Taxifahrer freuen sich

160 streikende Busfahrer sorgen für Stau in Remscheid

Zwischen Lennep und Remscheid ging es nur langsam voran. Die Autos stauten sich bis zur Trecknase zurück.
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Zwischen Lennep und Remscheid ging es nur langsam voran. Die Autos stauten sich bis zur Trecknase zurück.

Verdi ist zufrieden mit dem zweiten Warnstreik – Schulen zeigen sich wenig beeindruckt.

Von Axel Richter

Remscheid. Der Friedrich-Ebert-Platz lag leer und verlassen. Auf den Straßen kam der Verkehr am Donnerstag dagegen vielerorts ins Stocken. Der Streik der Busfahrer hatte zahlreiche Remscheider aufs Auto umsteigen lassen. Vor allem im Berufsverkehr und zu Schulbeginn ging es auf den Straßen deshalb nur langsam voran.

Die Gewerkschaft Verdi, die in der aktuellen Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst zu dem Warnstreik aufgerufen hatte, zeigte sich erneut zufrieden mit der Streikbereitschaft der Kollegen in Remscheid.

Auf dem Friedrich-Ebert-Platz drehte sich kein Rad. Technische Probleme waren dafür aber nicht die Ursache.

Wie schon beim ersten Warnstreik am 29. September erschienen annähernd 160 Busfahrer am Morgen zwar zum Dienst, trugen sich aber nur in bereitliegende Listen ein, um ihr Streikgeld zu bekommen.

Die 74 Busse, die ab 4 Uhr früh normalerweise auf den Straßen unterwegs sind, blieben deshalb im Depot stehen, und die Fahrer gingen wieder nach Hause.

Auf Kundgebungen verzichtet Verdi im Corona-Hotspot Remscheid. Auf Streikmaßnahmen nicht. „Den Kollegen ist das Thema zu wichtig“, erklärt auf RGA-Nachfrage Gewerkschaftssekretärin Anja Schlosser, die bei Verdi für die Busfahrerstreiks in Remscheid, Solingen, Wuppertal und Leverkusen zuständig ist. „Alle haben mitgemacht, es gibt keine Streikbrecher.“

Im Tarifstreit mit den Städten und Kreisen fordert Verdi 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Bei den Busfahrern gehe es zusätzlich um gleiche Arbeitsbedingungen, sagt Anja Schlosser. „Wir haben heute 16 verschiedene Tarife im Nahverkehr, das heißt, in Nordrhein-Westfalen gelten andere Urlaubsansprüche, Arbeitszeiten und Zulagen als in anderen Bundesländern.“ Das müsse sich dringend ändern.

„Der Streik ist keine Entschuldigung fürs Fehlen in der Schule.“ 

Dr. Thomas Giebisch, Leibniz-Gymnasium

An den Schulen erzeugte der Ausstand der Busfahrer am Donnerstag nur bedingt für Druck. Eltern und Schüler hätten sich frühzeitig darauf eingestellt, heißt es bei der Sophie-Scholl-Gesamtschule und dem Leibniz-Gymnasium in Lüttringhausen.

Ausstand der Busfahrer erzeugt an den Schulen nur bedingt Druck

Die Gesamtschule zählt viele Kinder aus Radevormwald und Wermelskirchen, die mit dem Bus zur Schule kommen. „Für die ist das natürlich echt schwierig“, sagt Olaf Noll, der Schulleiter Michael Pötters vertritt. Dennoch fehlten am Donnerstag die wenigsten von ihnen im Unterricht. Die Eltern wussten sich zu helfen und bildeten zum Beispiel Fahrgemeinschaften, um ihre Kinder in der Schule abzuliefern. Auch am Leibniz, das von vielen Kindern aus Ronsdorf besucht wird, blieb das Chaos aufgrund von Elterntaxis aus. Schulleiter Dr. Thomas Giebisch hatte seine Schulgemeinde früh vorbereitet und zugleich für klare Verhältnisse gesorgt: „Der Busfahrerstreik ist keine Entschuldigung fürs Fehlen im Unterricht oder beim Schreiben einer Klassenarbeit.“ Seinen Schülerinnen und Schülern mutet er auch „einen kleinen Fußmarsch“ zu. Und zwar auch, wenn sie aus Ronsdorf kommen. „Dann muss man eben statt um halb sieben schon um sechs aufstehen.“

Sorgt auch das für Ungemach, so gab es am Donnerstag auch einige, die sich über den Ausstand der Busfahrer freuen konnten. Die Taxifahrer zählten so einige Bestellungen mehr als an normalen Tagen. „Wir hatten alle unsere 36 Taxen im Einsatz“, berichtet Armin Schötz, Chef der Remscheider Funktaxi-Vereinigung. Allerdings bekamen die Taxifahrer auch die Folgen auf den Straßen zu spüren. „Am Morgen waren die Kollegen zwischen Lennep und Remscheid eine halbe Stunde unterwegs“, berichtete Schötz. Auf der B 229 staute sich der Verkehr zwischenzeitlich bis zur Trecknase.

Tarifkonflikt

Laut Verdi nahmen am Donnerstag landesweit 13 000 Beschäftigte im Öffentlichen Personennahverkehr an dem Warnstreik teil. Die kommunalen Arbeitgeber weisen die Forderungen zurück. 4,8 Prozent mehr Lohn würde die leeren Stadtkassen mit 5,7 Milliarden Euro zusätzlich belasten.

Am Freitag läuft der Verkehr wieder normal. Die Busse sind ab 4 Uhr unterwegs.

Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern müssen sich ab Donnerstag auf Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Mit Warnstreiks will der Verdi-Bundesverband bundesweite Verhandlungen über einen einheitlichen Tarifvertrag für die rund 87.000 Beschäftigten im ÖPNV durchsetzen.

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