Stadt sieht das anders

Laut Studie baut Remscheid zu viele Wohnungen

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Laut Studie sollten weniger Ein- und Zweifamilienhäuser entstehen. Doch die Nachfrage ist groß, wie das Neubaugebiet auf dem ehemaligen Klinikgelände zeigt.

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft entstehen 50 Prozent mehr Wohnungen als gebraucht werden.

Von Tristan Krämer

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wurden in Remscheid in den vergangenen beiden Jahren deutlich zu viele Wohnungen gebaut. Das, so die Studie, könnte die Zahl der Leerstände weiter erhöhen.

Laut dem sogenannten IW-Wohnungsbaubedarfsmodell sind in der Stadt zwischen 2016 und 2018 50 Prozent mehr Wohnungen entstanden als nach dem errechneten Bedarf bis 2020 gebraucht werden. Damit befindet sich die Stadt zwar in guter Gesellschaft: Insgesamt ist die Entwicklung in 69 der bundesweit 401 kreisfreien Städten und Landkreisen ähnlich. Dennoch sei die Situation in Remscheid besonders.

Lesen Sie auch: Zahl der Sozialwohnungen wird in Remscheid dramatisch sinken

Denn die Stadt ist neben Cottbus, Ingolstadt, Würzburg und dem Regionalverband Saarbrücken eine von nur fünf kreisfreien Großstädten, in denen der Wohnungsbau den erwarteten Bedarf derart übersteigt. „Wobei zu beachten ist, dass die Städte Cottbus, Remscheid und der Regionalverband Saarbrücken mit hohen Leerständen und Abwanderung andere Rahmenbedingungen als Ingolstadt und Würzburg aufweisen, die sich in einem dynamischen Umfeld mit steigenden Studentenzahlen und deutlich zunehmender Beschäftigung bewegen“, heißt es im IW-Wohnungsbaubedarfsmodell.

Die Zahlen des Instituts der sind auch der Stadtverwaltung nicht verborgen geblieben. Dort haben sie die Verantwortlichen allerdings mit etwas Verwunderung gelesen.

Unter anderem am Honsberg sollen Leerstände reaktiviert werden. Auch für Pendler, die in Düsseldorf arbeiten, dort aber keine Wohnung finden.

Wir haben uns schon ein bisschen die Augen gerieben“, sagt Christina Kutschaty, Leiterin des Fachdienstes Stadtentwicklung, Wirtschaft und Liegenschaften. Die Ergebnisse der Studie widersprächen dem, was im Regionalplan der Bezirksregierung Düsseldorf festgehalten ist, an dem auch Remscheid beteiligt ist. Unter dem Titel „Mehr Wohnbauland am Rhein“ arbeiten die Kommunen an der Rheinschiene an einer gemeinsamen Strategie für mehr Wohnraum in der Region.

Remscheid soll Probleme der Metropolen abfedern

Denn, das bestätigt auch das IW, die Situation in Metropolen wie Köln und Düsseldorf bleibt angespannt. So wurden zwischen 2016 und 2018 in Köln nur 46 Prozent der Wohnungen gebaut worden, die bis 2020 benötigt werden. In Düsseldorf liegt diese sogenannte Wohnungsbedarfsquote zwar immerhin bei 86 Prozent. Der ohnehin schon vorhandene Mangel an Wohnraum dürfte sich dennoch weiter verschärfen. Und hier kommt Remscheid ins Spiel. „Mit dem hier vorhandenen Wohnraum könnten wir die Probleme in den Metropolen abfedern“, erklärt Kutschaty die Idee.

VERGLEICH

BERGISCHES LAND Laut dem Wohnungsbedarfsmodell des Instituts der deutschen Wirtschaft sind in der Nachbarstadt Solingen zwischen 2016 und 2018 260 Wohnungen entstanden. Das entspricht 90 Prozent des errechneten Bedarfs bis 2020. In Wuppertal sind im selben Zeitraum 323 oder 60 Prozent der benötigten Wohnungen fertiggestellt worden.

STUDIE Die Studie ist im Internet abrufbar auf

www.iwkoeln.de

Dass das Modell des IW auf ein Überangebot an Ein- und Zweifamilienhäusern verweist und „mehr Umbau statt Neubau“ fordert, ist für Kutschaty zum einen keine Überraschung. „Das ist keine Neuigkeit. Es ist natürlich einfacher, etwas neu zu bauen, als beispielsweise mit den Gegebenheiten eines Neubaus zurechtkommen zu müssen“, sagt die Fachdienstleiterin. Verschiedene Projekte sollen deshalb die Reaktivierung von Leerständen beispielsweise am Honsberg und im Südbezirk vorantreiben. Einzigartig in NRW sei zudem, dass Remscheid bestehende Leerstände nutzt, um darin den dringend benötigten sozial geförderten Wohnraum unterzubringen.

Gleichwohl zeige die hohe Nachfrage im Bereich des Einfamilienhausbaus in der Stadt, dass sehr wohl Bedarf bestehe. „Wir planen das maßvoll“, versichert Kutschaty. Es sollen keine neuen Gebiete ausgewiesen werden, die noch versiegelt werden müssen. So will die Stadt dem Flächenfraß begegnen. Stattdessen liege der Fokus auf brachgefallenen Flächen, beispielsweise dem Grundstück der ehemaligen Grundschule Eisernstein in Lüttringhausen.

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