleckiges, mehrdimensionales Gebilde, eine Art Eisberg, das effektvolles Bühnenlicht aussendete – mal grell, mal diffus – ,so dass die Szenen wie im Gegenlicht wirkten.

Richters Musik aus seinem 2020 erschienenem Werk „Voices“, das sich mit den Menschenrechten beschäftigt, changiert zwischen tiefer Melancholie und wütendem Aufbegehren. Das Ensemble setzte diese Vorgabe kongenial um: Selbst die irrwitzig schnellen Bewegungen der Tanzenden erzeugten kaum Geräusch, der Eisberg verschob sich hier- und dorthin, blieb jedoch immer präsent und wurde gegen Ende des Stückes wild im Kreis herumgeschoben – immer schneller, bis die Kraft verschwand, das Kreiseln bis zum Stillstand langsamer wurde. Es folgte begeisterter Beifall.

Der aktuelle Bezug der beiden Stücke war eindeutig. Schön auch, dass die insgesamt zehn Tanzenden aus vielen verschiedenen Nationen kommen: Togo, die Niederlande, Frankreich, Südkorea und die USA sind nur ein paar der Herkunftsländer der Künstler.

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