Meine erste Platte

Sting-Radiokonzert berührte sie

„They dance alone“ auf dem Sting-Album „Nothing like the sun“ lässt Katrin Volk bis heute nicht los: „Ich bedauere sehr, dass ich nie die Gelegenheit hatte, Sting live zu sehen.“ Foto: Roland Keusch
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„They dance alone“ auf dem Sting-Album „Nothing like the sun“ lässt Katrin Volk bis heute nicht los: „Ich bedauere sehr, dass ich nie die Gelegenheit hatte, Sting live zu sehen.“

1987 gab es in der DDR noch keine CDs – Katrin Volk kaufte sich Album erst später.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die erste musikalische Liebe in Katrin Volks Leben war die klassische Musik. „In der Schule hatte ich eine tolle Lehrerin, die mich daran herangeführt hat“, berichtet sie und nennt als Musik, die sie besonders berührt hat, Max Bruchs Violinkonzerte, Mozarts Klarinettenkonzert und Musik von Telemann und Heinrich Schütz. „Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen, und dort wurde diese Musik sehr gepflegt, meistens in kleineren Konzerten gespielt. Und Johann Sebastian Bach natürlich. Denn Eisenach, Bachs Geburtsstadt, ist nicht allzuweit von meinem Geburtsort Zella-Mehlis entfernt.“

Aber auch später komponierte Musik kann sie packen: Sie nennt ausdrücklich Modest Mussorksky (Bilder einer Ausstellung) und Arnold Schönberg. Im späteren Verlauf unseres Gesprächs erwähnt sie, dass sie auch den avantgardistischen Kompositionen eines Karlheinz Stockhausen mit Gewinn zuhören kann. „Vielleicht“, sagt sie, „ist es ein Vorteil, wenn man keine klassische Ausbildung hat.“

„Wie wir heute leider sehen müssen, ist die Geschichte vom menschlichen Leid noch immer aktuell.“

Katrin Volk über „They dance alone“ von Sting

Aber die Geschichte ihrer ersten Platte hat nichts mit dieser Art von Musik zu tun. „Es war 1987“, erzählt Katrin Volk, „und in der damaligen DDR gab es noch keine CDs. Ich studierte in Leipzig und hörte mit den drei jungen Frauen, mit denen ich eine Wohnung teilte, im Radio das Konzert zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela. Und da spielte auch Sting mit seiner hochkarätigen Band.“ Das Stück „They dance alone“ habe sie sofort berührt. „Die Geschichte der allein tanzenden chilenischen Frauen, mit Bildern ihrer unter dem Pinochet-Regime verschwundenen Männer im Arm, ist stark und wirkt nach. In dieser Zeit gab es in Chile viel menschliches Leid.“ Und dies habe Sting in Musik gegossen, fügt Katrin Volk aus. „Wie wir heute leider sehen müssen, ist die Geschichte vom menschlichen Leid noch immer aktuell.“ 35 Jahre nach dem Erscheinen von „They dance alone“ auf Stings CD „Nothing like the sun“, die sie später gekauft hat.

Sie erzählt weiter, dass sie in späteren Jahren eine Musikreportage auf Arte sah, worin der Musiker Bob Geldof über Stings Musik plauderte. „Ich war sehr beglückt zu erfahren, dass es anderen Menschen auch so geht, dass auch andere Menschen Musik so empfinden wie ich. Ich bedaure sehr, dass ich nie die Gelegenheit hatte, Sting live zu sehen.“ Und jetzt werde es auch immer schwieriger, „denn auch Sting wird nicht jünger und nicht mehr so oft touren.“

Aber andere große Kaliber hat sie im Konzert erlebt, wenn auch in Gänze klassische Musiker. „Orffs ‚Carmina Burana’ im Leipziger Gewandhaus zu erleben war schon sehr beeindruckend“, schildert Volk. „Desgleichen das Orchester der Nationen unter Justus Frantz.“

Bis hierhin haben wir über sensible, oft über melancholische Musik gesprochen. Ich vermute, dass harter Rock nichts für sie ist. Sie lacht. „Nein, das stimmt nicht“, sagt sie bestimmt, „ich erinnere mich, dass ich auch schon zu AC/DC getanzt habe.“ Jazz findet sie toll („Miles Davis ist doch großartig.“), manchen deutschen Rap mag sie besonders („Marteria und Apache 207“.) Nichts anfangen kann sie mit deutschem Schlager, in dessen Texten die sogenannte heile Welt transportiert wird.

Nach wie vor hört sie viel Radio, zuweilen ganze klassische Konzerte. Dabei hat sie auch das Projekt der italienischen Mezzosopranistin Cecilia Bartoli entdeckt, die die Musik des nahezu unbekannten Agostino Steffani der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat. „Das ist großartige Musik“, sagt sie und wünscht dem barocken Komponisten mehr Zuhörer.

Zur Person

Katrin Volk wurde 1967 in Zella-Mehlis geboren und lebt seit 2013 in Remscheid. Hier ist sie Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im evangelischen Kirchenkreis Lennep. „Musik, die ich mag“, so schildert sie, „ist pure Emotion. Sie kann mich zum Lachen oder Weinen bringen. Das ist Humor und Melancholie. Alles, was hymnisch klingt, ist mir verdächtig. Der intime Klang sagt mir viel mehr.“

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