30-minütiger Kurzfilm

Studenten drehen Abschlussfilm in Remscheid

Mit den Schauspielerinnen Palina Grinjova und Nadja Bobyleva wird am Honsberg ein Film gedreht. Foto: Roland Keusch
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Mit den Schauspielerinnen Palina Grinjova und Nadja Bobyleva wird am Honsberg ein Film gedreht.

„Wherever Paradies Is“ erzählt über Heimat und Identität.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Hektik herrscht am Honsberg. Am vorletzten Drehtag in der Siemensstraße müssen die letzten Szenen der Studenten sitzen. Die Wohnung von Ins Blaue versprüht den Charme Russlands um die Jahrtausendwende. Blümchentapete, ein altes Ledersofa und Matrjoschka-Figuren versetzen die Protagonisten des Films „Wherever Paradise Is“ ins russisch-deutsche Milieu.

Roman Wegera (28), Student der Medialen Künste an der Kunsthochschule Köln mit Schwerpunkt Regie/Dramaturgie, dreht am Honsberg seinen Diplom-Abschlussfilm. In dem 30-minütigen Kurzfilm gehe es um Heimat und Identität und den Kampf um die Frage „Wer bin ich?“, erklärt Roman Wegera.

Die Handlung spiegelt die Thematik wider. Das russisch-deutsche Mädchen Anna ist mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Russland nach Deutschland gekommen. Hier fühlt sie sich entwurzelt. Als ihr gewalttätiger Vater droht, nach Deutschland zu kommen, steht das hiesige Leben auf dem Spiel. Ihr kleiner Bruder, für den sie die Erziehung übernommen hat, weil die Mutter oft außer Haus ist, gibt ihr Halt.

Die Sprache des Films ist zu 80 Prozent Russisch

Mit der Protagonistin hat Wegera eine starke Figur gezeichnet, ohne sie in die Opferrolle zu bringen. „Ich kenne das russisch-deutsche Milieu, ich kenne die postsowjetische Prägung sehr gut“, erklärt Roman Wegera, der in Kasachstan geboren wurde.

Der Film ist zu 80 Prozent auf russisch mit deutschen Untertiteln. Nicht nur soll das Milieu authentisch sein. Die Sprachverweigerung der Protagonistin Anna zeigt zudem, dass sie die neue Heimat Deutschland nicht annimmt.

Ebenso international wie die Sprache ist der Cast, erklärt Sophia von Gaffron (28), kreative Produzentin. Sie ist für die Finanzierung und Vermarktung des Projektes zuständig. „Wir haben russischsprachige Muttersprachler gesucht“, sagt sie. So wurden zwei Schauspieler aus Estland eingeflogen – in der Corona-Pandemie gar nicht so einfach. Für die Kostüme kannten Roman Wegera und Sophia von Gaffron nur die Maße der Schauspielerinnen. Die Anprobe fand dann erst vor Ort statt. Auch die Zusammenarbeit mit einem Kinderdarsteller für Annas neunjährigen Bruder Maxim war eine Herausforderung. Drehzeiten für Kinder müssen eingehalten werden. Die Sprache im Team ist Englisch. „Ich bin mittlerweile dreisprachig am Set unterwegs“, berichtet Wegera.

Im Haus Ins Blaue befinden sich auch Maske, Kostüm, Technik und Aufenthaltsraum

Seit Anfang des Monats ist das rund 20-köpfige Team am Honsberg aktiv. Zehn Stunden am Tag wird gedreht. Bei der Wohnungsbesichtigung war die Wohnung komplett leer, die Wände weiß. Szenenbildnerin Laura Yurtöven (24) hat die Wohnung tapeziert und eingerichtet. Das Porzellan stammt von einer russischen Porzellankünstlerin, das Sofa im Wohnzimmer von ihrer Oma.

Im Haus befinden sich auch Maske, Kostüm, Technik und Aufenthaltsraum – alles an einem Ort. „Deswegen sind wir in Remscheid. So etwas gibt es in Köln nicht“, sagt Sophia von Gaffron. Für sie und Roman Wegera geht es nun an den Schnitt. „Eine fremde Sprache zu schneiden, ist was ganz anderes. Aber so kann ich mich mehr auf die Energie des Films konzentrieren“, erklärt sie.

Katja Wickert von Ins Blaue ist begeistert von dem Filmprojekt der Studenten. „Das ist genau das, wo wir hinwollen. Dass Künstler an den Honsberg kommen“, sagt sie. Denn die Künstler sind dauerhaft vor Ort, leben den Monat über in Remscheid. „Die Atmosphäre ist besonders. Ich wünsche mir, dass Lebendigkeit im Viertel entsteht.“

Hintergrund

Gefördert wird das Filmprojekt durch den Bund für Kultur und Medien im Bereich Kurzfilm. Ende November/Anfang Dezember soll der Film fertig sein, damit die Studenten ihn bei der Berlinale oder beim Filmfestival Max Ophüls Preis einreichen können. Premiere soll im Februar/März sein. Auch eine Vorführung in Remscheid bei Ins Blaue ist geplant.

Remscheiderin feiert Premiere als Co-Produzentin des Kurzfilms „Destination Paradies“.

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