Nach DOC-Urteil in Münster

OB sucht nach Antworten für Sport in Remscheid

Seit Jahren hoffen sie auf einen Kunstrasenplatz, mit dem DOC-Urteil kann dies noch länger dauern: A-Kreisligist SG Hackenberg (hier gegen den BV Burscheid). Archivfoto: Michael Sieber
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Seit Jahren hoffen sie auf einen Kunstrasenplatz, mit dem DOC-Urteil kann dies noch länger dauern: A-Kreisligist SG Hackenberg (hier gegen den BV Burscheid).

Burkhard Mast-Weisz kündigt im Rat Unterstützung für die SG Hackenberg an.

Von Andreas Weber

Remscheid. Das Foto von einer Regenschlacht der SG Hackenberg auf heimischem Grund, das Burkhard Mast-Weisz im Lokalsport des RGA am Montag beim Blick in die Zeitung erblickte, ließ beim Stadtoberhaupt Alarmglocken schrillen. „Da wird Fußball gespielt auf einem Platz, auf dem man Forellen züchten könnte.“ Im Rat deutete der OB bei seinen Überlegungen zur Zukunft Lenneps nach dem DOC-Urteil an, dass auch im Sport Handlungsbedarf besteht: „Der SG Hackenberg wird der Boden unter den Füßen weggezogen. Und darauf müssen wir Antworten finden“, kündigte Mast-Weisz den Ratsmitgliedern an, nachdem er zuvor mit dem SGH-Vorsitzenden Joachim Weber telefoniert hatte.

Das lange Warten auf ein neues Sportgelände schickt die SG Hackenberg in einen Überlebenskampf mit ungewissem Ausgang. „Für die Sportler ist das OVG-Urteil zum DOC extrem enttäuschend“, räumt Sportdezernent Thomas Neuhaus ein. „Wir nehmen die Sorgen der SGH sehr ernst, aber viele Hoffnungen kann ich nicht machen.“

Neuhaus meint damit Hoffnungen, die sich mit einem vorgezogenen Beginn des ersten Bauabschnitts bei der Sportanlage verknüpfen. Der erste Teil sähe die Herrichtung eines unteren Kunstrasenplatzes (66 x 95 Meter) vor, bei dem die drei Beachvolleyball-Felder überbaut würden. „Die Frage wird sein, woher kommt das Geld? Da sehe ich für den kommenden Haushalt überhaupt keine Bewegungsmöglichkeit“, bremst Neuhaus Erwartungen in diese Richtung.

Immer wieder ist der Lenneper Sportverein mit der Aussicht auf ein hochmodernes Sportzentrum vertröstet worden. Nun droht das Oberverwaltungsgerichtsurteil in Münster, den Hackenbergern 47 Jahre nach ihrer Gründung die Luft abzuschnüren. Zwar liegt der Bauantrag für die neue Sportanlage bei der Stadt in den letzten Zügen, weil das DOC aber nach einer erfolgreichen Anwohnerklage vorerst nicht gebaut werden darf, ziehen mit Sicherheit viele weitere Jahre ins Land, bis es rechtliche Sicherheit für den Bau des Designer Outlet Centers gibt und die ersten Bagger auf dem Sportareal rollen.

„SG Hackenberg wird der Boden unter den Füßen weggezogen.“
OB Burkhard Mast-Weisz

In der Verwaltung geht man vorsichtig von fünf bis sieben Jahren aus, sofern sich die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht positiv für Remscheid gestaltet. Vorher wird Investor McArthur Glen die 15 Millionen Euro Kaufpreis nicht überweisen, aus der auch der momentan 13,1 Millionen Euro teuere Sportkomplex mit Kunstrasen als Ersatz für das Röntgen-Stadion bestritten werden soll. Es gibt viele Probleme, die aus dem OVG-Urteil erwachsen. Die Zukunft der SGH ist davon nicht das gravierendste, für Verein und Lokalsport aber ein bedeutsames. Markus Dobke, stellvertretender Sportamtsleiter, erklärt: „Die SG Hackenberg braucht eine vernünftige Sportanlage, was natürlich ebenso für die LTG-Leichtathletik und den Lenneper Schulsport gilt.“

Der Vereinsvorstand glaubt, dass er die neuerliche Verschiebung der Baupläne nicht überleben wird. Die Zahl der Jugendteams ist von 27 auf 13 geschmolzen, Ende des Spieljahres 2020/21 könnte sich die Zahl weiter dezimieren. Denn noch wird auf Asche gekickt, ein Untergrund, auf den kein Nachwuchsspieler mehr Bock hat. Ohne Perspektive sieht SHG-Vorsitzender Joachim Weber schwarz: „Für drei bis vier Mannschaften lohnt sich der Aufwand nicht. Dann machen wir den Laden dicht.“

Noch ist die Nachricht aus Münster frisch und Alternativen sind nicht gefunden. Thomas Neuhaus und Sportamtsleiter Martin Sternkopf könnten sich vorstellen, dass die Hackenberger freie Kapazitäten im Röntgen-Stadion und auf dem Jahnplatz in Lüttringhausen nutzen. „Plätze dürfen üblicherweise mit bis zu zwanzig Mannschaften belegt werden, und da gäbe es noch Spielräume“, meint Neuhaus.

Das altehrwürdige Röntgen-Stadion, Heimat des FCR, hat zwei Nachteile: Zum einen besitzt es kein Flutlicht und lässt kein Training oder keine Spiele nach Einbruch der Dunkelheit zu, zum anderen befürchten Skeptiker, dass der an sich sehr gepflegte Naturrasen bei zu intensiver Nutzung schnell hinüber sein könnte.

In die Lösung wird der Sportbund eingebunden sein (| Info-Kasten). Dessen Vorsitzender Reinhard Ulbrich ahnt: „Die SG Hackenberg wird für Verwaltung, Politik und uns als Sportbund zum Dauergesprächspartner werden.“

Derweil deutet Thomas Neuhaus an, dass es bei der Hackenberg-Frage Transparenz geben werde. Deshalb hat Martin Sternkopf die Aufgabe, für die erste Sitzung des Sportausschusses in der neuen Legislaturperiode durchzurechnen, wie hoch die Kosten für die Umsetzung des ersten Bauabschnitts sein könnten. Dass dieser nicht günstig werden wird, steht fest. Denn neben dem Verlegen des Kunstrasens müssen unten im Sumpfgebiet Entwässerungsfragen geklärt werden.

Sportbund unterstützt SG Hackenberg

Sportbund-Vorsitzender Reinhard Ulbrich spricht für die SGH von „einem harten Schlag ins Kontor“. Das Schicksal der SG Hackenberg sei mit zwei Fragezeichen verknüpft: Wie lange zieht sich das juristische Verfahren, bis das DOC gebaut werden kann? Und: Wie lässt sich eine Zwischenlösung finanzieren? Im Sportforum, so Ulbrich, sei bereits diskutiert worden, ob der Kunstrasen auf dem unteren Feld in Hackenberg nicht vorgezogen werden kann. „Es ist nach allen Seiten verzwickt“, räumt Ulbrich ein, aber: „Wir bleiben am Ball.“

SPD, CDU und auch die Grünen unterstützen Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) bei seinem Vorhaben, mit dem DOC vor das Bundesverwaltungsgericht nach Leipzig zu ziehen.

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