Aktion

Streetdancer tanzen neben Kinderstühlchen

Bachata, Salsa oder auch orientalische Tänze: Die Streetdancer um Nuri kommen, um Spaß zu haben. Viele bringen etwas zu Essen mit. Jetzt trainieren sie im Familiencafé Beethovenstraße 1.
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Bachata, Salsa oder auch orientalische Tänze: Die Streetdancer um Nuri kommen, um Spaß zu haben. Viele bringen etwas zu Essen mit. Jetzt trainieren sie im Familiencafé Beethovenstraße 1.
  • Melissa Wienzek
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Offene Gruppe um Lehrer Nuri trifft sich im Familiencafé.

Von Melissa Wienzek

Die Kinderstühlchen lehnen wie bei Tetris ineinandergesteckt an der Wand und statt der Schaukel tanzt nun das Discolicht über die Decke: Abends, wenn es dunkel wird, verwandelt sich das Familiencafé Kamelinchen an der Beethovenstraße/Ecke Hindenburgstraße in einen Szenetreff. Denn die Streetdancer um Tanzlehrer Nuri, die sich im Sommer zweimal die Woche im Stadtpark treffen, haben bei Denise Wendland ein neues Winterquartier gefunden. Donnerstags ab 18 Uhr ist hier Spaß auf zwei Füßen angesagt: Bachata, Salsa, Flamenco oder das, was die Leute wollen, wird hier getanzt. Nuri macht vor, die Gruppe macht nach – aber ohne Leistungsdruck, sondern auch gern im Freestyle. „Ich sage immer: Man muss die Musik fühlen“, sagt Nuri in Stirnband, Jeansweste und schwerer Kette. Eigentlich ist er ein Rock‘n’Roller und liebt Elvis.

Das Tanzen hat er sich größtenteils selbst angeeignet, hat aber auch viele Workshops besucht, kennt viele aus der Szene. Der Remscheider, der mit fünf Jahren aus Istanbul ins Bergische kam, lebt für den Tanz. „Ich tanze seit meiner Geburt“, sagt er lachend. Für ihn ist es kein Hobby, es ist sein Leben. „Hierüber habe ich sogar den Tod meines Vaters verarbeiten können.“ Und eine Lebensaufgabe. Denn Nuri möchte Menschen zusammenbringen.

Das gelingt ihm seit bereits drei Jahren im Stadtpark. Auch Kinder machen mit. Oder Rentner. Alter egal, Vorwissen egal, Hauptsache Spaß. „Ich möchte die Potenziale wecken“, sagt Nuri. „Wir können voneinander lernen – und ich lerne genauso immer weiter.“ So kam auch Nilgün Okyay dazu. Eines Tages, als sie durch den Stadtpark ging, blieb sie staunend stehen, als die Streetdancer loslegten. „Hier wird nicht geguckt, sondern mitgemacht“, hat Nuri gesagt – und Nilgün machte mit. Und blieb. „Es macht mir einfach Spaß.“

Die digitale Gruppe hat mittlerweile 195 Mitglieder

Im Laufe des Abends kommen immer mehr Menschen hinzu, um bei den Streetdancern im Familiencafé mitzutanzen, je nachdem, wann sie Feierabend haben. Abschalten bei Discolicht und heißen Rhythmen: So manch einer schlafe danach viel besser, sagt Nuri. Die eine kommt in Jeans und hohen Schuhen, der andere in Trainingshose und T-Shirt. Hier gibt es keine starren Regeln, nur eine: Spaß haben. Viele bringen auch etwas zu Essen mit. Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, ruft Nuri: „Hey, schön, dass du da bist!“ Besonders freut er sich über Alfredo, der sogar aus Gevelsberg kommt. Warum nur? „Wegen der hübschen Mädchen in Remscheid“, scherzt er. Es sind tatsächlich ein paar Männer dabei, aber wie so oft gibt es Frauenüberschuss. „Ich brauche Männer“, sagt Nuri.

Jetzt führt Nuri mit Lili Velten aus Lennep ein paar Figuren vor. „Mit nur wenigen Figuren kann man schon Spaß haben“, sagt er und schmeißt die lateinamerikanischen Lieder an, dass die Passanten auf dem Bürgersteig stehen bleiben. „Irgendwann ist es wie Autofahren. Es geht ins Blut über“, sagt Nuri, während er Lili dreht und wieder dreht, und alle staunen, wie sie engelsgleich über das Parkett des Familiencafés wirbelt. Das möchten sie auch können.

Mittlerweile sind Freundschaften entstanden. Die Streetdancer treffen sich nicht nur donnerstags von 18 bis 22 Uhr zum Tanzen im Familiencafé, sondern fahren auch gemeinsam zu anderen Treffen. Die digitale Gruppe hat mittlerweile stolze 195 Mitglieder.

Nächste Aktionen im Café Sonntag

3. November: Die Streetdancer tanzen wieder von 18 bis etwa 21 oder 22 Uhr. Neue Tänzer sind willkommen. Eintritt frei.

5. November: Backen für Jung und Alt von 10 bis 12.30 Uhr. Torten, Plätzchen, Cookies und Kuchen werden gebacken.

10. November: Das Café öffnet von 16.30 bis 17.30 Uhr für Kinder, die Laterne singen. Für sie gibt es einen Kakao und eine Süßigkeit.

2. Dezember: ErstmalsMusik im Café. Das Duo Weber & Heinsch tritt ab 19 Uhr live auf. Dazu gibt es verschiedene Antipasti.

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