Teenies fehlen Treffpunkte in der Pandemie

Streetworker: Jugendliche halten sich an Regeln

Amelie Sophie Preyss...
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Amelie Sophie Preyss...

Zielgruppe ist laut Sozialdezernent Thomas Neuhaus aktuell kein Infektionstreiber.

Von Melissa Wienzek

... und Marcel Gratza sind die Streetworker Remscheids. Sie sind für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 da.

Remscheider Kinder und Jugendliche sind aktuell offenbar nicht so stark von einer Infektion mit Sars-CoV-2 betroffen. Das sagt Sozialdezernent Thomas Neuhaus und verweist auf aktuelle Zahlen. Stand gestern waren von den 572 positiv Getesteten 21 infizierte Kinder im Alter von 1 bis 5 und 101 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren. Und betont: „Unsere Streetworker haben mit Sicherheit dazu beigetragen, dass die Jugendlichen sensibler sind für das Thema.“

„Wir sind die Außendienstler des Hilfesystems.“

Marcel Gratza, Streetworker

Denn Amelie Sophie Preyss und Marcel Gratza, die beiden Remscheider Streetworker, suchen junge Leute bis 27 an beliebten Punkten wie dem Stadtpark, der Halle West oder dem Allee-Center auf und machen sie im Gespräch aktuell auch auf die Corona-Regeln aufmerksam. „Unsere Erfahrung ist: Die Jugendlichen, die wir treffen, halten sich an Maskenpflicht und Abstände und sind sehr vorsichtig“, sagt Preyss. Die meisten von ihnen auch an die Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr, heißt es vom Ordnungsamtschef.

Partys im öffentlichen Raum haben Amelie Sophie Preyss und Marcel Gratza bei ihren Touren durch die Stadt auch keine entdecken können. „Wir sind glücklich, dass die Ansprache an dieser Stelle durch unsere Streetworker gelingt. Denn wir möchten den Jugendlichen signalisieren: Wir sind auch in dieser Phase der Coronapandemie für sie da“, sagt Egbert Willecke, Fachdienstleiter Jugend.

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und einem hohen Inzidenzwert sind Streetwork und Beratung kniffelig – aber umso notwendiger. Gerade in Notsituationen. Denn diese werfen einen jungen Menschen schon mal schnell aus der Bahn. Zum Beispiel, wenn ein wichtiger Brief ins Haus flattert. Dann helfen die Streetworker mit einer Kopie oder verschicken eine Antwort. Zu Coronazeiten wurden dabei kreative Wege gefunden: Der Jugendliche legte sein Schreiben mit einem Stein kontaktlos vor die Tür und konnte seine Kopie auf demselben Weg wieder abholen.

In den Osterferien verteilten die Streetworker zudem kleine Bauchtaschen aus recycelten PET-Flaschen an Jugendliche. Ihr Inhalt: Desinfektionsmittel, Maskenbox, Seifenplättchen to go, Infomaterial, kleine Zeitvertreiber wie Jojos oder Pflanztöpfchen sowie Postkarten mit witzigen Memes und den Kontaktdaten der beiden. 70 von 250 wurden bereits verteilt, gefördert von der Lothar und Ulrike Kaiser Stiftung. „Bei der Verteilung ist uns aufgefallen, dass den Jugendlichen Räume fehlen. Kinder können auf den Spielplatz gehen, aber Bolzplätze und offene Türen für Jugendliche sind zu“, berichtet Gratza. Die Jugendlichen hätten ihnen aber gespiegelt: Wir haben uns mit Corona arrangiert und halten uns an die Regeln. „Wir haben eher Erwachsene auf den Spielplätzen beobachtet, die sich nicht an die Vorgaben halten“, sagt Gratza.

Die beiden Streetworker wollen bewusst nicht sanktionieren – sondern mit den jungen Leuten im öffentlichen Raum ins Gespräch kommen und herausfinden: Wo drückt der Schuh? Wie fühlt ihr euch gerade? Und was braucht ihr? „Da beginnt unsere Beziehungsarbeit“, betont Gratza. Und das ohne Uniform, sondern mit Angeboten für die Freizeitgestaltung im Gepäck. Denn die ist gerade in Pandemiezeiten ein großes Thema. Die Teilnahme an Angeboten ist freiwillig, die Jugendlichen werden bewusst beteiligt.

So auch die beiden Remscheider Anfang 20, die die beiden Streetworker am Allee-Center trafen. Im Gespräch stellte sich heraus: Die beiden haben das Gärtnern für sich entdeckt. Also organisierten die Streetworker einen 500 Quadratmeter großen Schrebergarten am Kremenholl für die beiden. „Sie stecken viel Zeit und Energie dort rein. Sie sind nun Teil der Gemeinschaft – das fördert einen gesunden Beziehungsaufbau“, erklärt Preyss. Denn gerade das sei oft das Problem bei vielen Jugendlichen, die sie beraten.

100 solcher Beratungen sind es bereits jetzt bis Mitte April. Der Bedarf ist groß. Vergangenes Jahr waren die Streetworker 250 Mal im Einsatz, auch mit dem Agot-Mobil. 150 Personen wurden bei den kreativen Angeboten im öffentlichen Raum erreicht. „Wir sind die Außendienstler des Hilfesystems“, nennt Gratza seinen Job, der für ihn mehr als nur ein Beruf ist.

Kontakt

Freizeit: Die Streetworker betreuen auch die Parkour-Anlage am Hauptbahnhof, die BMX-Strecke im Holz oder die Funbox für Skater.

Kontakt: Marcel Gratza: Tel. 16 24 16; marcel.gratza@remscheid.de Amelie Sophie Preyss: Tel. 16 31 65; ameliesophie.preyss@ remscheid.de

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