Städtische Energie durch Photovoltaik

Berufskolleg bekommt eine Solaranlage

Dirk Deutemann (Gebäudemanagement) zeigt hier die Kollektoren des neugebauten Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung. Das Dach wird noch begrünt, um die Umgebungs- und damit Betriebstemperatur zu senken. Dadurch soll mehr Strom erzeugt werden.
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Dirk Deutemann (Gebäudemanagement) zeigt hier die Kollektoren des neugebauten Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung. Das Dach wird noch begrünt, um die Umgebungs- und damit Betriebstemperatur zu senken. Dadurch soll mehr Strom erzeugt werden.

Die Stadt Remscheid setzt mit Photovoltaik auf regenerative Energien. Mehr Windkraft soll es aber nicht geben.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Die Debatte über die steigenden Preise bei Strom- und Gaszulieferung, wird auch auf städtischer Ebene seit langer Zeit geführt. Auch Remscheid möchte gerne unabhängiger werden. Bei den erneuerbaren Energien sind insbesondere Photovoltaik-Anlagen in aller Munde und auch Bestandteil des städtischen Konzeptes. Doch gäbe es da ja auch noch die Stromerzeugung durch Windräder.

Windkraft wird in Zukunft in Remscheid aber nicht ausgebaut. Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) führt an, dass die Nutzbarkeit für Remscheid als zu gering eingeschätzt werde. Man setze deswegen vielmehr auf Solarkraft. Zudem hätten Tier- und Artenschutz großen Vorrang und die ausgedehnten Waldgebiete unserer Region seien ein weiteres Problem. Man müsste höher bauen, zudem müsse auch nachgewiesen werden können, dass andere Orte nicht zur Errichtung von Windrädern geeignet seien, um für den Wald die Genehmigung zu bekommen. „Remscheid ist als Windkraftgebiet nicht berücksichtigt“, fügt Reul-Nocke außerdem hinzu. Das könnte unter anderem an den gesetzlichen Vorgaben liegen.

Das Land NRW hatte zudem im Sommer 2021 eine Mindestabstandsregel zu Wohnbebauungen für Windkraftanlagen festgelegt. 1000 Meter sollen es sein, empfohlen werden sogar 1500 Meter. Dabei gelten auch einzelne Häuser schon als Wohnbebauung. In dem so dicht besiedelten Gebiet wie Remscheid dürfte Windkraft so entsprechend nicht umsetzbar sein.

Stadt Remscheid möchte mehr Solaranlagen - doch die Auftragsbücher der Firmen sind voll

Die Stadt Remscheid setzt stattdessen schon seit einigen Jahren auf Photovoltaik-Anlagen zur Eigenversorgung, auch bei öffentlichen Gebäuden. Bei sämtlichen Neu- oder Umbauplänen würde dies auch berücksichtigt, sagt Dirk Schöneborn, Leiter der Abteilung Planen, Bauen, Energie und Umwelt. „Derzeit arbeiten wir an dem Ausbau der vier Gymnasien in Remscheid und dem Neubau der Hauptschule Hackenberg“, sagt er. Für die Bestandsbauten sei man ebenfalls in Planung. „Diese müssen zunächst statisch geprüft werden, ob eine Kollektorenfläche tragbar wäre“, so Schöneborn.

Grundsätzlich hat die Stadt jedoch dasselbe Problem wie private Eigentümer, die die Kraft der Sonne für die eigene Stromversorgung nutzen wollen: Die Firmen, die Photovoltaik-Anlagen anbieten und aufbauen, haben volle Auftragsbücher, die Planungen verzögern sich also. „Außerdem gibt es keine Preis- und Zeitbindungen mehr“, sagt Schöneborn. Den Unternehmen fehlten auch Komponenten, vor allem Wechselrichter, für die Anlagen. Zu Kosten- und Zeitplänen könne sich die Stadt daher noch nicht äußern.

Vier Gebäude laufen mitPhotovoltaik, eins kommt hinzu

In Remscheid gibt es schon einige öffentliche Gebäude mit Photovoltaik, möglicherweise auch bald auf Denkmalgeschützten Häusern. Vier Photovoltaikanlagen betreibt die Stadt selbst, elf weitere Anlagen sind in Besitz von Investoren, die ins Netz einspeisen.

Die Anlage der Albert-Einstein-Schule hat die Stadt installiert, die anderen nun städtisch geführten Anlagen hatten Investoren errichtet. Die Leistung der Anlage könne die tägliche Grundlast der AES abdecken. Mit viel Sonne und sauberen Kollektoren könne mit den 38 Kilowattstunden aber unter anderem die Mensa mit versorgt werden, sagt Carolin Künz, Sachgebietsleiterin Energie und Umwelt.

Mit Photovoltaik wird außerdem auch das neugebaute Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung nachgerüstet. „Die Anlage ist auf dem Dach und wird jetzt angeschlossen“, so Künz.

Windkraftenergie

Laut BUND Landesverband NRW hemmen die gesetzlichen Vorgaben den Windkraft-Ausbau. So könne das gesetzte Ziel von 12 Gigawatt durch Windkraft bis 2030 nicht erreicht werden. Dafür müssten unter anderem Schutzräume definiert und mehr Flächen für die Windkraftnutzung freigegeben werden. Auch andere Bundesländer halten an ähnlichen Mindestabstandsregeln fest oder führen sie neu ein.

Standpunkt von Michelle Jünger: Mehr Fläche freigeben

michelle.juenger@rga.de

Sicherlich ist Remscheid nicht der Ort erster Wahl, wenn man an Windkraft denkt. Vielmehr hat man die freien, weiten Flächen der großen Windparks in Niedersachsen vor Augen. Die Schutzregulierungen des Landes schieben Windenergie bei uns aber eindeutig Riegel vor. Genau genommen wird die verfügbare Fläche dadurch sogar landesweit kleiner und das bis 2030 gesetzte Ziel zu erreichen damit unwahrscheinlicher.

Richtig ist, dass Arten-, Natur- aber auch Lärmschutz der nahen Anwohner eine große Rolle bei der Errichtung von Windrädern spielen müssen. Das Land sollte aber mehr Flächen freigeben. Die Nutzbarkeit und auch Schutzaspekte sollten individuell geprüft werden, statt von vorneherein alle Möglichkeiten zu beschneiden. Es ist einfach schwer vorstellbar, dass es keine geeigneten Flächen für Windkraft in Remscheid gibt. Schließlich gibt es an zwei Orten in Remscheid bereits Windräder, beispielsweise an der Dörpmühle.

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