Kunst

Lüttringhausen beim Tanz im Regen verzaubert

Outdoor-Performance zu Corona-Zeiten: „Tanzt.jetzt“ mit (v.l.) Julia Gómez Avilés, Astrid Bramming, Joy Kammin. Foto: Roland Keusch
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Outdoor-Performance zu Corona-Zeiten: „Tanzt.jetzt“ mit (v.l.) Julia Gómez Avilés, Astrid Bramming, Joy Kammin.

Siebenköpfige Künstlergruppe verwandelte fünf Stationen im Stadtteil kurzfristig zu einer Bühne.

Von Peter Klohs

Lüttringhausen. Die Künstlergruppe „Tanzt jetzt“ war am Samstag an fünf alltäglichen Orten im ansonsten beschaulichen Stadtteil Lüttringhausen unterwegs, um aus diesen Orten kurzfristig Bühnen zu machen, um mit Tanz neue, moderne Geschichten zu erzählen. „Tanzt.jetzt“, mit deren künstlerischen Leiterin, der Lüttringhauser Tänzerin Joy Kammin, verzauberte durch Bewegung und andere Kunstarten auf abstrahierte Weise kurzfristig den Stadtteil.

Fünf Tänzerinnen und zwei Tänzer gehören zum Ensemble. Die Kunstschaffenden stammen aus westeuropäischen Ländern, von Dänemark bis Spanien. Alle teilen sie die Begeisterung am Tanz. Allerdings schien der Wettergott am Samstag nicht gnädig gestimmt: Er ließ es regnen, einen schönen, durchgehenden bergischen Landregen. Aber, so Joy Kammin, ein Plan B existiere nicht, und so gäbe es halt ein „Dancing in the rain.“

Von der Heimatspielbühne bis zum evangelischen Friedhof

Die Heimatspielbühne im Herzen Lüttringhausens war die erste von fünf Stationen, die es in gut 75 Minuten, und dank Corona dreimal hintereinander zu betanzen galt. Die zwanzig Besucher sahen die Dänin Astrid Bramming, die sich, anscheinend etwas suchend, durch die Sitzbänke bewegte und dann zwei von Mittänzerinnen belegte Sitzgelegenheiten vorfand. Langsame, melancholische Popmusik setzte ein, und die drei jungen Frauen bewegten sich dazu, teilweise arhythmisch zwischen Ausdruckstanz und Improvisation, zwischen Spagat und Schulterkreisen.

Ein wenig beachteter Hinterhof in der Gertenbachstraße war die Bühne für die zweite Station, in der der Niederländer Thomas Walschot und die Schweizerin Naomi Kamihigashi ihre Musik zunächst mit Multitracking selbst erzeugten, mit Herzklopfen, Kehlkopfgeräuschen, Klatschen und Summen, sich von beinahe intimer Nähe immer weiter tänzerisch voneinander entfernten, sich wie in Zeitlupe bewegten und nach diversen Minuten wieder zusammenfanden. Station 3 war die spektakulärste: Ein Wohnhaus an der Tannenbergstraße wurde Aufführungsort für eine aufregende Viertelstunde. Joy Kammin, mit einer Gießkanne in den Händen, bearbeitete den Vorgarten (während es junge Hunde regnet), im geöffneten Badezimmerfenster erschien eine Frau in Bademantel und Haartuch, die Vokalartistik darbot, zwischen Dada und Koloratur, zwischen Fantasieworten und Gerülpse. Aus der Garage erscholl harter Techno, eine Disco-Queen tanzte dazu.

Die Österreicherin Verena Pirchner hatte sich ihre Tasche über den Kopf gezogen. Die Szene war surreal. Ganz anders am Teich bei Blumen Scheider, unweit des evangelischen Friedhofes. Lars Nichtvontrier zeigte eine moderne Spielart des Froschkönig-Märchens, ganz ohne Musik, nur von spärlichen Worten begleitet, die Marti Kammin beisteuerte. Der deutsche Tänzer endete im Wasserlauf. Die letzten Stationen befanden sich auf dem Friedhof selbst. Nachdem Thomas Walschot den Toten am Mahnmal zum Gedenken der Opfer der beiden Weltkriege mit Unterstützung sphärischer Trance-Musik tänzerisch gedacht hatte, hörte man Flügelhornklänge über den Friedhof wehen.

„Unter dem Himmel von Paris“, von Jürgen Kammin wehmütig intoniert, während drei Tänzerinnen sich barfuß über Wege bewegten, sich beinahe trafen und wieder verschwanden, gemeinsam mit den Tönen des Flügelhorns, die verwehten wie das Leben an diesem Ort.

Exakter Zeitplan

Eine Woche haben die fünf Tänzerinnen und zwei Tänzer von „Tanzt.jetzt“ mit einem exakten Zeitplan geprobt, um Samstag die fünf Stationen in Lüttringhausen zu betanzen. www.tanzt.jetzt.de

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