Erinnerungskultur

So steht es um das kulturelle Gedächtnis von Remscheid

Das Löwendenkmal auf dem Theodor-Heuss-Platz zeigt nicht den Bergischen Löwen, wie viele meinen, sondern hat vielmehr eine NS-Vergangenheit. Es wird bald saniert und mit einer Infotafel versehen. Foto: Michael Schütz
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Das Löwendenkmal auf dem Theodor-Heuss-Platz zeigt nicht den Bergischen Löwen, wie viele meinen, sondern hat vielmehr eine NS-Vergangenheit. Es wird bald saniert und mit einer Infotafel versehen.

Das Rathaus hat Gutachten für die Sanierung von Denkmälern eingeholt – Der „Löwe“ wird bald für 90.000 Euro instandgesetzt.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Sie erfahren nicht die Wertschätzung, die sie eigentlich verdient hätten: die Denkmäler im Stadtgebiet. Dieser Ansicht ist der Kulturausschuss-Vorsitzende Karl Heinz Humpert (CDU). „Sie sind das kulturelle Gedächtnis unserer Stadt“, hat der Kulturpolitiker immer wieder betont. Vor allem die historische Einordnung sei wichtig, gerade für die jungen Bürger. Einige Mahnmale seien verschandelt, schmutzig, in die Jahre gekommen. Nun hat die Verwaltung Gutachten für die vier „schlimmsten Fälle“ eingeholt. Das ist das Ergebnis:

Ehrenhain Reinshagen: Das Denkmal hat mit 1,1 Millionen Euro den höchsten Sanierungsstau. Die Stadt kann es aus eigenen Mitteln jedoch nicht instandsetzen lassen. Daher bemüht sie sich nun um eine Förderung aus dem Sonderprogramm „Denkmalschutz“ der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt. Zudem hat die Stadt bereits das Gespräch mit der Bezirksregierung Düsseldorf gesucht, ob die erforderlichen Eigenmittel in die künftige Investitionsplanung aufgenommen werden könnten. Bereits jetzt gibt es Ideen für den Ehrenhain: Im Zuge der Sanierung soll das 1925 errichtete Denkmal ein schmiedeeisernes Tor erhalten. So soll vermieden werden, dass Randalierer nachts ihr Unwesen im Mauer-Rundling treiben. Die Stadt strebt die Fertigstellung der Sanierung für 2025 an – dann feiert das Reinshagener Denkmal 100-jähriges Bestehen. Im Zuge der Sanierung soll es eine historische Einordnung bekommen.

Remscheid: Mahnmale seien verschandelt und schmutzig

Denkmal für die Opfer des Kapp-Putsches von 1920: Das Monument im Stadtpark ist bereits gereinigt worden. Der Vorteil: Es besteht aus Basaltstein und ist damit viel resistenter gegen äußere Einflüsse.

Denkmal für die Gefallenen der Einigungskriege: Für das ebenfalls im Stadtpark gelegene Monument liegt der Stadt nun ein Gutachten vor. Sanierungsaufwand: rund 27 000 Euro. Denn das Denkmal soll nicht nur einen Graffitischutz erhalten, sondern auch einen Zaun, wie es bereits beim Adolf-Clarenbach-Denkmal in Lüttringhausen gehandhabt wurde. Aber: Auch für diese Erinnerungsstätte ist kein Geld da. Mittel stehen im Doppelhaushalt 2019/2020 nicht zur Verfügung. Sie sollen im neuen Haushalt eingeplant werden.

Löwendenkmal: Das vieldiskutierte Löwendenkmal auf dem Theodor-Heuss-Platz weist laut Gutachten einen Sanierungsaufwand in Höhe von 90 000 Euro auf. Bald schon soll es instandgesetzt werden. Was den Kulturpolitikern hierbei besonders wichtig war: Das Löwendenkmal erhält eine Mahntafel samt QR-Code. Diesen kann jeder mit seinem Smartphone auslesen und so Informationen über das Denkmal erhalten. Denn es handelt sich hierbei keineswegs um den Bergischen Löwen, wie einige meinen, sondern vielmehr hat die hohe Säule mit Tier an der Spitze eine NS-Vergangenheit. „Die Geschichte des Löwendenkmals beginnt am 1. Mai 1939. Es wurde dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches, Adolf Hitler, gewidmet“, hatte Fritz Beinersdorf (Linke) bereits 2019 recherchiert, als sich der Ausschuss mit dem Thema befasste. Als am 8. Mai 1945 das „tausendjährige Reich“ zerbrach, sei die in Stein gehauene Widmung am Löwendenkmal entfernt worden. 1966, als der Rathausplatz in Theodor-Heuss-Platz umbenannt wurde, habe das Denkmal die neue Inschrift „Bergischer Löwe, Wappentier des Bergischen Landes seit 1225“ erhalten.

Denkmäler

Laut Denkmalschutzgesetz NRW sind nicht nur Kunstwerke als Denkmal anzusehen, sondern auch Objekte mit regionaler oder lokaler Bedeutung. Ein Denkmal muss daher weder alt noch schön sein. Die Untere Denkmalbehörde führt eine Denkmalliste. Hier sind 61 Bau- und 52 Bodendenkmäler in Remscheid erfasst. Zudem gibt es Gedenktafeln, Grabanlagen und Kunstwerke, die nicht in der Liste erfasst sind, aber zum kulturellen Gedächtnis der Stadt zählen.

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