Auf Spenden angewiesen

Remscheider Tafel: Bis 25 Prozent mehr Bedürftige

Die Tafel-Mitarbeiter boten an diesem Donnerstag im Vaßbendersaal Tomaten, Paprika und Co. an.
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Die Tafel-Mitarbeiter boten an diesem Donnerstag im Vaßbendersaal Tomaten, Paprika und Co. an.
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EIngekauft wird auf dem Großmarkt. Wie lange die finanzielle Situation der Initiative für Bedürftige stabil bleibt, ist unklar.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Der Zustrom auf die Lebensmittelausgaben für bedürftige Menschen hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Rund 650 Kunden decken sich bei der Tafel pro Woche ein. „Das sind nach wie vor 20 bis 25 Prozent mehr als am Jahresbeginn“, sagt der Vorsitzende der Hilfsinitiative Frank vom Scheidt, der den Zuwachs insbesondere auf die Flüchtlinge aus der Ukraine zurückführt: „Wir haben die Wünsche der Stadtverwaltung erfüllt und sie möglichst unbürokratisch in unser Versorgungssystem aufgenommen.“ Einen Engpass für die Tafel in Remscheid sieht vom Scheidt derzeit nicht: „Aber wir müssen seit drei Monaten Waren hinzukaufen und sind dabei auf Spenden angewiesen.“

885 Geflüchtete aus der Ukraine leben derzeit in Remscheid, listet die zuständige Fachdienstleiterin Claudia Schwarzweller für den Integrationsrat auf. Das sind etwa 80 mehr als noch im Mai. Der Zustrom hat also stark nachgelassen.

Ein anderer Faktor könnte aber dazu führen, dass die Zahl der Kunden an der Tafel wieder deutlicher wächst: Mehr Menschen dürften in finanzielle Not geraten, weil sie nicht in der Lage sind, die steigenden Energiepreise zu bezahlen und auf Unterstützung von Vater Staat angewiesen sind. Dies ist grundsätzlich die Voraussetzung dafür, einen Kundenpass bei der Tafel zu bekommen. Ihr Vorsitzender zeigt sich aber gelassen: „Sollte dieser Effekt einsetzen, sehe ich ihn eher im nächsten Jahr, wenn hohe Nachzahlungen auf die Mieter zukommen. Bislang ist das aber nur Spekulation“, erklärt vom Scheidt.

Ein ausgeklügeltes System ist die Voraussetzung dafür, dass sich Bedürftige mit Obst, Gemüse, Nudeln und Mehl in sieben Ausgabestellen in Remscheid eindecken können. Ehren- und hauptamtliche Fahrer holen Lebensmittel in den Supermärkten ab, um sie von dort zur Tafelzentrale an der Wülfingstraße in Lennep zu bringen. Hier hält die Initiative auch ein Kühlhaus vor.

Von dort transportiert das Team die Waren zu den Ausgabestellen – wie dem Vaßbendersaal, der gestern geöffnet war. 80 Ehrenamtliche sind hier, an der Wülfingstraße und den sonstigen Anlaufpunkten im Einsatz, um bei der Hilfsorganisation Menschen mit Lebensmittel zu versorgen. Hinzu kommen noch drei hauptamtliche Mitarbeiter und einige Kräfte, die als Ein-Euro-Jobber von der Arbeitsagentur vermittelt wurden.

Finanzielle Situation der Tafel ist nicht besorgniserregend - Um Spenden wird aber gebittet

Noch sei die finanzielle Situation bei der Tafel nicht besorgniserregend, beruhigt vom Scheidt: „Einige Monate können wir ganz sicher noch Waren zukaufen.“ Der Erwerb auf dem Großmarkt sorge auch dafür, „dass wir hin und wieder eine größere Vielfalt anbieten können“, sagt der Vorsitzende, der seit 2018 die Initiative leitet. „Wir sind auf Unterstützung angewiesen.“

Wer möchte, kann Geld geben, aber auch haltbare Lebensmittel, wie Reis, Nudeln oder Konserven, zur Tafelzentrale bringen. Zuletzt hätten zwei vierstellige Beträge geholfen, dass die Initiative über die Runden kommen kann - von einem Unternehmen und einer Privatperson. „Die Hilfsbereitschaft in Remscheid ist groß“, fügt vom Scheidt hinzu. Das Angebot der Tafel sei aber davon abhängig, dass dies so bleibt.

Das hofft auch Remscheids Sozialdezernent Thomas Neuhaus. „Hier wird seriös und engagiert Arbeit für die Menschen geleistet.“ Es sei nicht ausgeschlossen, dass dieses Angebot in Zeiten hoher Inflation und steigender Energiekosten weiter an Bedeutung gewinnen werde. „Aber dabei sollte man auch niemanden verrückt machen. Die Bundesregierung arbeitet ja an weiteren Hilfspaketen.“ Andererseits sei die Tafel eine wichtige Ergänzung für das, was Vater Staat an Unterstützung ermöglicht, betont der Sozialdezernent. „Und es geht hier auch um den ursprünglichen Sinn des Projekts - nämlich keine Lebensmittel wegzuwerfen.“

Anlaufstellen

Die Zentrale der Tafel befindet sich in Lennep, Wülfingstraße 1. Hier sowie im Vaßbender-Saal, im Kult-shock in Hasten, in der Versöhnungskirche, im Hackenberger Gartenheim, im Haus der katholischen Gemeinde St. Marien sowie im Lüttringhauser CVJM-Heim, befinden sich die Ausgabestellen, die an unterschiedlichen Tagen geöffnet sind. Kontakt: Tel. (0 21 91) / 790 193; info@tafelremscheid.de.

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