Erinnerung

Strenger Richter mit großem Herz: Rolf Söhnchen ist tot

Er sprach Tacheles: Jugendrichter Rolf Söhnchen prägte über ein Jahrzehnt lang die Arbeit am Remscheider Amtsgericht. Archiv-Foto: Michael Sieber
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Er sprach Tacheles: Jugendrichter Rolf Söhnchen prägte über ein Jahrzehnt lang die Arbeit am Remscheider Amtsgericht.

Ehemaliger Amtsgerichtsdirektor Rolf Söhnchen sorgte sich um Jugendliche.

Von Axel Richter

Ihm verdankt der RGA eine der knackigsten Schlagzeilen aus dem Remscheider Amtsgericht: Ein Würstchen, das einmal eine Wurst sein wollte, hatte Jugendrichter Rolf Söhnchen den jungen Mann geheißen, dessen eigene Großspurigkeit ihn auf die schiefe Bahn und am Ende vor Gericht gebracht hatte.

Am 20. Mai ist der Direktor des Amtsgerichts a. D., der mit seinen jugendlichen Delinquenten oft hart ins Gericht ging und doch ein riesiges Herz für die Gestrandeten der Gesellschaft hatte, gestorben.

Rolf Söhnchen stand über ein Jahrzehnt an der Spitze des Remscheider Amtsgerichts, war Jugendrichter mit Leib und Seele.

Es ging ihm um die erfolgreiche Wiedereingliederung Gestrauchelter

Ein Blatt vor den Mund nahm er nie. Auch nicht in gesellschaftlichen Fragen. Schon beinahe legendär war seine Auseinandersetzung mit dem Remscheider Grünen-Politiker Georg Wurth. Der hatte sich 1996 wegen des Besitzes einer geringen Menge Marihuana selbst angezeigt, um damit die Diskussion um eine Legalisierung der Droge anzustoßen. Söhnchen war stets dagegen, warnte vor einer Verharmlosung des Rauschmittels als „weiche Droge“. In solchen Diskussionen konnte Rolf Söhnchen zornig werden. Nicht ohne Grund. „Dahinter steckt eine tiefe Sorge“, erklärte er einst dem RGA. Denn die Geschichten, die er von seinen Klienten zu hören bekam, waren immer die gleichen. In den Familien hatte sich niemand um sie gesorgt, oft waren die jugendlichen Diebe, Schläger und Abzocker bereits als Kinder mit Drogen in Berührung gekommen. Der Richter wusste: „Viele von ihnen hatten nie eine Chance.“

Die Sorge um die Jugendlichen trieb Söhnchen auch als Pensionär um. Unter anderem engagierte er sich federführend weiterhin in der Naturschule Grund, wo versucht wird, auffällige Jugendliche auf den rechten Pfad zu bringen. 2007 wurde er zudem Ombudsmann für den Justizvollzug in NRW. Auch in dieser Funktion ging es ihm als Ansprechpartner für Häftlinge und Angehörige um die erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Die Vorbeugung krimineller Karrieren erschien ihm bis zuletzt mangelhaft. „Integration, richtig gelebt und praktiziert, kommt immer noch zu kurz in unserer Gesellschaft“, erklärte er dem RGA 2014 in seinem letzten Interview.

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