Mein Leben als Papa

Stress und Spaß im Homeoffice: Jeder Tag steckt voller Überraschungen

Kurze Pause im Homeoffice: Mit Kissen, einem Radler (alkoholfrei) und ohne Kippe beobachte ich das Treiben unter meinem Fenster zum Hof. Foto: lf
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Kurze Pause im Homeoffice: Mit Kissen, einem Radler (alkoholfrei) und ohne Kippe beobachte ich das Treiben unter meinem Fenster zum Hof.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Nach mehr als einem Jahr Pandemie ist das Phänomen Homeoffice für mich längst zur Normalität geworden. Ich habe mich daran gewöhnt, was es heißt, Büro und Privatleben unter einem Dach zu vereinen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Für Hannes, Michel und meine Frau bin ich kein Gast im eigenen Zuhause mehr, sondern fest in ihrer Alltagswelt verankert. Routine hat sich eingeschlichen. Und doch steckt fast jeder Tag noch voller Überraschungen.

An einem perfekten Tag stehen Hannes und Michel morgens gut gelaunt auf, ich bringe Hannes bei Sonnenschein in den Kindergarten und beginne danach zu arbeiten. Nachmittags nutze ich meine Pause, um mit ihnen im Garten zu toben, und abends wird es bei mir und ihnen nicht allzu spät. Tatsächlich darf/soll/kann/muss Hannes im Moment mal wieder nicht in den Kindergarten, was automatisch zu einem höheren Lärmpegel in der Wohnung führt. Zumal das Wetter gerade auch nicht dazu einlädt, den ganzen Tag draußen zu verbringen.

Die Kollegen müssen also damit rechnen, dass bei Telefonaten im Hintergrund gelacht, geweint und gestritten wird. „Machst du die Tür hinter dir nie zu?“, werde ich hin und wieder gefragt. „Die ist zu“, können sie es kaum glauben.

Am liebsten telefoniere ich mit der Kollegin, die zwei Töchter im selben Alter wie Hannes und Michel hat. Der Zufall will es, dass ich mit ihr aktuell beruflich viel zu bequatschen habe. Unsere Gespräche enden meistens mit einem „Ich ruf dich sofort zurück“ – nachdem vorher Sätze fielen wie „Nein, ihr pflanzt die Kresse jetzt nicht alleine“ oder „Nein, alles, was Batterien hat, darf nicht mit in die Badewanne“. Genau wie ich lässt dieselbe Kollegin bei Videokonferenzen ihre Kamera gerne ausgeschaltet. Nicht jeder muss die Stofftiere und Spielsachen im Hintergrund sehen. Oder mitkriegen, was die Kinder gerade anstellen. Denn natürlich springt meine Tür manchmal auf, ohne dass vorher angeklopft wird. Auch mein Mikrofon bleibt tendenziell lieber stumm. Müssen ja nicht alle mitkriegen, wenn Hannes auf einen Kollegen zeigt und mich fragt: „Wer ist das? Magst du den?“

Eine andere Kollegin, bei der er neulich spontan ans Telefon ging, kennt uns zum Glück ziemlich gut. „Mein Papa sitzt auf’m Klo und ka. . .“, log er sie an und lachte sich dabei kaputt. Und wir uns mit. Befreiende Momente im Homeoffice. Wenn mein Chef künftig anruft, lasse ich Hannes allerdings definitiv nicht rangehen.

Manchmal ist es in meinem Arbeitszimmer aber auch so ruhig, dass ich mich fast schon ausgeschlossen fühle vom Rest meiner Familie. Dann lehne ich mich mit einem Kissen bewaffnet aus dem Fenster und beobachte wehmütig, wie Michel mit dem Kettcar unter mir vorbeiflitzt oder Hannes an seiner Schusstechnik feilt.

So gerne ich jetzt meine Arbeit für mehr als zwei Minuten liegenlassen und schon vor meinem Feierabend mitmischen würde, bin ich mir doch darüber im Klaren, wie privilegiert ich bin. Mit einer Frau, die sich noch in Elternzeit befindet und mir vieles vom Hals hält, mit einem großen Garten und zwei überwiegend zufriedenen Jungs. Hochachtung vor allen, die sich unter wesentlich schwierigeren Bedingungen auch noch um Homeschooling oder erkrankte Angehörige kümmern müssen.

Dass meine Frau mich jetzt gerade, während ich diese Zeilen schreibe, ins Bad ruft, um mir einen Wasserschaden zu zeigen, ist übrigens eine dieser Überraschungen, von denen ich eingangs sprach. Soll keiner sagen, im Homeoffice erlebt man nichts mehr. . .

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