Prioritätenliste

Straßensubstanz wird ständig schlechter

Ist für die Straßenunterhaltung zuständig: Ralf Heinrichs, Bereichsleiter bei den TBR,arbeitet nach einer Prioritätenliste. Foto: Doro Siewert
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Ist für die Straßenunterhaltung zuständig: Ralf Heinrichs, Bereichsleiter bei den TBR, arbeitet nach einer Prioritätenliste.

Bei den Technischen Betrieben sorgt Ralf Heinrichs dafür, dass jedem Schaden nachgegangen wird.

Von Andreas Weber

Der Asphalt vor der Haus-Nr. 63 in der Lenneper Straße ist mit Flicken und kleinen Löchern übersät. Direkt vor dem Eingang zu seinem Arbeitgeber, den Technischen Betrieben Remscheid (TBR), bleibt der fachmännische Blick von Ralf Heinrichs an der unebenen Oberfläche hängen. „Das ist die Geschichte mit dem Schuster und seinen Leisten“, meint der Bereichsleiter Straßenunterhaltung lachend.

Manche Reparaturen müssen warten. Alles geht nicht. Und schon gar nicht sofort. Sein Job besteht aus Prioritätensetzung und Geduld. 400 Kilometer laufende Straßen ziehen sich durch Remscheid. Ralf Heinrichs und seine Mitarbeiter werfen ein tägliches Auge auf deren Zustand.

Ständig dokumentieren Straßenbegeher Mängel. Vom lädierten Bordstein, über lose Gehwegplatten, schiefen Straßenschildern, Absackungen und Netzrissen bis zum Schlagloch. Je nach Wichtigkeit sind die Straßen in vier Kategorien eingeteilt. Zwischen einmal wöchentlich (wie die Alleestraße) bis alle acht Wochen (wie die Balkantrasse) stehen sie auf der TBR-Checkliste.

10.300 Schäden wurden 2014 durch die Begeher gemeldet und „weitestgehend punktuell beseitigt“, wie im Mai in einer Vorlage für die politischen Gremien zu lesen stand. Kleinigkeiten bleiben bei dieser Auflistung außen vor. „Wenn wir die auch aufnehmen, würde das den Rahmen sprengen.“ Drei Straßenmeistereien mit je drei Kolonnen in Remscheid teilen sich die Reparaturen auf. Die Arbeit nimmt zu. „Die Tendenz ist über die Jahre hinweg steigend“, meint Ralf Heinrichs und erinnert sich an 2005: „Da hatten wir nur 5.000 gemeldete Schäden.“

Den Grund sieht der TBR-Bereichsleiter in einem „Reparaturstau“, der über Jahre größer wurde. „Damals wurden die Dringlichkeiten so nicht erkannt und bei der Einsetzung der finanziellen Mittel andere Schwerpunkte gesetzt.“ Die ohnehin „sehr geschwächte Straßensubstanz in Remscheid hat sich trotz des relativ milden Winters 2014/15 weiter gravierend verschlechtert“, schlägt der städtische Straßenzustandsbericht Alarm. Der Umfang der Schäden liegt jenseits der von TBR-Mitarbeitern niedergeschriebenen 10.300.

Frost: Löcher in Millionenhöhe müssen gestopft werden

Auch Bürger melden sich täglich, um auf Unzulänglichkeiten hinzuweisen. „Diese Zahl wird nicht genau erfasst, aber zehn Mails am Tag laufen hier bestimmt auf. Plus die Anrufe“, meint Heinrichs. Der 45-Jährige betont: „Wir gehen jeder Meldung nach, obwohl wir nicht alles sofort abarbeiten können.“

Im Rahmen der RGA-Serie hatte sich Manfred Zenk aus Lennep beschwert. Das Schlagloch um den Gulli auf der Ringstraße in Höhe der Hentzenallee ärgert ihn kolossal. „Es ist nicht sehr tief, wird nur wöchentlich größer. Erträglich wäre es, wenn es nicht ziemlich direkt unter unserem Schlafzimmerfenster läge. Da helfen auch isolierverglaste Fenster nicht, wenn leere oder leicht beladene Lkw durchbrettern und die losen Teile der Aufbauten scheppern.“ Ralf Heinrichs hat den Hinweis mit in die To-Do-Liste aufgenommen.

INVESTITIONEN 

BUDGET Ralf Heinrichs verwaltet ein Budget von 620.000 Euro jährlich. Um vielfach größere Beträge geht es im Investitionsprogramm, über das momentan die Baisieper Straße von grundauf erneuert wird. Auf 12,01 Millionen Euro belaufen sich die Investitionen für marode Straßen, bei denen die Stadt Baulastträger ist. Weil das Geld fehlt, werden teure Sanierungen oft geschoben.

Millionen verschlingen zudem die Frostschäden. Wenn der Frühling naht, schmilzt das Wasser, Hohlräume entstehen und der Asphalt bricht unter dem Druck der Fahrzeuglasten ein. Serienweise müssen Löcher in Millionenhöhe gestopft werden. „2014 war relativ human“, erinnert sich Heinrichs: „Da waren es nur 1.200 Schäden.“ Im Rahmen des Winterdienstes werden diese provisorisch gekittet mit Kaltmischgut, das auch bei niedrigen Temperaturen verarbeitet werden kann. Im Sommer wird dann, so es die Finanzen erlauben, Heißasphalt aufgetragen.

Ralf Heinrichs schätzt seinen Job, weil er nie monoton ist, viel mit neuen Herausforderungen zu tun hat, aber er weiß auch, wie undankbar seine Tätigkeit sein kann: „Sie hat viel mit Abwägen und Vertrösten zu tun.“

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