Lärmstörungen

Streit unter Mietern eskaliert

Manchmal hält sie den Lärm einfach nicht mehr aus: Tanja B., die nicht mehr weiter weiß mit dem Lärm aus der Nachbarwohnung. Foto: Doro Siewert
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Manchmal hält sie den Lärm einfach nicht mehr aus: Tanja B., die nicht mehr weiter weiß mit dem Lärm aus der Nachbarwohnung.

Lärmstörungen sind fast immer besonders knifflige Probleme. Für die Betroffenen, aber auch für Vermieter – in diesem Fall die Gewag.

Von Thomas Wintgen

Es kommt vor, dass Leon (6) im Wohnzimmer auf der Couch schläft. Dann, wenn er beim besten Willen nicht einschlafen kann. Das kommt vor, seit die Nachbarn in der Wohnung auf Parterre eingezogen sind; Im Juli vergangenen Jahres war das. „Am Anfang waren die nett“, sagt Tanja B. (34), über das Paar mit drei Kindern, das für den RGA nicht zu erreichen war.

Aber dann ging immer häufiger „die Post ab“, bestätigt Frank T. (44), ihr Freund. Ein paarmal ging seine Freundin runter und „hat die Nachbarn gebeten, ein bisschen leiser zu sein“, sagt sie. „Das hört sich manchmal an, als würden die mit den Möbeln Schach spielen.“

„Die Türen knallen, als ob sie keine Klinken hätten.“
Mira K., eine Nachbarin

Und „die Türen knallen, als ob sie keine Klinken hätten“, fügt Mira K. (67) hinzu, die Nachbarin. Sie bestätigt die Schilderungen von Tanja B. Der Freund hat schon mal im Mietvertrag der Gewag für die Wohnung in Lennep nachgesehen. „Da steht drin“, zitiert er, „dass man die Geräuschentwicklung ab 20 Uhr auf Zimmerlautstärke dämpfen soll“ – mit Rücksicht auf die Kinder.

Für Leon wäre es ziemlich wichtig, dass er im Unterricht folgen und sich konzentrieren kann. Das Lesen beispielsweise, das könnte noch ein bisschen besser gehen. Aber um „wach“ sein zu können, muss auch und gerade ein Sechsjähriger erst einmal ausgeschlafen sein, im wahrsten Sinne des Wortes.

Tanja B. hat sogar schon einmal die Polizei angerufen. „Da war es nicht mehr zu ertragen“, erinnert sie sich. Da wurde unten in der Wohnung nur noch herumgetrampelt. „Manchmal schreien die sich so laut an, als seien die schwerhörig“, nennt Frank T. ein weiteres Beispiel.

„Die sollen ihren Besuch haben“, erklärt sie weiter, „aber wir schreien doch auch nicht.“ Es komme vor, dass sie oben mit dem Fuß laut auftreten, „damit die da unten merken, dass sie uns stören“. „Ich wohne jetzt fast 27 Jahre hier“, sagt Mira K., „aber solche Nachbarn hatten wir bisher noch nie. Die sprechen nicht laut – die schreien.“

Dass sie auch spätabends einfach die Wohnungstür offen stehen lassen, dass sie ständig und auch zu später Stunde – bis tief in die Nacht – Besuch haben, dass ständig mindestens ein paar Menschen aus einer offensichtlichen Großfamilie zu Gast ist, dass sich die Menschen ständig miteinander streiten, werfen beide Mietparteien den Nachbarn im Erdgeschoss weiter vor.

Die Familie unten bewohnt zwei Wohnungen. „100 Mal am Tag rennen die Kinder vom einen Ende zum anderen“, schildern Tanja B. und Mira K. „Die Vorschriften sind doch für alle da“, bringt Frank T. ins Spiel, dass andere Mietparteien aufeinander Rücksicht nehmen.

„Ich darf über den Einzelfall natürlich nicht reden“, sagt Uwe Manthei im Gespräch mit dem RGA. Der Abteilungsleiter Vermietung bei der Remscheider Wohnungsaktiengesellschaft sieht aber immer dann Ansatzpunkte für Sanktionsmaßnahmen, wenn es sich nicht um Einzelaussagen handelt.

„Lärmstörungen rechtlich am einfachsten – aber praktisch gar nicht lösbar.“
Andreas Plewe, Mieterbund

Die Sanktionen könnten dann leider auch mal zu Abmahnungen führen. „Und wenn das immer noch nichts bringt, schalten wir einen Anwalt ein“, beschreibt Manthei das an sich ungeliebte Verfahren.

Aber die Gewag müsse sich natürlich bemühen, „wieder Ruhe in die Sache zu bekommen“ – schon aus dem Eigeninteresse heraus, dass das Image keinen Schaden nehme.

Der Jurist Andreas Plewe vom Mieterverein Remscheid – Wermelskirchen weiß, wovon er redet in Bezug auf Lärmbelästigungen. Das ist einerseits tägliches Brot bei Mietstreitigkeiten, das ist andererseits bei gerichtlichen Auseinandersetzungen eine komplexe Angelegenheit.

„Lärmstörungen sind rechtlich am einfachsten, aber praktisch nicht lösbar“, sagt Plewe. Was er auch erklärt: Es gehe für das Gericht um die Beweislastproblematik; ganz problematisch sei das bei Feiern.

Wer sich gestört fühle, beschwere sich über nächtlichen Lärm bei der jüngsten Feier. Und die gefeiert haben, reagieren mit Empörung: „Wir? Wir haben doch nicht gefeiert. Wir waren bei Tante Elisabeth!“ Wofür es mindestens ein Dutzend Zeugen gebe. . .

Und diese Auseinandersetzungen seien obendrein undankbar – auch und gerade für den Vermieter. Denn viele Mieter kämen („Wir halten das nicht mehr aus“) mit der Erwartung, dass der Vermieter quasi „einen Hebel umlegen könnte“, wenn er sich einschaltet.

Der Vermieter weiß aber im Zweifelsfall nicht, wer recht hat. Plewe empfiehlt nicht nur Zeugen, sondern auch möglichst penible Lärmprotokolle. Die von Tanja B. sind schon fast daumendick, wenn sie alle Blätter aufeinander legt.

DIE RECHTSLAGE

QUINTESSENZ Wer sich gestört fühlt, muss – hieb- und stichfest – das Ausmaß der Wohnwertbeeinträchtigung nachweisen und im Idealfall beziffern können. Kann er das, steht ihm ein Minderungsrecht zu. „Kann ich in meiner Wohnung nicht schlafen, ist das mangelhaft“, nennt Plewe ein Beispiel – letztlich auch dafür, wie undankbar das gerade für die Vermieter ist.

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