Berufskolleg

Absolvent beweist: Studium öffnet das Tor zur weiten Welt

Adrian Pütz (r.), Leiter des BWL-Studienzweigs mit der Fachhochschule des Mittelstandes (Bielefeld), in dem engen Studienraum an der Stuttgarter Straße, der nach den Ferien im Kolleg-Neubau am Bahnhof sein wird. Per Leinwand zugeschaltet Nils Ende aus Spanien, darüber hinaus (v.l.) Christian Block, Dorina Ristic, Lara Schirrmacher und Lina Nana Dittmann.
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Adrian Pütz (r.), Leiter des BWL-Studienzweigs mit der Fachhochschule des Mittelstandes (Bielefeld), in dem engen Studienraum an der Stuttgarter Straße, der nach den Ferien im Kolleg-Neubau am Bahnhof sein wird. Per Leinwand zugeschaltet Nils Ende aus Spanien, darüber hinaus (v.l.) Christian Block, Dorina Ristic, Lara Schirrmacher und Lina Nana Dittmann.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Berufskolleg: Industriekaufmann Nils Ende steht als leuchtendes Beispiel für den Bachelor in BWL.

Remscheid. Ausbildung zum Industriekaufmann, gepaart mit einem BWL-Fernstudium. Für Nils Ende hat sich das duale System am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung ausgezahlt. Dem 27-jährigen Remscheider hat es das Tor in die weite Welt aufgestoßen: Für seinen Arbeitgeber, die Lear Corporation, ist er im Oktober 2020 an die Costa Dorada gegangen. Im spanischen Valls, nördlich von der Küstenstadt Tarragona, ist er als Key Account Manager im Vertrieb eingesetzt. Arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Bei der Lear Corporation, Global Player in der Fahrzeugzulieferindustrie, spezialisiert auf Autositze und E-Systeme, hat Nils Ende von 2014 bis 2017 gelernt, am Kolleg in Kooperation mit der Fachhochschule des Mittelstandes 2019 seinen Bachelor of Arts drangehängt. 38 Standorte weltweit zählt der in den USA beheimatete Konzern. Einer davon ist an der Schlosserstraße in Remscheid. Hierhin wird Ende in zwei Monaten zurückkehren. Fast zwei Jahre Ausland in einer Niederlassung, die 400 Mitarbeiter beschäftigt, nennt Nils eine „großartige Erfahrung“.

Dafür hat er sich reingehängt und mit 1,3 eine famose Bachelorarbeit über Regressionsmodelle hingelegt, die selbst seinem Fachleiter am Kolleg, Adrian Pütz, die Ohren schlackern ließ. Sie liegt jetzt als Best-Practice-Beispiel in der Bibliothek des Berufskollegs aus.

Ausbildung und Beruf zu kombinieren, komprimiert in vier Jahren, empfiehlt Nils Ende jedem. „Die Ausbildung wird dadurch noch attraktiver“, sagt der 27-Jährige. Seinen Reifeprozess habe sie obendrein beschleunigt. „Es hat mir bei der Selbstdisziplin geholfen und zur Persönlichkeitsbildung beigetragen.“ Im Rahmen des „lebenslangen Lernens“ will Ende weiterhin seinen Horizont erweitern.

„Für Studenten stehen die Türen bei Fragen immer offen.“

Sarah Soultana-Öner

Insgesamt 20 Absolventen hat der Bachelor-Studiengang am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung bereits hervorgebracht. Weitere werden folgen. Denn die seit 2015 mit der Fachhochschule des Mittelstands bestehende Zusammenarbeit wird gerade am neuen Standort am Bahnhof ausgebaut. Remscheid wird Standort für ein vom Bund finanziertes NRW-Pilotprojekt, das vergangenes Jahr an drei Standorten begann und 2022/2023 in weiteren sechs Städten fortgesetzt wird. Die studienintegrierende Ausbildung (SiA) verknüpft erstmalig systematisch die drei Lernorte Betrieb, Berufskolleg und Hochschule.

Berufskolleg gewinnt an Strahlkraft

Für Dorina Ristic (21) ist der erste Ausbildungsblock nach einem Jahr gerade vorbei. Als sie bei der Bestar Stahlhandelsgesellschaft anfing, rieten ihr Azubis zu der Kombination. „Ich wollte weder ein pures Studium noch eine Ausbildung. Für mich ist das genau richtig“, sagt sie. Die 205 Euro Studiengebühren pro Monat werden von der Bestar getragen.

Christian Block (25), stieg bei der Arntz Sägetechnik erst zum 1. Februar während des Schulblocks in das zusätzliche Studium ein. Er ist zuversichtlich, das versäumte erste halbe Jahr aufzuholen. Gleiches gilt für seine Betriebskollegin Sarah Soultana-Öner (25). Als Nachzüglerin stieß sie zum Studium und ist zufrieden. Ein Grund: „Für uns als Studenten stehen die Türen bei Fragen immer offen, bei Problemen sind die Lehrer auch auf dem Flur ansprechbar.“

Das schätzt auch Lara Schirrmacher (22), die bei den EWR beschäftigt ist und gerade ihre Bachelorarbeit über „Demografieinduzierte Ansätze des betrieblichen Gesundheitsmanagements“ verfasst. Ein Riesenvorteil sei die überschaubare Größe: „In Wuppertal sitzen ein paar Hundert Studenten im Hörsaal, hier sind es sieben bei mir im Block.“ Die Hilfe vonseiten des Kollegs geht bis zur Beratung bei Prüfungsängsten.

Steinhaus und Bestar waren Firmen der ersten Stunde

Lina Nana Dittmann (21) lebt in Ennepetal, entschied sich nach langer Internet-Suche nach einem geeigneten Betrieb für Steinhaus am Tenter Weg, weil das Unternehmen bei Azubis einen guten Ruf genießt. Zunächst hatte Lina Nana das Studiensystem nicht auf dem Schirm. „Aber wenn es andere Industriekaufleute bei Steinhaus schaffen, kann ich das auch“, dachte sie. Steinhaus zählt mit Bestar zu den Firmen der ersten Stunde, die 2015 am Kolleg dabei waren, als es darum ging, Ausbildung attraktiver zu machen.

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