Jugendhilfeplaner

Studie belegt: Frühe Hilfe zahlt sich aus

Annette Stevens im Büro der Frühen Hilfen.
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Annette Stevens im Büro der Frühen Hilfen.
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Stadt will Mittel für Präventionsarbeit in den neuen Doppelhaushalt einbringen.

Von Melissa Wienzek

Seit 1988 macht Til Rebelsky pädagogische Arbeit. Und genauso lange muss sich der Jugendhilfeplaner schon rechtfertigen. Für jeden Euro, der in die Jugend- und Familienhilfe im Präventionsbereich gesteckt wird. Oft geht es nur um 2 Euro für eine Jugendfreizeit. Der Vorwurf: In Präventionsarbeit zu investieren, lohnt sich nicht. Man weiß ja nicht, wofür man das Geld eigentlich so richtig ausgibt.

Doch jetzt erhalten alle Einrichtungen in Remscheid, die präventiv arbeiten, Rückendeckung. Prof. Dr. sc. oec. Uta Meier-Gräwe von der Justus-Liebig-Universität, die auch für die Bundesregierung einen Familien- und einen Gleichstellungsbericht verfasst hat, stellte bei der letzten Netzwerkkonferenz Frühe Hilfen im Neuen Lindenhof ihre Expertise zu Kosten und Nutzen Früher Hilfen vor - und bewies wissenschaftlich: Prävention zahlt sich eben doch aus. „Das stärkt uns den Rücken, weil wir so aus dem Rechtfertigungsmodus herauskommen“, erklärt Jugendhilfeplaner Til Rebelsky.

Zwar habe es bereits eine amerikanische Studie zum Nutzen und Kosten der Frühen Hilfen gegeben, aber keine deutsche. Anhand von Szenarienanalysen errechnete Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe: Steigt man erst mit Hilfsangeboten wie Sprach- oder Entwicklungsförderung im Kita-Alter ein, wird es 13 Mal teuer, als wenn man schon bereits im Babyalter angefangen hätte. Steigt man in der Schulzeit ein, ist es schon 34 Mal mehr. Je mehr Zeit verstreicht, umso höhere Folgekosten entstehen also. Und die können in die Millionen gehen, während die Kosten für die Präventionsarbeit der Frühen Hilfen mit durchschnittlich 7274 Euro vergleichsweise gering sind „Über die Dimensionen bin ich vom Glauben abgefallen“, sagt Rebelsky.

Die Wissenschaftlerin kommt zu dem Schluss: „Die Kosten Früher Hilfen sind gegenüber den Folgekosten bei Kindeswohlgefährdung gering. Bereits bei kleinen Erfolgen durch Frühe Hilfen sind diese wirtschaftlich rentabel.“ Und: „Frühe Hilfen müssen als sinnvoll angelegte Zukunftsinvestition für die betroffenen Kinder wie für die Gesellschaft insgesamt begriffen werden.“

Eine Auffassung, die der Kinderschutzbund Remscheid seit jeher teilt. In seiner Fachstelle Frühe Hilfen an der Elberfelder Straße erhalten werdende Eltern und Eltern von Kindern bis zu drei Jahren kostenfreie Beratung bei allen Fragen rund um Entwicklung, Gesundheit und Ernährung ihres Kindes. Annette Stevens und Alexandra Krause vermitteln weiter, unterstützen und koordinieren je nach Bedarf den Einsatz der Familienhebammen. „Die erste Zeit nach der Geburt ist die vulnerabelste im Leben eines Kindes“, sagt Stevens. Alles, was gefördert und begleitet werden könne, müsse jetzt passieren, damit sich das Kind gut entwickle. Später könnte es zu spät sein - und müsste für viel Geld wieder aufgefangen werden. „Die Bedarfe früh zu entdecken und Eltern schon früh Hilfestellung zu geben, schafft einen Mehrwert“, sagt sie. Und daher lohne sich Prävention.

Ergebnisse stärken die Position für die Etatberatungen

Til Rebelsky geht davon aus, dass die Stadt den Topf für präventive Mittel in Remscheid, in den sonst 150 000 Euro flossen, auch im Doppelhaushalt 2023/2024 füllen wird. Die Ergebnisse der Expertise stärke nun auf jeden Fall das Argument pro Prävention. „Denn es kommen spannende Zeiten auf uns zu. Daher ist es umso wichtiger, dem etwas entgegenzusetzen.“ Das sieht auch Karl-Richard Ponsar, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Remscheids, so: „Prävention ist nicht die Position zum Wegstreichen.“

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