Konzert

Sven Ratzke taucht tief in die Welt David Bowies ein

Sven Ratzke erwies sich im Teo Otto Theater nicht nur als guter Sänger, sondern auch als eloquenter, intelligenter und humorvoller Conférencier. Foto: Michael Schütz
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Sven Ratzke erwies sich im Teo Otto Theater nicht nur als guter Sänger, sondern auch als eloquenter, intelligenter und humorvoller Conférencier.

Rund 100 Besucher erlebten im Teo Otto Theater ein gelungenes Konzert.

Von Peter Klohs

Eine sehr kurze Spielzeit im Teo Otto Theater ging am Samstagabend mit einem erstklassigen Konzert zu Ende. Als letztes Highlight vor der Sommerpause war Sven Ratzke zu Gast. Der Musiker, der sich selbst als „Halbholländer“ bezeichnet, hat sich schon wiederholt mit der vielschichtigen Musik von David Bowie beschäftigt und taucht in seinem aktuellen Programm „Where are we now“ (zu deutsch: Wo sind wir nun?) tief in bekannte und unbekannte Songs des britischen Pop- und Rock-Chamäleons ein.

Etwa 100 Besucher im Teo Otto Theater bestaunten zuvorderst das extravagante Outfit des Sängers und Entertainers, der in einer dreiviertellangen blauen Jacke, einem roten Overall, schwarzer Leibbinde und halbhohen schwarzen Stiefeln auftrat. „Meine ersten Auftritte waren vor 100 Menschen“, erklärte Ratzke dem Publikum. „Und nun schauen Sie, was aus mir geworden ist.“

Die Basis, das Herzstück der folgenden 75 Minuten, war bereits im ersten Stück des Abends zu hören: „The man who sold the world“, eines von Bowies ersten reifen Werken, erklang unter der famosen Begleitung des niederländischen Pianisten Jetse de Jong als jazzige Halbballade, irgendwo im Dunstkreis von Chanson, Cabaret und sehr anspruchsvollem Pop gefangen, eher cool und gefasst als temperamentvoll und lebenslustig.

Bis auf eine Ausnahme sollte das so bleiben. Die Arrangements der Lieder hatte Christian Pabst geschrieben, der eigentlich als Pianist Sven Ratzke begleitet, beim Gastspiel in Remscheid jedoch verhindert war. Die hohe Qualität seiner musikalischen Kunst bewies das sphärische „Space Oddity“, das gekonnt zwischen Entrücktheit und Hymne pendelte. Die Stimme Ratzkes gleicht der des späten Bowies und kommt ihr in tieferen Lagen sogar recht nah.

Die Hymne für Melancholiker kommt nach der ersten Zugabe

„Ich entdeckte Bowie tief in der Pubertät“, verriet Ratzke dem Publikum und fügte augenzwinkernd hinzu: „Ich war neun Jahre alt.“ Bowies Hit „Let’s dance“ folgte mit perkussiver Arbeit des Pianisten auf dem Klavierrahmen, ein kurzer Ausbruch Richtung Groove. Ratzke erwies sich in seinen zuweilen ausgeweiteten Ansagen als eloquenter, intelligenter und humorvoller Conférencier, der kenntnisreich über die Freundschaft zwischen Bowie, Lou Reed und Iggy Pop berichtete.

In der zweiten Hälfte des Programms wurde es musikalisch noch anspruchsvoller. Das berühmte „Heroes“, zu Anfang von Ratzke in Deutsch gesungen, bestach neben dem charismatischen Gesang durch eine hypnotische Triolenbegleitung des Pianisten, die beinahe etwas von Minimal Music hatte. Das kunstvoll verwobene „Life on Mars?“, für den Sänger schon eine Herausforderung, und die Lou-Reed-Komposition „Perfect Day“ beendeten den offiziellen Teil nach exakt einer Stunde.

Und nach der ersten Zugabe „Absolut Beginners“ kam sie dann doch noch: Bowies Hymne an alle schwermütigen und melancholischen Menschen, die, obwohl kein Hit im eigentlichen Sinne, fast jeder kennt. Der Text beginnt mit „Time takes a cigarette, puts it in your mouth“, jawohl, der „Rock ‘n’ Roll Suicide“ war da, und die final gesungene Zeile „You are not alone“ ist eine Mahnung und eine Bestätigung zur gleichen Zeit. Ratzke sang dieses Kleinod mit all dem Herzblut, das ihm nach 75 Minuten Musik und Geschichten noch verblieben war.

Neue Spielzeit

Mit dem Bowie-Abend verabschiedet sich das Theater in die Sommerpause. Aber: Online gibt es jede Woche Sonntag ab sofort eine neue Folge „Mystische Wesen und wo sie zu finden sind“ zu sehen. Nach der Sommerpause wird das Teo Otto Theater die neue Spielzeit am Mittwoch, 1. September, mit dem 1. Philharmonischen Konzert starten. Der Almanach ist bereits erschienen. Die Kasse und der Webshop öffnen wieder am 24. August.

www.teo-otto-theater.de

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