Coronavirus

Steuerberater: „Die Krise kommt on top dazu“

Thomas Strycker ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – und hat wegen des Virus derzeit alle Hände voll zu tun. Foto: Ulrik Eichentopf
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Thomas Strycker ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer – und hat wegen des Virus derzeit alle Hände voll zu tun.

Förderkredite, veränderte Steuervorauszahlungen, Kurzarbeitergeld: Corona sorgt bei den Kanzleien für Mehrarbeit.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Über mangelnde Arbeit könnten sich die meisten Steuerberater und Wirtschaftsprüfer zurzeit auch ohne Corona nicht beschweren. Anfang des Jahres werden Steuererklärungen erstellt, dazu beginnt die Zeit der Wirtschaftsprüfungen, derweil laufen Buchhaltung und Lohnbuchhaltung weiter. Doch auch hier verändert das Virus den Arbeitsalltag. „Das normale Tagesgeschäft läuft weiter“, sagt Thomas Strycker. „Und die Krise kommt noch on top dazu.“

Strycker, einer von vier Partnern bei der Remscheider Kanzlei Kaib, Galldiks und Partner, die zudem eine Niederlassung in Hilden hat, wäre normalerweise damit ausgelastet, Jahresabschlüsse zu prüfen. Nun kümmert sich das gesamte 50-köpfige Kanzlei-Team auch um Senkungen von Steuervorauszahlungen, Liquiditätsberechnungen für Förderkredit-Anträge und die Berechnung von Kurzarbeitergeld.

Für Steuerberater bedeutet Corona jede Menge Mehrarbeit. Weil viele ihrer Mandanten viele Fragen haben. Ein KfW-Förderkredit ist zum Beispiel über die Hausbank zu beantragen, aber auch dort ohne Liquiditätsberechnung nicht zu bekommen. Und die erstellt in den meisten Fällen der Steuerberater.

„Manche unserer Mandanten traf Corona vom ersten Tag an mit voller Wucht, zum Beispiel Restaurants oder Friseure“, berichtet Strycker. Andere merkten die Auswirkungen erst jetzt, weil Aufträge verschoben werden oder sich Lieferungen verzögern. Doch betroffen sei nahezu jedes Unternehmen. Selbst zwischen dem industriell geprägten Remscheid und dem dienstleistungslastigen Hilden merke man kaum Unterschiede, so Strycker: „Kein Bereich bleibt verschont.“

Remscheid: Ein Team kümmert sich allein um das Thema Kurzarbeit

Die Kanzlei hat schnell auf die Situation reagiert. Auf das Virus, indem man die beiden Standorte strikt voneinander getrennt hat. „Es gibt keinen personellen Austausch mehr, nur noch digital“, so Strycker. Und reagiert auf die Anfragen der Mandanten mit einer Umstellung der Arbeitsweise. „Wir haben inzwischen spezielle Ansprechpartner für einzelne Themen“, erklärt Thomas Strycker. So gebe es zum Beispiel ein eigenes Team, das sich nur um das Thema Kurzarbeitergeld kümmere. „Das zu berechnen, ist kompliziert.“

Obwohl die Sorgen vieler Unternehmen ähnlich sind, seien die Lösungen höchst individuell, sagt Strycker: „Jeder Mandant ist anders.“ Pauschal einfach mal eine Senkung der Steuervorauszahlungen zu beantragen, könnte auch nach hinten losgehen. „Da kommt man unter Umständen in den Bereich der Steuerhinterziehung.“

Grundsätzlich handele es sich bei den neuen Regelungen (Strycker: „Erstaunlich, wie schnell der Gesetzgeber manchmal ist.“) um Notmaßnahmen, mit denen betroffene Betriebe unterstützt werden sollen, mahnt der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater: „Es reicht nicht aus, mal von Corona gehört zu haben.“ Da gelte es, „Maß und Mitte“ zu behalten. „Aber die meisten Mandanten verstehen das auch.“

Und es gelte, trotz der Sorge um die Gegenwart die Zukunft nicht aus dem Auge zu verlieren. Deswegen rate man den Firmen in den meisten Fällen, alles zu tun, den Mitarbeitern trotz Krise nicht zu kündigen, sagt Strycker. „Es wird auch eine Zeit nach Corona geben. Und dann fehlt den Unternehmen das Know-how der Mitarbeiter.“

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