Theater

Stück „Die Physiker“ von 1961 ist so aktuell wie nie

Die Physiker gingen vor rund 200 Besuchern im Teo Otto Theater dem Fortbestand der Menschheit nach. Foto: Roland Keusch
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Die Physiker gingen vor rund 200 Besuchern im Teo Otto Theater dem Fortbestand der Menschheit nach.

„Die Physiker“ im Teo Otto Theater

Von Peter Klohs

Remscheid. Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ hat am Montagabend im Teo Otto Theater noch nicht begonnen, da liegt bereits eine Leiche auf der Bühne. Man erkennt ein Nachthemd und nackte Füße. In der psychiatrischen Klinik „Les Cerisiers“ (Die Kirschbäume) ist eine Krankenschwester getötet worden. Es soll nicht die letzte sein.

Das zweiaktige Theaterstück entpuppt sich nur in Ansätzen als Komödie. Es ist ein großes Drama um den Fortbestand der Menschheit. Das Tournee-Theater Thespiskarren aus Hannover schafft es scheinbar leicht, den schmalen Grad zwischen gelegentlichem Gelächter und abgrundtiefen Schrecken aufzuzeigen.

Drei Physiker sind im Haus untergebracht und werden dort behandelt: Ernst Heinrich Ernesti, der sich für Einstein hält, Herbert Georg Beutler, der denkt, er sei Newton sowie Johann Wilhelm Möbius, der weiß, dass durch seine Entdeckungen und Erfindungen die Welt ein rasches Ende finden könnte. Jeder von ihnen ist ein Täter, ein Mörder. Drei Patienten – drei tote Krankenschwestern. Einstein und Newton haben sich einweisen lassen, um an die Weltformel des Kollegen Möbius zu gelangen.

In gut 100 Minuten wird die Frage nach der Ethik in der Wissenschaft beleuchtet. Im Laufe des Stückes wird zunehmend unwichtig, was und wer die drei Patienten sind, wichtig allein bleibt die Erkenntnis, dass Wissenschaft, hier die alles vernichtende Bombe, immer in falsche Hände gerät. Dies, so Dürrenmatt in einem der vielen philosophischen Zitate im Stück, sei unumkehrbar. „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“, sagt Möbius. Und auch dies: „In der Freiheit sind unsere Gedanken Sprengstoff. Nur im Irrenhaus sind wir noch frei.“

Erstklassige Schauspielkunst, fantasievolles Bühnenbild

Also lösen die Physiker das Problem auf die einzige ihnen verbliebene Weise: Möbius vernichtet seine Manuskripte, das Trio bleibt in der Klinik. Freilich spricht Mathilde von Zahnd, Leiterin und selbsternannte Irrenärztin, noch ein gewichtiges Wort mit.

Die Aufführung des Tourneetheaters Thespiskarren überzeugt durch erstklassige Schauspielkunst, eine fantasievolle und zweckmäßige Bühne (Tudorel Neata) sowie die sichtbare Lust der Agierenden. Von Möbius (Peter Bause) bis zum militärisch gedrillten Pfleger Sievers (Manuel Retzmann) sind die Personen passend besetzt.

Knapp 200 Besucher im Teo Otto Theater bedankten sich mit langanhaltendem Applaus.

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