Bildung

Studieren in Krisenzeiten

Wermelskirchener Piet Ronge studiert in Köln.
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Der Wermelskirchener Piet Ronge studiert in Köln.

Drei Studentinnen und Studenten berichten, wie sie mit den gestiegenen Lebenshaltungs­kosten umgehen.

Von Arnd Janssen

Wermelskirchen. Sie gelten nicht erst seit der Corona-Pandemie als eine Gesellschaftsgruppe, deren Probleme gerne mal übersehen werden und das, obwohl sie von Krisensymptomen oft stark betroffen sind. Das haben die inflationsbedingt gestiegenen Preise für Lebensmittel, Energie und Mieten in diesem Jahr zusätzlich bestätigt. Studenten fällt es schwer, das Wohnen in großen Studentenstädten wie Wuppertal, Düsseldorf oder Köln zu stemmen, auch wenn sie einem Nebenerwerb nachgehen. Unsere Redaktion hat mit drei Studenten aus der Region gesprochen.

Nele Krüger (19) arbeitet nebenher im Freibad.

Rosa Röhder kommt aus Elsdorf im Rhein-Erft-Kreis und studiert in Wuppertal. Seit Herbst 2020 ist sie an der dortigen Bergischen Universität im Master Geistes- und Kulturwissenschaften eingeschrieben und wohnt in Elberfeld. „Ich habe eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung. Ich habe Glück, weil ich während der Pandemie gesucht habe. Es war die erste Wohnung, die ich angeschaut habe und habe sie direkt bekommen“, sagt Röhder. Im Bachelor habe sie noch in Düsseldorf studiert, pendelte morgens aus ihrer Heimat rund eine Stunde mit der Bahn zur Uni. In Wuppertal entschied sie sich für den Umzug.

Die Wohnungssuche wird auch hier für viele Studenten immer schwieriger. „Es kommt eben darauf an, was die Wohnung kostet. Es ist zwar deutlich günstiger als in Köln, aber auch hier muss man eine Weile suchen“, sagt die 25-Jährige.

Zum Glück, so sagt sie, sei ihre Miete inflationsbedingt noch nicht gestiegen. Strom- und Gasabschläge wurden von ihrem Vermieter zuletzt nicht erhöht. „Ich mache mir schon Gedanken, wie hoch die Kosten sein werden, wenn die Nachzahlung kommt“, sagt sie. Sie habe sich aber schon eine gewisse Summe zurückgelegt. Auch die Lebensmittelpreise würden sie als Studentin belasten. Eine Einmalzahlung für Studenten als Energiepreispauschale habe sie erhalten, aber das sei kaum ausreichend. „Wir Studenten sind zurzeit armutsgefährdet“, klagt sie. Röhder kann weiterhin einer Teilzeitstelle im Einzelhandel nachgehen, BAföG bekomme sie nicht. Unter ihren Uni-Freunden sei die Situation oft ein Gesprächsthema. Alle hätten Schwierigkeiten, bei den Kosten den Überblick zu behalten.

Piet Ronge kommt aus Wermelskirchen, studiert aber in Köln. Nachdem einem Semester im baden-württembergischen Mannheim ging es für ihn nach Wermelskirchen zurück. „Ich hab mich in Köln nach Wohnungen umgeschaut, das war aber nicht ganz so einfach für Studenten, die nicht ganz so viel Geld haben“, sagt Ronge. Er schaue sich aber weiter um. Mit den schlechten Aussichten bleibe er aber erst mal in Wermelskirchen. Zu seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre pendelt er täglich mit dem Auto. „Manchmal ist es aushaltbar, aber zum Teil auch einfach nervig“, sagt der 20-Jährige. Fast immer stehe er im Stau, der Stadtverkehr sei eine Katastrophe. Da er noch bei den Eltern wohne, müsse er zwar keine Miete und Energiekosten bezahlen. „Aber man merkt, dass die Inflation zuschlägt, wenn man mal essen oder einkaufen geht. Da guckt man schon mal hin und nimmt sich zurück“, sagt er.

Rosa Röhder studiert und wohnt in Wuppertal.

Nele Krüger aus Hückeswagen studiert im ersten Semester an der Bergischen Universität Wirtschaftswissenschaften. „Ich möchte bei meiner Familie, meinen Freunden und Hobbys bleiben. Deswegen bleibe ich in Hückeswagen und pendele jeden Tag nach Wuppertal“, sagt die 20-Jährige. Im Elternhaus habe sie ihre eigene Wohnung. Sie pendelt rund 35 Minuten mit dem Auto. „Die größere Belastung sind die Benzinkosten“, sagt sie. Ein Faktor, der alle Autofahrer betrifft, keine Frage. Aus ihrer Sicht sind die öffentlichen Verkehrsmittel viel zu schwach ausgebaut, als dass sie für Hückeswagener eine echte Alternative wären, um in nahe gelegene Großstädte zu pendeln. „Ich versuche so viel möglich von zu Hause zu machen, zum Beispiel Online-Seminare über Zoom oder E-Tests“, sagt Krüger. Damit spare sie Fahrten. Die Vorlesungen besuche sie aber meist in Präsenz.

Sie merkt, dass für viele Studenten das Geld gerade knapp wird und bemängelt: „Nicht jeder Student hat Anspruch auf BAföG, jedoch betrifft die Inflation jeden gleich“, sagt Krüger.

Kosten

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes waren rund 38 Prozent der Studenten im Jahr 2021 armutsgefährdet. Rund drei Viertel waren armutsgefährdet, wenn sie allein oder in WGs wohnten. Knapp ein Drittel ihres Einkommens geben die meisten für ihr WG-Zimmer aus.

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