Bauarbeiten ab Montag

Statiker prüfen Risse unter dem Löwen

Seit 1939 steht der Löwe vor dem Rathaus. Nach der Sanierung will die Stadt auch auf seine Geschichte hinweisen.
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Die Sanierung des Löwendenkmals ist überfällig. Auch muss noch geklärt werden, wie tragfähig die Decke der darunterliegenden Tiefgarage ist.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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In die Tiefgarage am Rathaus dringt an drei Stellen Wasser ein.

Remscheid. 60 Jahre alt ist der älteste Teil der Tiefgarage am Rathaus, der „neue“ Teil kommt auf 40 Jahre. Nun dringt Wasser durch die Decke, und das nicht nur tröpfchenweise. Wie groß der Schaden ist, ob es bei Ausbesserungen bleibt oder auf dem Rathausplatz eine größere Baustelle zu erwarten ist, sollen Probegrabungen ergeben, die in der kommenden Woche beginnen. Dazu rücken Statiker an. Sie werden am Ende darüber entscheiden, ob und was vorläufig noch auf dem Theodor-Heuss-Platz stattfinden kann.

Zu spüren bekommt die Schaden zu seinen Füßen bislang nur der Löwe. Wie berichtet, soll er ein neues Fell bekommen. Die Sanierung des Standbildes aus grauem Muschelkalk sollte eigentlich bereits seit dem 13. Juli laufen. Doch mit Blick auf die Risse in der unter ihm liegenden Garagendecke hat die Stadt den Beginn verschoben.

90 000 Euro soll die Erneuerung des Löwen kosten, allerdings beruht diese Schätzung auf Berechnungen, die bereits vier Jahre alt sind.

2018 diagnostizierte ein Gutachter „größere Verwitterungsschäden, starke Vermosung und Pflanzenbewuchs sowie großflächige Graffiti-Aufträge im Sockelbereich“. Ein Restaurator befand außerdem: „Alle Fugen sind zu erneuern, an einigen Stellen müssen komplette Steine ersetzt werden.“

Heute wächst dem Löwen nicht mehr nur das Moos aus dem Fell, sondern auch schon ein Bäumchen aus dem Sockel. Thomas Judt, Chef des städtischen Gebäudemanagements, drückt auch deshalb aufs Tempo: „Wir hoffen darauf, dass wir Ende August, Anfang September mit der Sanierung beginnen können.“ Und zwar unabhängig davon, was bei der Prüfung der Tiefgaragendecke herauskommt und ob der Platz womöglich zur Großbaustelle wird.

Löwe auf dem Rathausplatz soll saniert werden

Dazu plant die Stadt die Löwen-Erneuerung in Etappen. Zunächst soll das Standbild eingerüstet und der Löwe selbst aufgehübscht werden. Der untere Teil des Sockels bleibt vorläufig unbehandelt und wird erst dann erneuert, wenn feststeht, was mit der Garagendecke geschieht. „Schließlich wollen wir nicht etwas schön machen, um es nachher wieder kaputt zu machen“, sagt Judt.

Zudem haben die Politiker noch nicht darüber entschieden, wie in Zukunft auf Geschichte des Standbildes hingewiesen werden soll. Fakt ist: Der Löwe vor dem Rathaus war nie der „Bergische Löwe“. Das Standbild stammt aus der Nazizeit. Eine Informationstafel mit QR-Code soll künftig auf die wechselvolle Geschichte hinweisen.

In der Tiefgarage haben unterdessen die Statiker Einzug gehalten. In jeder Woche nehmen sie die Risse in Augenschein. Einer davon liegt direkt unterhalb des Löwen. Nun warten sie auf das Ende des Löwen-Festivals. Am Donnerstag setzt die Soul Food Company den Schlusspunkt. Am Mittwoch findet zudem der Wochenmarkt statt.

Ob der Weihnachtstreff stattfinden kann, ist unklar

Ob und was danach kommt, ist ungewiss. Wie berichtet, gilt das auch für den Weihnachtsmarkt mit Eisbahn, so die nicht ohnehin der Energiekrise zum Opfer fällt. Die Parkservice Remscheid GmbH, die die Tiefgarage betreibt, bittet derweil um Geduld.

„Am 8. August werden wir die Decke öffnen. Erst danach wissen wir, wie es weitergeht“, sagt Bereichsleiter Helmut Menz. Dazu werden die Sachverständigen an den drei Stellen, an denen das Wasser in die Tiefgarage eintritt, die Pflasterung aufheben und in die Decke schauen. Autofahrer hatten die Parkservice Remscheid GmbH auf das eindringende Wasser hingewiesen. Die Tiefgarage zählt 400 Stellplätze und wird täglich von vielen Autofahrern angesteuert.

Hintergrund

Die Risse im Beton der Decke befinden sich im älteren Teil der Tiefgarage sowie in dem Bereich, wo sie an den jüngeren Teil angrenzt. Der stammt aus den Jahren 1969 und 1970 und wurde als sogenannte Mehrzweckanlage errichtet. In Friedenszeiten dient der Betonbau als Parkgebäude. Im Kriegsfall sollte sie als Bunker genutzt werden. Ausgelegt war dieser Schutzraum für bis zu 1655 Menschen.

Standpunkt von Axel Richter: Für die Demokratie

axel.richter@rga.de

Gewidmet war er Adolf Hitler. So stand es auf dem Sockel. Nach dem Krieg verschwand die Inschrift. Und 1966 erklärten die Remscheider den Löwen kurzerhand zum Bergischen Löwen. Der war er freilich nie. Das Wappentier sieht ganz anders aus als das Tier, das die Nazis 1939 vor dem Rathaus enthüllten. Es gibt Remscheider, die würden das Standbild deshalb lieber schleifen als es für 90 000 Euro oder mehr aufzuhübschen. Die Sanierung aber ist richtig.

Der Löwe ist unserer selbstbewussten demokratischen Stadtgesellschaft nicht nur zuzumuten; er ist ihr auch förderlich. Erst recht, wenn, wie geplant, erst auf seine Herkunft verwiesen wird. Dann besteht für den Betrachter die Chance zur geschichtlichen Auseinandersetzung. Wer den öffentlichen Raum dagegen säubern will von sämtlichen historischen Zumutungen, der erreicht das Gegenteil. Er verdrängt Geschichte. Und dient am Ende nur den Antidemokraten von heute, die sich nur zu gern als Bewahrer historischen Erbes stilisieren.

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