Fröhliche Männerschar feierte 40-jähriges Bestehen

Stammtisch lässt sich in kein Korsett pressen

Sie feierten 40 Jahre Stammtisch am Schaberger Bahnhof (v. l.): Martin Kanter, Michael Sander, Klaus Peter Rurack, Axel Schmidt, Kurt Peter Friese, Claus Kind, Jürgen Ackermann, Christian Schwaiger, Gerd Paul, Heinz Georg Mahle, Martin Kemperdick, Jürgen Paul, Andreas Reinshagen, Uwe Schlessmann, Timo Bentele, Roland Winter, Achim Göbel und Horst Dehnert.
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Sie feierten 40 Jahre Stammtisch am Schaberger Bahnhof (v. l.): Martin Kanter, Michael Sander, Klaus Peter Rurack, Axel Schmidt, Kurt Peter Friese, Claus Kind, Jürgen Ackermann, Christian Schwaiger, Gerd Paul, Heinz Georg Mahle, Martin Kemperdick, Jürgen Paul, Andreas Reinshagen, Uwe Schlessmann, Timo Bentele, Roland Winter, Achim Göbel und Horst Dehnert.
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Das Erfolgsrezept lautet: Völlig ohne Zwang gesellig zusammenkommen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Seit 40 Jahren sitzen sie in gemütlichen Runden zusammen. Ihr Stammtisch ist vermutlich der dienstälteste in Remscheid. An dieser Stelle müsste jetzt ein Name fallen, doch die Gemeinschaft hat keinen. „Ist uns nie in den Sinn gekommen“, bedauert Jürgen Paul. Es passt zu der fröhlichen Männerschar, dass sie sich nie in ein Korsett pressen ließ. „Das ist unser Erfolgsgeheimnis: Bei uns gibt es keinen Zwang. Wer nicht kommt, muss sich nicht entschuldigen und ein paar Euro Strafe zahlen“, erklärt der Chef einer in Gevelsberg beheimateten Handelsfirma für Industrie- und Bürobedarf.

Die Wurzeln gehen inden Juli 1982 zurück

Jürgen Paul, Jahrgang 1957, ist wie alle anderen, die sich der Clique verbunden fühlen, Remscheider. Im Laufe der Jahrzehnte hat der Stammtisch mancher Gastronomie in seiner Heimatstadt Freude bereitet. Die Wurzeln gehen bis in den Juli 1982 zurück. Weil freitags alle Kegelbahnen ausgebucht waren, mieteten sich Joachim und Michael Sander, Bodo und Jürgen Ackermann, Roland Winter Gerd und Jürgen Paul, Heinz Georg Mahle, Achim Göbel, Frank Herbers, Hans Gehrke, Armin Dietl und Peter Oelling donnerstags eine Bahn im nagelneuen RSV-Park am Fürberg an.

Zwei Jahre später wurde die Schar der abgelegenen Lage überdrüssig und wechselte zum anderen Großverein, dem RTV in die Gaststätte in der Theodor-Körner-Straße. Die zentrale Lage in der Innenstadt passte besser, denn: „Nach dem Kegeln sind wir weitergezogen. Gerne ins Café Haus, Simplicius, Café König oder in den Ratskeller.“ Irgendwann wurde das Kegeln lästig. „Wir wollten uns auf das Wesentliche konzentrieren“, meint Jürgen Paul vielsagend.

Geschlossen wanderte der Trupp nach dem 10. Januar 1986 in die Wirtschaft Richard Becker, die Wolfgang Paffrath gerade übernommen hatte. In Ehringhausen lernte man Stammgast, Brauerei-Spross und Gastroexperte Claus Kind kennen, der seither zur Gemeinschaft gehört.

Beim Richard Becker bekam die Männerschar ein Etikett verpasst

Beim „Bü“ erhielt die stimmgewaltige Schar, die nicht unbedingt zur Erbauung des Wirtes zu fortgeschrittener Stunde Trinklieder wie „Warum ist es am Rhein so schön“ schmetterte, tatsächlich ein Etikett. „In der Wirtschaft wurden wir der ,Junge Männer Stammtisch‘ genannt, weil wir das damalige Durchschnittsalter der anderen Gäste deutlich unterschritten“, erinnert sich Jürgen Paul.

Von Ehringhausen ging es zur Ronsdorfer Straße: Nach 2003 wurde der Stammtisch in einer weiteren Kult-Gastro heimisch. Bei dem 2016 verstorbenen Peter Schmidt fühlten sich die mittlerweile honorigen Herren auch stets sehr wohl. Nach der Schließung des Lokals 2018 fanden sie in der Menninghauser Straße ein Zuhause. Bei dem griechischen Wirtepaar Ilias und Zoe Persitsas treffen sie sich seither jeden zweiten Freitag im Monat im Restaurant Helena.

Ein Zeichen des Alters: „Wir fangen immer früher an“, sagt Paul. Ansonsten gilt: Wer kütt, der kütt. „Man weiß es nie. Manchmal sind es nur fünf, manchmal 15.“ Die Stammtischbrüder nehmen dann auch schon mal eine längere Anfahrt in Kauf. Dr. Jürgen Ackermann kommt zum Beispiel aus Alpen am Niederrhein, um die Gemeinschaft regelmäßig zu pflegen. „Eine Übernachtungsmöglichkeit bietet einer von uns dann immer an“, sagt Paul. Eine Tradition hat sich auch eingebürgert: Im Dezember und an Vatertag ist der Stammtisch immer im „Schaberger Bahnhof“. Das galt auch für das 40. Bestehen der Bande. „Mit dem 9-Euro-Ticket sind wir zum Jubiläum nach Schaberg gefahren“, meint Jürgen Paul. Was sich einst aus Schulfreundschaften zwanglos ergab, hält lebenslang.

Feste feiern

Mit Bodo Ackermann und Peter Oelling sind zwei aus der Gründertruppe gestorben, aber über die Jahrzehnte sind immer wieder neue Bekannte hinzugestoßen. „Dadurch ergaben sich viele Feste, Geburtstagsfeiern Hochzeiten“, resümiert Jürgen Paul. Tagestouren, Kölschwanderungen und Wochenendtrips hat der Stammtisch ohne Namen auch im Angebot.

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