Meine erste Platte

Sven Graf hört aus Prinzip jede Musik

Als 14-Jähriger kaufte sich Sven Graf seine erste CD: „History“ von Michael Jackson. Foto: Roland Keusch
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Als 14-Jähriger kaufte sich Sven Graf seine erste CD: „History“ von Michael Jackson.

Der Künstlerische Leiter des Teo Otto Theaters wuchs mit den Mix-Tapes seiner Schwester auf

Von Peter Klohs

Sven Grafs Schwester war verantwortlich für seine erste Begegnung mit Musik. „Ich bin eigentlich mit den Mix-Tapes meiner Schwester aufgewachsen“, sagt er. „Die hat die Radiosendungen von SWR 3 oder Radio Regenbogen aufgenommen, und die habe ich dann mithören dürfen. Nena, die Eurythmics, Pur. Und sie hat mich auf mein erstes Live-Konzert begleitet, ebenfalls Pur.“

Obwohl der Vater von Sven Graf einen Plattenspieler als auch eine recht große Sammlung von LPs besaß, durften die Kinder diese nicht hören. „Das war tabu“, berichtet Graf, „und wenn ich darüber nachdenke, welche Musik er in seiner Sammlung hatte, dann ist da ein schwarzes Loch. Ich vermute: die Liedermacher. Aber sicher ist das nicht.“ Seine erste Platte wünschte sich der 1981 in Freiburg geborene Graf zum Geburtstag. „Ja, das war ‚History’ von Michael Jackson“, erinnert sich der künstlerische Leiter des Teo Otto Theaters. „Ich fand, dass diese Musik schon sehr gut gemacht war. Ich war vielleicht etwas spät dran mit der ersten CD. Ich war 14. Aber ich habe sie lange und gerne gehört. Vor allem gefielen mir die Jackson-Stücke, die nicht nach Schema F abliefen: Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Bridge, Refrain. Da gibt es zahlreiche Beispiele auf ‚History’“.

Zunächst faszinierten ihn an der Musik im Allgemeinen ausschließlich die Töne, die Melodie, der Rhythmus. Aber mit der Zeit achtete Sven Graf immer deutlicher auf die Texte der Musiker. „In der Schule haben wir einige Liedtexte durchgenommen“, sagt er, „und da habe ich erstmal gemerkt: He, die haben ja was zu sagen!“ Von da an beschäftigte er sich viel deutlicher auch mit den Texten und deren Aussage.

Akkordeon und Piano studiert

Sven Graf hat Musik studiert. Sein Hauptinstrument war das Akkordeon, später das Piano. In dieser Zeit weitete sich sein Musikgeschmack deutlich aus, bezog die Klassik mit ein, fand Bezug zum Jazz, auch der komplexere Rock war ihm nicht fremd. So entstand ein weites Feld an Hörerlebnissen, die Graf alle auf verschiedene Weise verinnerlichte und erlebte.

Alleine die 12-Ton-Musik ist ihm „zu verkopft. Das kann ich mir anhören, aber es erreicht mich emotional nicht.“ Er weiß auch ein schönes Wort für diese Art der Musik: Musimathik, eine Vermischung aus Musik und Mathematik.

„Musik ist von Erinnerungen geprägt“, ist Graf sicher. „Immer werde ich einen Road-Trip nach Hamburg mit der Sängerin Loreena McKennitt verbinden, die ich in den Stunden der Fahrt ohne Pause hörte.“ Zahlreiche andere Beispiele findet er leicht. „Wenn Künstler Musik machen“, ist sich Sven Graf sicher, „dann ist die Musik für sie sehr wichtig. Und nur, weil ich heute keinen Punk hören mag, weil ich nicht wütend bin, sagt das ja nichts über die Qualität der Musik.“

Das Gespräch hat sich verlagert, ist ausgehend von Michael Jackson bei philosophischen Gedanken zur Musik angelangt. „Musik ist wie Schauspieler, die alle auf die Bühne wollen“, sagt er. „Und wenn man einen vernachlässigt, dann randaliert er hinter der Bühne. Aus diesem Grund höre ich prinzipiell alle Musik. Alleine meines Berufes wegen höre ich viel Musik, und immer wieder entdecke ich mir bisher fremde Künstler, bei denen ich sofort denke: Davon möchte ich mehr hören.“

So entdeckte er auch Peter Bence, „einen der schnellsten Finger auf dem Piano“. Oder Sam Perry, der bei „Australia got Talent“ eine unfassbare Solo-Performance von Princes „When Doves cry“ ablieferte und gewann. „Da geht es nicht um rechts oder links“, sagt Sven Graf, „da geht es um ehrliche Musik.“

Hintergrund

„Heute höre ich Musik eher online“, gibt Sven Graf zu. „Und wenn ich Videos ansehe, dann bevorzugt Live-Videos, Konzertmitschnitte. Oder auch TV-Shows wie ‚Australia got Talent’. Gerne würde ich so Musiker wie Sam Perry und seine Loop-Maschine ins Teo Otto Theater holen, aber nachdem Perry nun in Australien gewonnen hat, ist das sicher einige Zeit zu spät. Jetzt können wir ihn nicht mehr bezahlen.“ Aber Peter Bence vielleicht. Man wird sehen. Und hören.

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